Die Künstlerin mit dem großen Portfolio

| Vilafranca, Mallorca |
Brigitte Karasek bemalt nicht nur Leinwände. Ihre „Crazy Art Bags” sind tragbare Statements.

Brigitte Karasek bemalt nicht nur Leinwände. Ihre „Crazy Art Bags” sind tragbare Statements.

Foto: Patricia Lozano
Brigitte Karasek bemalt nicht nur Leinwände. Ihre „Crazy Art Bags” sind tragbare Statements.„Caras” heißt Karaseks Serie von Frauengesichtern, die Gemälde, Kleidung und Taschen zieren.

Wenn es für jeden Menschen einen charakteristischen Begriff gibt, dann ist dies bei Brigitte W. Karasek das Wort „kreativ“. „Ich entwerfe und experimentiere für mein Leben gern”, sagt sie. Egal, ob sie ein Unternehmen betritt, um dort einen Raum mit ihren Gemälden zu gestalten, oder ob sie in einer Boutique eine Handtasche sieht, um sie in ein Kunstwerk zu verwandeln, stets passiert dies: „Die Ideen fluten mich.“

Dreadlocks und bemalte Jeansjacke, so sitzt Karasek in ihrem Atelier, mitten auf einer Finca zwischen Vilafranca und Manacor. Vor ihr hängt an einer Stange rund ein Dutzend Handtaschen. Jede Tasche hat sie mit Acrylfarben bemalt, jede ist ein Unikat.

„Eigentlich bin ich gar kein Taschenfreak“, bekennt sie. Auf die Idee habe sie eine Kundin gebracht, die meinte: Wenn sie schon Kleidung gestalte, warum dann nicht auch Taschen? Karasek begann, ihre „Caras“ auf Leinwand, großformatige Frauengesichter zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, auch auf Taschen zu malen. Die Umsetzung ist freilich eine ganz andere: Je genoppter der Untergrund, desto schwieriger der Farbauftrag. „Was auf Leinwand möglich ist, geht auch einer Tasche noch lange nicht“, so die Künstlerin.

Karaseks „Caras“ sind gefragt. Ihre Taschen zieren aber auch andere Motive. Die Katzen und Hunde von Kundinnen, ein buntes Schlangenpaar, ein „Flower-Power“-Motiv, das Konterfei von Marilyn Monroe oder ganz abstrakte Muster. Teils sind es Kundenwünsche, teils die Formen und Farben der Taschen, die Karaseks Schöpferkraft zum Sprudeln bringen. „Crazy Art Bags“ nennt sie ihre Kreationen, von denen jede ein tragbares Statement ist.

Zum Portfolio der Künstlerin gehört auch die Unternehmenskunst. Ihre großformatigen abstrakten Bilder und Akustikelemente bringen die Leitwerte und Visionen einer Firma zum Ausdruck. „Ich finde das toll, weil ich so zu Ideen komme, zu denen ich in meinem Atelier nie kommen würde“, schätzt Karasek diese Art der Arbeit, die sie auch für Privatpersonen anbietet.

Genau genommen müsste sie von „meinen Ateliers“ sprechen. Denn die Künstlerin ist das, was sie selbst als „Kreativnomadin“ bezeichnet. Sie pendelt zwischen München, ihrer Heimatstadt Wien, Thailand – und sein eineinhalb Jahren auch Mallorca.

Nicht nur geografisch ist Karasek eine Wandlerin zwischen den Welten. Was man bei ihrem Outfit am wenigsten vermuten würde: Vor ihrem Leben als Künstlerin war sie Bilanzbuchhalterin und Industriekauffrau. Sie weiß, wie Unternehmen ticken.

Weitgehend zumindest. Einst präsentierte sie dem Vorstand eines Großunternehmens ein Kunstprojekt. Anschließend meinte der Marketingchef, mit ihren Angeboten, die Hand und Fuß hätten, und ihrer normalen Kleidung könne er nicht glauben, dass sie Künstlerin sei. „Beim nächsten Treffen zog ich mich vogelverrückt an“, erzählt Karasek. Der Marketingchef habe sie daraufhin zum Essen eingeladen – in der Betriebskantine: „Das hebt sofort meinen Kreativitätswert“, erklärte er der Künstlerin.

Die Kleidung aus ihrem alten Leben hat sie komplett entsorgt. Heute trägt sie, was sie will, läuft im Leopardenmantel – „natürlich nicht echt“ – und mit selbst bemalter Kleidung herum. Ein Visitenkärtchen hat sie immer dabei, für alle Fälle. Denn oft wird sie auf ihr Outfit angesprochen. Worüber ihr flippiges Äußeres hinwegtäuschen mag: Karasek blickt als realistische Pragmatikerin auf die Welt. Ihr Erscheinungsbild sei sehr vorteilhaft für ihre Arbeit, stellt sie nüchtern fest. „Ich bin dadurch nicht angreifbar, wie ein Hofnarr. Wenn ein Bürger das Gleiche machen würde, dann würde man ihn steinigen.“

Ihre künstlerischen Fähigkeiten setzt Karasek auch bei Kunstkursen und bei Teambuilding ein. Mitunter bekommt sie dabei von Menschen zu hören, dass sie überhaupt nicht kreativ seien. Ihre lapidare Antwort: „Dann wärst du schon tot.“

(aus MM 50/2018)

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