Lesung: Ein Mord im Rentner-Getto auf Mallorca

| Lloret de Vistalegre, Mallorca |
Buchautor Axel Thorer in der "Cala Colón".

Buchautor Axel Thorer in der "Cala Colón".

Foto: Archiv

"Ich schlug zu. Immer wieder. Ich zählte nicht mit. Ich bin kein Pedant." So beginnt das Buch "Dass ich sie ermordet habe, daran ist meine Frau ganz alleine schuld". Geschrieben hat es Axel Thorer, Buchautor, Kolumnist und bis 2008 langjähriger stellvertretender Chefredakteur der "Bunten". Am Donnerstag, 25. Januar, wird er auf der Kulturfinca Son Bauló in Lloret de Vistalegre aus seinem jüngsten Werk lesen. Als Kontrast dazu wird der Autor Thomas Fitzner aus seinem Buch "Wo zum Kuckuck sind die Palmen?" ein paar Anekdoten einstreuen.

"Mallorca-Tatort" nennt Thorer sein Buch. Dieser Tatort entfaltet sich vor dem inneren Auge des Lesers durch den Monolog von Edwin S., deutscher Rentner aus Duisburg-Meiderich, jetzt wohnhaft in der deutschen Rentnerkolonie Cala Colón. Edwin hat seine Frau Herta mit dem Bügeleisen erschlagen.

Dafür empfindet er weder Schuld noch Reue. "Vorm Bücken habe ich Angst, vor ihrem Totsein nicht. So ist das, wenn man zu lange miteinander gelebt hat", weht dem Leser gleich auf der ersten Seite kalte Gleichgültigkeit entgegen. Um die Tat herum baut sich das Bild einer Kolonie deutscher, integrationsresistenter Rentner auf. "Den Wunsch, Spanisch zu sprechen, verspürt keiner. Oder gar Mallorquin. Wozu?", sagt Edwin S.. Sein Nachbar Erwin legt noch drauf: Ausländer seien für Deutsche auch im Ausland Ausländer.

Mitunter möchte man grinsen, doch schon im nächsten Satz lauert der Abgrund. Und ein düsteres Leben unter der strahlenden Sonne Mallorcas. Wenn Edwin S. etwa auf die (Nicht-mehr-)Sexualität im Alter zu sprechen kommt, ist die erste Schmerzgrenze erreicht. Nicht weniger trist klingt es, wenn der Täter über seine Ehe spricht, die nur noch durch gegenseitige Bosheiten zusammengehalten wird, und zu der Erkenntnis kommt: "Denn eine Einsamkeit dieser Art ist einsamer als Alleinsein. Weil man an der Zweisamkeit erkennt, wie einsam man ist. Viel mehr als wenn man als Alleiniger einsam ist. Also ist es doch besser, gleich alleine zu sein."

Der Gegenpol in diesem Getto sind andere deutsche Rentner, die für den Fall des Ablebens ihres Partners schon mögliche Nachfolger ausgeguckt haben. Um weiter ihren Alltag zu leben, in dem sich seine Bewohner nur noch für den Klatsch über neidisch beäugte Nachbarn, das Funktionieren der Müllabfuhr und die zuverlässig scheinende Sonne interessieren. Und für den Suff oder wie man ihn vermeidet.

Nun könnte man meinen: Ist doch eh nur eine Geschichte. Doch Thorer hat mit seinem Buch einen Mord aufgegriffen, der sich tatsächlich ereignet hat. Der Autor verfolgte den Gerichtsprozess, besorgte sich später die Akten, besuchte den Täter, der zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde, mehrmals im Gefängnis und sprach mit den Nachbarn und versichert: "In dem Werk stammt kein Wort von mir, sondern alles aus den Gerichtsakten und den Gesprächen mit den Nachbarn." Lediglich verfremdet habe er die Geschichte, fügt er hinzu. So wurde Rudolph M. zu Edwin S., aus der Schusswaffe ein Bügeleisen und die Cala Murada zur Cala Colón.

INFOS AUF EINEN BLICK

Donnerstag, 25. Januar, 19 Uhr: Lesung mit Axel Thorer und Thomas Fitzner; 15 Euro (Asia-Wok 14 Euro); Reservierung: 971-524206. Ort: Son Bauló, Camí de Son Bauló 1, Lloret de Vistalegre.

Buch: Axel Thorer: "Dass ich sie ermordet habe, daran ist meine Frau ganz alleine schuld"; Verlag Fabri; 9,90 Euro, E-Book 1,69 Euro.

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