Egal ob in den gedruckten Kleinanzeigen oder in Onlineportalen- Mietwohnungen sind auf Mallorca Mangelware. | Patricia Lozano

Eine bezahlbare Wohnung – vor allem in Palma – zu finden, ist für viele Menschen gefühlt eine Lebensaufgabe. Aktuell liegt der Quadratmeterpreis durchschnittlich bei 14 Euro und stellt viele Singles und Familien vor Herausforderungen. Daher haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen dazu entschieden, in Wohngemeinschaften zu leben – mit Verwandten, aber auch mit Fremden. Die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" bezieht sich dabei auf Zahlen des nationalen Statistikinstituts (INE). Seit 2014 hat sich die Zahl vervierfacht. Aktuell geht man davon aus, dass sich auf den Balearen im Jahr 2020 insgesamt rund 162.000 Personen mit anderen Menschen eine Wohnung teilten.

Oft handelt es sich hierbei um Familienmitglieder, die zusammen unter einem Dach leben. Wie etwa, wenn die Schwiegermutter oder die Schwester ebenfalls im gleichen Haushalt leben. Es gibt aber auch rund 30.000 Menschen, die sich eine Wohnung teilen, ohne dass sie familiären Bezug zueinander zu haben. Diese gleichen Zweck-WGs, wie sie sicher viele aus ihren Studentenzeiten kennen. Sich das Bad und die Küche täglich mit Fremden zu teilen, ist die Realität von tausenden Menschen auf den Balearen, weil sie sich eine eigene Wohnung finanziell nicht leisten können.

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Die Verantwortlichen des Statistikinstituts gehen davon aus, dass dieses Schicksal besonders Einwanderfamilien trifft. Diese kämen zum Arbeiten nach Mallorca oder auf die Nachbarinsel, würden dann mit dem umkämpften Wohnungsmarkt konfrontiert und entschieden sich dann für geteilten Wohnraum. Besonders bei Einwanderern aus dem asiatischen Raum, wie etwa von den Philippinen, ist das in Palma durchaus üblich, Zweck-WGs mit anderen zu gründen und so wesentlich kostengünstiger zu leben. Dem vom spanischen Statistikamt INE erhobenen Wohnungspreisindex zufolge sind die Immobilienpreise in ganz Spanien nirgends so teuer wie auf den Balearen.

Die steigenden Mietpreise sind auf den Balearen seit Jahren ein großes Thema. Aktuell werden sie auch immer wieder im Wahlkampf aufgegriffen, denn im Mai dieses Jahres stehen auf den Balearen Kommunalwahlen an. Die Regierung von Mallorca und den Nachbarinseln setzt alles daran, noch vor der Regionalwahl im Mai die Mieten zu deckeln. Die Zentralregierung in Madrid wurde aufgefordert, ein bereits erarbeitetes neues Wohnungsgesetz schnellstmöglich im Abgeordnetenhaus zu verabschieden, damit die Inseln sich darauf berufen können. Streitigkeiten zwischen den linken Koalitionspartnern PSOE (Sozialisten) und Podemos hatten bislang verhindert, dass das Gesetzesvorhaben spanienweit umgesetzt werden konnte.