Die letzten Bastionen des Schallplatten-Handels

| Palma de Mallorca |
In Palma de Mallorca ist Miquel Àngel Sancho ein Veteran der Tonträgerindustrie. Anfang der 1980er Jahre gründete er den Laden X

In Palma de Mallorca ist Miquel Àngel Sancho ein Veteran der Tonträgerindustrie. Anfang der 1980er Jahre gründete er den Laden Xocolat und das Label Blau.

Wer kauft heute noch CDs und Schallplatten? Zum Beispiel all diejenigen, die am 22. und 23. Oktober zur Internationalen Plattenmesse Fira del Disc in die Palma Arena gehen, um gebrauchte oder neue Tonträger zu erstehen. Doch wo findet man heute auf Mallorca sonst noch die herkömmlichen Tonträger?

Mit der Digitalisierung hat die Musikbranche einen Sturzflug vollzogen. Mallorca macht da keine Ausnahme. "In den vergangenen zehn Jahren haben in Palma um die 20 Plattenläden geschlossen. Heute gibt es eigentlich nur noch El Corte Inglés und uns", sagt Miquel Àngel Sancho. 1980 gründete er in Palmas Innenstadt das Geschäft Xocolat, zwei Jahre später rief er das Label Blau ins Leben. Den Beginn des recht rapiden Niedergangs datiert er auf das Jahr 2003: "Seither ist der Verkauf um 70 Prozent zurückgegangen."

Sancho skizziert diese Entwicklung so: Zuerst habe dem Handel die sogenannte Top-Manta schwer zugesetzt. So bezeichnete man die Raubkopien, die Straßenverkäufer auf einer Decke (Spanisch: manta) ausbreiteten, um sie schnell zusammenraffen zu können, wenn sie vor der herannahenden Polizei fliehen mussten.

Heute ist die Top-Manta aus dem Straßenbild verschwunden. Verdrängt wurde sie durch die illegalen Downloads. Diesen grub wiederum die Industrie mit Streamingdiensten und dem Download einzelner Titel das Wasser ab. Eine goldene Nase lässt sich damit aber nicht verdienen. Der Titel "Al Mar" der katalanischsprachigen Indie-Popband Manel sei 1,5 Millionen Mal gehört worden, was gerade mal 5000 Euro eingebracht habe, rechnet Sancho vor. "Das reicht bei Weitem nicht, um eine neue CD produzieren zu können."

Dank einer radikalen Anpassung an den Wandel gehört Xocolat mit seinen sechs Mitarbeitern zu den Überlebenden der digitalen Revolution. Eine Hälfte des Ladens im Carrer Font i Monteros Nummer 18 wurde in eine Cafeteria umgewandelt. Der Betrieb dort brummt besonders bei Veranstaltungen wie Konzerten, Ausstellungen und Buchpräsentationen.

Die andere Hälfte ist weiterhin für den Verkauf von Platten reserviert. Allerdings hat sich das Bild geändert. Mittlerweile macht die Schallplatte aus Vinyl 50 Prozent des Verkaufs aus, Singles und LPs, alte Sammlerstücke und Neupressungen.

Bei den CDs, so Sancho, seien vor allem Kompilationen im Sonderangebot beliebt. Die Kunden: Fans örtlicher Musiker, Sammler seltener Scheiben, Musikliebhaber, für die das MP3-Format die leibhaftige Sünde in Gestalt des komprimierten Klanges ist, und sogar Touristen, die beim Stadtbummel auf den Laden stoßen.

Und schließlich sind da noch die Produkte des eigenen Labels, Musik made in Mallorca, von Tomeu Penya und Maria del Mar Bonet,von Bluesman Víctor Uris und Jaime Anglada oder vom Jazzpianisten Manfred Kullmann. Und das Ende des Musiklabels sieht Sancho noch lange nicht gekommen: "Die Labels stellen den Inhalt, und solange es dafür keine gültige Alternative gibt, wird es sie weiter geben."

(aus MM 43/2016)

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