Ein sehr mallorquinischer Deutscher

| Palma |
Sichtlich gerührt: Helmut Kalenborn mit der Balearen-Flagge. Im Hintergrund Joan Gibert.

Sichtlich gerührt: Helmut Kalenborn mit der Balearen-Flagge. Im Hintergrund Joan Gibert.

Foto: Patricia Lozano

Eingehüllt in die Balearen-Flagge stand er auf der Bühne. Mit Tränen in den Augen. Und der Applaus in Palmas Trui Teatre schien nicht enden zu wollen. Es war sein Tag. Und vielleicht der endgültige Beweis dafür, dass Helmut Kalenborn zwar vor knapp 80 Jahren in Deutschland geboren wurde, inzwischen aber ein waschechter Mallorquiner ist.

Die Motorsportszene der Insel verneigte sich am Dienstagabend vor dem Rennfahrer aus dem Rheinland. Anlass war die Präsentation eines Films von Regisseur Joan Gibert und dessen Firma RLM Audiovisual über das Leben des PS-Sportlers, der insgesamt neunmal die auf der Insel sehr beliebte Balearen-Bergmeisterschaft gewonnen hat. Fast 500 Zuschauer fanden den Weg zu der vom Mallorca Magazin organisierten Filmpremiere und wissen dank „El Kaiser de las alturas“ jetzt mehr über Helmut Kalenborn.

Schon bei der Begrüßung betonte MM-Chefredakteur Alexander Sepasgosarian „Helmut ist ein Deutscher. Aber ein sehr mallorquinischer Deutscher.“ Er kennt Kalenborn lange und erinnerte sich auf der Trui-Teatre-Bühne an eine gemeinsame Autofahrt. Sepasgosarian dachte, ihn erwartet jetzt mit dem Rennfahrer am Steuer ein wilder Ritt durch den Straßenverkehr, doch Kalenborn fuhr sehr respektvoll. So geht er auch im Alltag mit den Menschen um.

Seine Fans erlebten den Wahl-Mallorquiner eher mit Vollgas. Bei den Rennen der Balearen-Bergmeisterschaft handelt es sich um Einzel-Zeitfahren, bei denen es darum geht, mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit die Strecke hochzubrettern. Und das machte Kalenborn, der am 2. April 80 wird, im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten im aufsehenerregenden Formel-Fahrzeug, wodurch auf der Insel ein Hauch von Formel 1 wehte. Im Film integriert sind viele Archiv-Aufnahmen von den halsbrecherischen Auffahrten, auch der einzige schwere Unfall, den der Rennfahrer hatte, wird nicht ausgespart. Und so mancher Premieren-Zuschauer hat die dramatischen Szenen aus dem Jahr 1999 am Dienstag zum ersten Mal gesehen.

Ansonsten menschelte es sehr auf der Leinwand. Viele Freunde und Wegbegleiter kommen in dem Werk von Regisseur Gibert, den Kalenborns Rennen schon als kleiner Junge begeisterten, zu Wort. Sie erinnern an Erlebnisse mit der PS-Legende, auch an Geschehnisse, die abseits der Rennpiste passierten.

Dass der Protagonist am Ende zu Tränen gerührt war, überrascht nicht. „Ich hatte gedacht, dass vielleicht 100 kommen. Aber ganz Mallorca ist hier“, meinte er schon beim Eingangs-Interview beeindruckt von der Kulisse. Und das Interesse der Menschen hängt sicherlich nicht nur mit der sportlichen Leistung des Motorsportlers zusammen. In dem Film hat auch Monti Galmés einen Auftritt. Der frühere Präsident von Real Mallorca und langjährige Regionaldirektor der Robinson-Clubs spricht über den Rheinländer als Musterbeispiel für gelungene Integration.

Kalenborns letzte Worte im Film: „Ich fühle mich mehr mallorquinisch als deutsch.“

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