Lust auf mehrere Hektar Land und heimelige Einsamkeit? In Escorca wird das sogar subventioniert. | Foto: Archiv Ultima Hora

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Was haben das thüringische Ilmenau, einige Kolonien Nordamerikas im 17. Jahrhundert und Mallorcas Gemeinde Escorca gemeinsam? Richtig, sie alle werben um Anwohner. Und sie alle zahlen bereitwillig für diejenigen Neulinge, die sich tatsächlich in den Gefilden niederlassen.

80 Euro bekommen Studierende vom Rathaus, wenn sie Ilmenau als ihren Erstwohnsitz angeben. Melden sich bis Ende eines Kalenderjahres mehr als 2000 Studierende in dem ostdeutschen Städtchen an, erhöht sich der Zuschuss sogar auf 100 Euro. In ähnlicher Manier warben die Kolonisten Nordamerikas damals, nach der Entdeckung des Kontinents durch Europäer, um Einwohner. Sie bezahlten den neuen Siedlern die Überfahrt, denn: Ackerland war im "goldenen Westen" billig und reichlich vorhanden, Arbeitskräfte dagegen rar und teuer.

Ganz ähnlich ist es um Escorca bestellt. Die Gemeinde im Tramuntana-Gebirge hat Land, viel Land, knapp 140 Quadratkilometer. Was fehlt, sind die Menschen. Nicht Menschen im Allgemeinen - waghalsige Fahrradfahrer gibt es auf den bergigen Straßen des Gemeindegebiets mindestens genau so viele wie Kurven, sprich: unzählige. Auch an selbst ernannten Grillmeistern auf den öffentlichen Barbecue-Plätzen mangelt es nicht, und das Kloster Lluc im Herzen des Gebiets ist täglich so von Touristen und Pilgern übervölkert, dass es dort sogar eine Apotheke und eine Bankfiliale gibt.

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Allerdings, wo man dort abgehobenes Geld außerhalb der Klostermauern ausgeben soll, ist eine andere Frage. Denn neben dem ein oder anderen Restaurant am Waldrand oder der Repsol-Tankstelle mitten im Wald gibt es in Escorca wenig Möglichkeiten, finanziell auf den Putz zu hauen.

Und doch, Geld soll es sein, was nun den Einwohnerschwund in Griff bekommen soll. An offiziellen "Escorcarianern" fehlt es nämlich von Jahr zu Jahr mehr. Mitte der 1960er waren es noch mehr als 600, im Jahr 2000 nur noch 318 und im vergangenen Jahr gerade mal 236. Eine Bevölkerungsdichte von 1,69 Einwohnern pro Quadratkilometer - dagegen ist Ilmenau das reinste Ballungszentrum.

Wer sich bereiterklärt, eine der Fincas zu beackern, bewirtschaften oder umzugestalten (auch Aktivitäten im Fremdenverkehrssektor sind erlaubt), der soll in Zukunft "Zuschüsse" vom Rathaus bekommen - in welcher Höhe, das ist noch unklar. Kind und Kegel packen, auf eine mehr als weitläufigen Fincas ziehen und obendrein noch subventioniert werden? Kein schlechter Deal. Zumindest für all diejenigen, die es einsam mögen. Und wer weiß, vielleicht liegt der "goldene Westen" ja auch auf Mallorca bald im Trend.

(aus MM 12/2016)