Oper 4.0 zum 50-Jährigen des Auditoriums in Palma

| Palma, Mallorca |
Minimalistisch und zeitgemäß: Die Inszenierung des „Barbiers von Sevilla” der Regisseurin und Choreografin Deda Cristina Colonna.

Minimalistisch und zeitgemäß: Die Inszenierung des „Barbiers von Sevilla” der Regisseurin und Choreografin Deda Cristina Colonna.

Foto: Veranstalter

Genau 50 Jahre ist es her. Mit den Berliner Philharmonikern war eines der bedeutendsten Sinfonieorchester der Welt nach Mallorca gekommen, um unter der Leitung ihres Star-Dirigenten Herbert von Karajan das Auditorium von Palma einzuweihen.

Ein halbes Jahrhundert später wird am Mittwoch und Donnerstag, 4. und 5. September, Giuliana Retali am Dirigentenpult stehen, wenn das Jubiläum des Auditoriums mit zwei Aufführungen der Rossini-Oper „Il Barbiere di Siviglia” gefeiert wird.

Die Dirigentin Giuliana Retali hat das Konzept der Oper 4.0 entwickelt.

Das Besondere ihrer Interpretationen ist die Einheit von Musik und gesungenem Text, die sich durch eine außerordentliche Präzision, Verständlichkeit und rhetorische Kraft auszeichnet.

„Oper 4.0“ nennt Retali dieses Konzept, in Anlehnung an die vier industriellen Revolutionen. Analog dazu teilt die Dirigentin die Geschichte der Oper in vier Phasen auf: Die Entstehung des Genres in der Renaissance mit dem „Recitar cantando“ von Monteverdi, die Opernreform von Gluck und seinem Librettisten Calzabigi ab 1769, der Übergang vom Belcanto zum Verismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zulasten der Textverständlichkeit und jetzt eben die „Oper 4.0“ von Retali mit ihrem Anspruch: „Die Rhetorik muss wieder ernst genommen werden.“ Retalis Ansatz ist nicht aus der Luft gegriffen. Nach ihrem Diplom für Klavier und Cembalo in Lucca und Bologna widmete sie sich an der Schola Cantorum Basiliensis der Alten Musik und der historischen Aufführungspraxis, bildete sich anschließend zur Dirigentin weiter.

Ihr Konzept „Oper 4.0“ ist dabei die Frucht einer langjährigen Verbindung von Forschung und Praxis. In diesem Rahmen studierte sie frühe Kommentare über die Aufführung von Opern, arbeitete nicht nur mit Sängern und Musikern zusammen, sondern auch mit Philologen. Heute kann sie sagen: „Ich lese den Text mit den Augen der Musiker und Librettisten der damaligen Zeit.“ Unterstützt wird ihr Ansatz durch die minimalistische Inszenierung der Regisseurin Deda Cristina Colonna, die sich auf das Wesentliche beschränkt.

Vor zwei Jahren präsentierte Retali die „Oper 4.0“ zum ersten Mal in Palmas Auditorium mit „Le nozze di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Damals bezeichnete das Klassik-Magazin „Crescendo“ die Aufführung als „schlichtweg sensationell“ und schrieb: „Fortsetzung unbedingt erwünscht!“

Dem kommt Retali nun mit dem „Barbier von Sevilla“ nach. Mallorquinische und internationale Gesangssolisten werden an diesen beiden Abenden auf der Bühne stehen. Allen voran der italienische Bariton Alessandro Luongo als Figaro und die bulgarische Mezzosopranistin Svetlina Stoyanova als Rosina. Luongo, seit 1996 international als Sänger tätig, gastierte in den wichtigsten Theatern der Welt, unter anderem in der Scala in Mailand, der Wiener Staatsoper und der Oper in Peking.

Stoyanova steht dagegen noch am Anfang ihrer internationalen Karriere. 1991 geboren, gewann sie 2017 den ersten Preis bei den „Neuen Stimmen” in Gütersloh und ist seit Beginn dieser Saison Mitglied des Ensembles der Wiener Staatsoper, wo sie im kommenden Oktober und Januar ebenfalls die Rosina singen wird.

Begleitet werden die Solisten von der Camerata Mallorquina, einem Orchester, das ausschließlich aus Inselmusikern besteht, und dem Palma Opera Cor.

Weitere Infos zum Konzert finden Sie im MM-Veranstaltungskalender

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