Tomeu Català stieß in der Genealogie von Jesus auf vier Frauen: „Sie waren Ausländerinnen oder Prostituierte.” | Patricia Lozano

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Ostern ist das Fest der Auferstehung Christi. Bei einer Osterfeier auf Mallorca sagte ein Priester vor einigen Jahren vor versammelter Gemeinde: „Ich glaube nicht an die Auferstehung.” Dieser Priester war Tomeu Català. Und er fügte hinzu: „Ich sehe und erlebe sie jeden Tag.”

Was er damit meinte? „Ich bin es gewohnt, mit Personen zu leben, die viel Schmerz, aber auch viel Leben in sich haben, die viel gescheitert sind, sich aber auch viel davon erholt haben. Das ist für mich Auferstehung: dass ein Mensch, der keinen Ausweg mehr zu haben scheint, der dazu bestimmt ist, zu sterben und sich zu zerstören, nach und nach erkennt, dass er einen Lichtpunkt, einen Ausstiegspunkt, einen Lebenssinn hat. Und das Leiden und andererseits den Kampf um das Leben sehe ich jeden Tag. Deshalb ist die Auferstehung für mich jeden Tag.”

Català gründete 1985 die gemeinnützige Organisation Projecte Home Balears, die sich der Prävention und Behandlung von Drogenabhängigkeit und der Rehabilitierung der Betroffenen widmet. Mit seinen 81 Jahren ist er immer noch Präsident der beiden Trägerstiftungen der Organisation. Deren Leitung haben jedoch andere übernommen. „Dadurch kann ich mehr das machen, was mir am meisten gefällt, und das ist der Umgang mit Personen”, sagt er.

Wenn er nicht gerade forscht und schreibt. Mitten März ist beim Verlag Disset sein Buch „Y ellas fueron las primeras” (Und sie waren die Ersten) erschienen.

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Am Anfang dieses Buches steht ein Jesus-Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: „Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr.” Um seine Bedeutung zu verstehen, studierte Català zunächst die Rolle der Frau in der hellenistischen, römischen und jüdischen Welt zur Zeit Christi. Zudem untersuchte er anhand der vier Evangelien, wie Jesu Einstellung zu Prostituierten und grundsätzlich zu ausgegrenzten und marginalisierten Menschen war.

Seine Schlussfolgerung: In der strikt patriarchalischen Gesellschaft, in der Jesus lebte, in der Frauen keine Rolle spielten und die religiösen Meister in ihren Häusern lehrten, war Jesus selbst ein Außenseiter: „Er war ein Wanderlehrer und noch dazu in Begleitung von Männern und Frauen. Trotzdem ist stets nur die Rede von den zwölf Aposteln. Doch für Català ist Maria Magdalena die erste Apostolin. Der auferstandene Jesus habe sie zu seinen Jüngern geschickt, damit sei ihnen berichte, was sie erfahren hatte.”

Bezeichnend findet Català die Haltung Jesu gegenüber der prostituierten Frau: „Er urteilt nicht. Jesus liebt, er ist an ihrer Seite.” Bei seinen Forschungen stieß Català in der biblischen Genealogie Jesu selbst auf vier Frauen: „Sie waren Ausländerinnen oder Prostituierte”, sagt er und erklärt, dass in der jüdischen Welt die Definition Prostitution nicht nur für Menschen galt, die ihren Körper für Geld verkaufen. „Eine ausländische Frau oder eine Frau ohne Nachkommenschaft wurde auch als Prostituierte betrachtet”, erzählt er und fügt hinzu: „Jesus ist Jude, aber er stammt auch von diesen vier Frauen ab. Es ist normal, dass eine Person, die sich ihrer Realität bewusst ist, zu anderen keine Beziehung von oben herab hat, sondern von Herz zu Herz.”

PALMA. PUBLICACIONES. El ‘alma mater’ del Projecte Home Balears, Tomeu Català , publica un libro que revisa el papel femenino en la vida de Cristo. La prostitución y la mujer en la época de Jesús.MAS FOTOS EN LA CARPETA DEL 14-03-2023
Das Buch ist bei Disset erschienen und kostet 19 Euro.

Von dort ist der Sprung zu Català selbst nicht weit. „Ich habe eine Schwäche unter anderem für Frauen, die sich prostituiert haben”, sagt er. Warum? Er wisse es zwar nicht, habe aber im Rahmen eines Forschungsprogramms auf den Balearen erfahren, dass seine Urgroßmutter aus dem Waisenhaus stammte und adoptiert wurde. „Da verstand ich ein bisschen die ungewollte und unreflektierte Zuneigung, die ich zu allen möglichen Leuten habe.”

Auch mit Pornografie setzt sich Català in dem Buch auseinander, obwohl er es eigentlich gar nicht vorhatte. Dass er es trotzdem tat, begründet er damit, dass sie eines der großen Geschäftsfelder des organisierten Verbrechens und darüber hinaus die Tür zum Einstieg in die Prostitution sei. Und mit einem Widerspruch: „Der Junge von zwölf Jahren lernt in der Schule, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind. Auf der anderen Seite vermittelt Pornografie, das die Frau ein Objekt zum Benutzen und Manipulieren ist. Das schadet vielen, vor allem den Schwächsten.”