Die Sonnenblumen von Marta Blasco beziehen sich direkt auf das Werk von Vincent van Gogh. | Carlsen Estrategia

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Gorgonen sind in der griechischen Mythologie schreckliche Gestalten mit Schlangenhaaren. Wer sie anblickt, erstarrt der Legende zufolge zu Stein. Die bekannteste Gorgone ist Medusa. Ursprünglich eine Frau von bezaubernder Schönheit, wurde sie von Pallas Athene in dieses Monster verwandelt: Die Göttin hatte sie in ihrem Tempel beim Liebesspiel mit dem Meeresgott Poseidon erwischt – dem römischen Dichter Ovid zufolge handelte es sich um eine Vergewaltigung.

Die Künstlerin Marta Blasco, die 1974 in Valencia geboren wurde und in Palma lebt, hat Medusa in den Mittelpunkt einer Werkreihe gestellt. Unter dem Titel „Mitoginia“ stellt sie diese nun in Can Marqués im Carrer Can Anglada 2a in Palma aus. Diesen Donnerstag, 28. April, wird die Schau um 18 Uhr eröffnet und kann vom 29. bis 30. April sowie am 1. Mai jeweils von 11 bis 14 Uhr und von 17 bis 20 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin besichtigt werden.

„Mitoginia“ ist Blascos fünfte Einzelschau auf Mallorca, nachdem sie bereits in den Galerien Xavier Fiol, Pelaires und Maior sowie in der Kathedrale von Palma ausgestellt hat. Der Titel ist ein Wortspiel, das „Mythologie“ und „Misogynie“, also Frauenhass, in sich vereint.

In zehn Werken interpretiert die Künstlerin den klassischen Medusa-Mythos neu. Sie präsentiert ein bildnerisches Ensemble, in dem verschiedene riesenhafte, hybride und niederträchtige Frauen durch die Zeit gehen und zwischen Schlangen tanzen. Dabei schlägt sie eine positive Lesart der Schlangenfigur vor, wie sie in anderen Kulturen üblich ist, als Symbol für Weisheit, Kraft und Heilung, versehen mit der fabelhaften Fähigkeit zur Erneuerung, die sich insbesondere in der Häutung zeigt.

Diese Idee verstärkt sie mit goldenen Zwischenräumen in der Leinwand. In Anlehnung an „Kintsugi“, eine jahrhundertealte japanische Reparaturmethode für zerbrochene Keramik, sprechen sie vom inneren Licht, das von den Narben ausgeht und die Genesung angesichts von Widrigkeiten und Fehlern hervorhebt.

Neben den Gorgonen und Schlangen präsentiert Marta Blasco eine Serie von Sonnenblumen, die sich direkt auf das Werk von Vincent van Gogh beziehen. In ihren Werken verweisen die Sonnenblumen auf den Wandel und die Hoffnung auf Zukunft, zugleich aber auch auf die Notwendigkeit des Widerstands angesichts eines kulturellen, politischen und sozialen Umfelds, das das Andersartige, das Unabhängige, das Rebellische, das Unzähmbare hart bestraft.

„Mit diesen Werken habe ich einen konzeptionellen und bildnerischen Forschungsprozess eingeleitet, in dem ich den Mythos der Medusa auf eine persönliche Weise neu interpretiere, die weit über die antike Mythologie hinausgeht. Ich betrete Grenzland, Niemandsland, und erforsche die leeren Räume zwischen Mythologie, westlicher Bildtradition und zeitgenössischer Kultur.“