Freundin im Garten vergraben

Starb die Deutsche eines natürlichen Todes? Oder war es ein Verbrechen?

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Hausnummer 107 im Visier: Zahlreiche Reporter verfolgten am Mittwoch das Geschehen in der Siedlung in Canyamel.

Hausnummer 107 im Visier: Zahlreiche Reporter verfolgten am Mittwoch das Geschehen in der Siedlung in Canyamel.

Hausnummer 107 im Visier: Zahlreiche Reporter verfolgten am Mittwoch das Geschehen in der Siedlung in Canyamel.Auch mit diesem Foto von Gisela von Stein suchte ihre Tochter via  Facebook nach der Vermissten. Unter diesen Pinien, rechts neben dem Haus, war der Leichnam vergraben.Via de la Costa 107 in Canyamel: Die Experten der Spurensuche nehmen die Arbeit am Tatort auf.

Die Urbanisation Costa de Canyamel im Nordosten der Insel ist ein beschaulicher Ort. Die Straßen der Küstensiedlung aus den 1970er und 80er Jahren sind schon ein bisschen löchrig, die schmucken Häuser an den Steilhängen gut versteckt unter mächtigen Pinien. Viele deutsche Ruheständler leben hier, auch einige Franzosen und Briten. Spiegelblank liegt heute das Meer unter uns, ein Segelboot zieht vorbei.

Die Via de la Costa ist an diesem Mittwochmorgen auf Höhe der Hausnummer 101 für jeglichen Verkehr gesperrt. Zivilgardisten achten darauf, dass sich niemand dem Haus mit der Nummer 107 nähert. Dort hat sich offenbar vor Wochen ein Drama abgespielt. Die Polizei sucht in diesen Minuten nach der Leiche der seit August vermissten Deutschen Gisela von Stein. Gegen 14 Uhr kommt die Nachricht: Die Vermisste ist gefunden - ihre sterblichen Überreste waren im Garten verscharrt.

Den Fundort der Leiche hat die Polizei vom Lebensgefährten der 66-Jährigen, Axel H. (62), erfahren. Er war am Mittwochmorgen festgenommen und zum Ort des Geschehens gebracht worden. Bis Redaktionsschluss ist unklar, was sich in der Villa am Meer wirklich zugetragen hat. Ist Gisela von Stein eines natürlichen Todes gestorben und wurde von Axel H. in Panik beerdigt, wie er in ersten Vernehmungen aussagt? Oder handelt es sich um ein Verbrechen? Die ermittelnden Beamten vermuten eher das Letztere, wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist. Nähere Erkenntnisse wird erst das Ergebnis der Obduktion erbringen.

Gisela von Stein wurde seit dem 7. August vermisst. Ihre Tochter in Kanada versuchte mittels einer Vermisstenmeldung in Facebook, etwas über den Verbleib ihrer Mutter zu erfahren. Zunächst vergeblich.

Auch Axel H. konnte nicht befragt werden. Er war, offenbar kurz nach dem Verschwinden der Frau, nach Singapur gereist.

Am Montag wird dann sein Porsche Cayenne wieder in der Urbanisation gesichtet. Die Polizei nimmt Kontakt mit Axel H. auf und lädt ihn zu einer Vernehmung vor. Die erste Reaktion des Lebensgefährten: Gisela sei mit Freundinnen in Urlaub gefahren. Als Axel H. nicht zur Vernehmung erscheint, wird er zur Fahndung ausgeschrieben.

Denn die Guardia Civil hat inzwischen auch die Zeugenaussage einer Bekannten des Paares. Ihr gegenüber hatte Axel H. angegeben, seine Partnerin tot aufgefunden und im Garten vergraben zu haben. Vermeintliches Motiv: Man werde ihm den wahren Sachverhalt nicht glauben.

Nach Informationen der Zeitung Ultima Hora macht sich Axel H. außerdem dadurch verdächtig, dass er bei der Banca March alles Geld abhebt und hinterlegte Wertgegenstände mitnimmt.

Am Mittwochmorgen wird Axel H. bei einem Großeinsatz der Polizei in der Nähe seines Wohnorts festgenommen und zum vermeintlichen Tatort gebracht. Gegen 14 Uhr meldet die Polizei den Fund der Leiche und deren Exhumierung.

Während die Spurensicherung den Garten umgräbt, erscheint Ruth R. an der Polizeisperre der Via de la Costa, eine Nachbarin und Freundin der Vermissten. Erst durch die MM-Reporter erfährt die 63-Jährige, was da gerade vor sich geht - und sie kann es gar nicht glauben. "Die beiden waren ein Herz und eine Seele", erklärt sie den liebevollen Umgang des Paares untereinander. Nie habe sie Axel H. aufbrausend oder wütend erlebt.

Die Nachbarinnen hatten häufig gemeinsame Spaziergänge unternommen - beide sind Hundefreunde. Ruth R. hatte ihre Bekannte zunächst nicht vermisst, weil sie selbst in Kur war - und anschließend glaubte sie ihre Freundin in Urlaub.

Ruth R. ist geschockt von dem, was sie gerade erfährt. "Und was ist mit Max?", fragt sie uns. Max war der Hund von Gisela von Stein. Deren Tochter gibt in der Facebook-Vermisstenmeldung an, der Vierbeiner sei von Axel H. eingeschläfert worden.

Gisela von Stein, die den Adelstitel Freifrau trug und von Nachbarn deshalb schon mal liebevoll "Baronin" genannt wurde, kam mit ihrem Lebensgefährten vor rund zwei Jahren nach Mallorca. Zuvor hatte das Paar im südfranzösischen Saint-Paul-de-Vence gelebt.

Gisela von Stein war als kompromisslose Tierschützerin bekannt. Sie soll wiederholt Not leidende Hunde auf mallorquinischen Fincas "befreit" und Tierheimen übergeben haben. Da es dabei auch Probleme mit der Polizei gab, vermutete die Gerüchteküche zunächst einen Zusammenhang zwischen diesen Aktivitäten und dem Verschwinden.

Axel H. und Gisela von Stein wollten auf Mallorca bleiben: In der Costa Romantica steht der Rohbau des Hauses, das ihre feste Mallorca-Bleibe werden sollte.

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