Ein Dutzend korinthische Säulen umrahmen den Innenhof des Adelspalastes. | Teresa Ayuga

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Die Mallorquiner haben den Ruf, ihren Wohlstand nicht gerade zur Schau zu tragen. Wer es zu Reichtum gebracht hat, der lässt das in der Regel nicht heraushängen. Das hat auf der Insel Tradition. Gut zu erkennen ist das an den historischen Wohnhäusern der Inselaristokratie, Palmas Adeslpalästen. Deren Prunk bleibt nämlich in der Regel hinter hohen, oft fensterlosen Mauern verborgen, von denen nicht selten bereits der Putz bröckelt. Nur, wenn das schwere Holztor gerade offenstehen sollte, durch das einst die Pferdekutschen rumpelten, kann man einen Blick in diese fremde, längst vergangene Welt erhaschen.

Nicht anders ist das im Fall von Can Vivot. Um sich eine Vorstellung von der wahren Größe des Altstadtpalastes zu verschaffen, hilft ein Blick aus der Vogelperspektive. Das Gebäude, dessen Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert, indem die umliegenden Häuser aufgekauft und integriert wurden. Heute umfasst Can Vivot den gesamten Häuserblock und nimmt mehr Fläche ein, als die benachbarte Kirche Santa Eulàlia. Allein die Fassade des Hauses am Carrer de Can Savellà, das seit 1973 unter Denkmalschutz steht, misst fast 100 Meter.

PALMA. PATRIMONIO. El Casal Can Vivot se transforma en museo.

Neben Resten aus arabischer Zeit, die sich unter dem heutigen Garten befinden, haben auch Elemente aus der Gotik überdauert, wie einige charakteristische Fenster- und Torbögen beweisen. Bei einem der ältesten Bereiche handelt es sich um das einstige Salzlager: Im Spätmittelalter hatten die damaligen Eigentümer das Salzmonopol inne.

Die bedeutendste Umbaumaßnahme fand zu Beginn des 18. Jahrhunderts statt, als Can Vivot im Besitz von Joan Sureda i de Villalonga war. Aus jener Zeit stammen die barocken Stilelemente nach dem Vorbild venezianischer Paläste, die bis heute den überwiegenden Teil des Inneren prägen. Unter anderem stammen die Deckenmalereien des Italieners Giuseppe Dardanone aus jenen Jahren, die überwiegend Szenen der klassischen Mythologie zeigen. Auch die üppigen Stuckarbeiten gehen auf jene Epoche zurück.

PALMA. Crónicas de arte, patrimonio y paisaje. Barroco en contraperspectiva, otra visión del patio

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Der damalige Eigentümer des Gebäudes war in den spanischen Erbfolgestreitigkeiten die treibende Kraft unter den mallorquinischen Anhängern der Bourbonen. Er richtete geheime Treffen aus, an denen auch Vertreter der zum Christentum konvertierten Juden Mallorcas teilnahmen, die sich von den Bourbonen ein Ende der Inquisition und damit der Verfolgung versprachen. Zunächst gelangte Joan Sureda i de Villalonga deshalb in Gefangenschaft und wurde gar zum Tode verurteilt. Als sich dann jedoch das Blatt wendete, wurde er begnadigt und 1717 vom neuen Regenten mit dem Grafentitel Marqués de Vivot für seine Loyalität belohnt. Seitdem lautet der Name des Gebäudes Can Vivot.

Mehrfach begegnet man beim Rundgang durch die Gemächer denn auch folgerichtig Huldigungen des ersten spanischen Bourbonenkönigs Felipe V., so etwa im sogenannten Thronsaal und in der Bibliothek, in der Porträts des Monarchen und dessen gesamter Familie hängen. Außerdem befinden sich dort die Bestände der ehemaligen Bibliothek des Kapuzinerklosters, die im 19. Jahrhundert aufgekauft wurden.

Das erste, was Besucher des Hauses zu sehen bekommen, ist aber der enorme Innenhof, mit den aus rotem Marmor gefertigten Säulen. Im Pflaster sind geometrische Muster zu erkennen. Die Kutschen, die hier stehen, stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bedeutend ist auch die Treppe, die als größte ihrer Art in Palma gilt und beim Bau anderer Herrenhäuser als Vorbild diente, wie es heißt. Sie führt hinauf in die Wohnetage.

PALMA. Crónicas de arte, patrimonio y paisaje.Dort hängen noch dieselben Bilder an den Wänden, wie im frühen 18. Jahrhundert, allesamt Werke bedeutender Maler jener Zeit, nautische Karten und flämische Wandteppiche. Auch die Einrichtung ist weitgehend unverändert geblieben: Kandelaber, Uhren, Porzellanfiguren, die meterhohen Regale in der Bibliothek, das prunkvolle Himmelbett im Hauptschlafzimmer, die mit gelber Seide überzogenen Stühle aus Wallnussholz, die mit Muscheln besetzte Kommode aus Ebenholz, die vergoldeten Spiegel. Die Wände sind mit feinstem Damast ausgeschlagen. Welcher Prunk einen im Inneren des Hauses erwartet, ist von außen jedenfalls nicht zu erahnen.

Besuche müssen in den historischen Anwesen vorab vereinbart werden. Den Kontakt dazu finden Sie hier