Der Stoff, aus dem Mallorcas Sonnenschirme sind

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Gesehen hat einen solchen Sonnenschirm vermutlich schon jeder Mallorca-Urlauber. Dass es sich dabei meist um heimische Produktio

Gesehen hat einen solchen Sonnenschirm vermutlich schon jeder Mallorca-Urlauber. Dass es sich dabei meist um heimische Produktion handelt, wissen jedoch viele nicht.

Foto: P. Lozano
Gesehen hat einen solchen Sonnenschirm vermutlich schon jeder Mallorca-Urlauber. Dass es sich dabei meist um heimische ProduktioWer schon einmal in der Tramuntana wandern war, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon durch Càrritx-Felder gekommen

Preisfrage: Was macht Mallorcas Strände einzigartig? Der feine helle Sand, die Chiringuitos, die Sonnenschirme? Richtig, die „sombrillas”: Urige Chiringuitos und Traumstrände findet man anderswo auch, aber die Sonnenschirme sind urmallorquinisch. Die gibt es in dieser Form nur hier. Seit jeher werden sie aus Diss gefertigt, dem Süßgras, das so charakteristisch für die Landschaft in der Tramuntana und auf der Levante-Halbinsel ist. Die Mallorquiner nennen es Càrritx.

Früher wurde es noch für viele anderen Dinge genutzt, als nur am Strand Schatten zu spenden und den einen oder anderen Garten zu schmücken. Es gab sogar einen eigenen Beruf, den „Carritxer”. Er mähte und verkaufte das Dissgras. Aus harten Blättern wurde Papier hergestellt. Weiche Blätter waren ein beliebtes Futtermittel. Càrritx diente als Isolierstoff. „Und weil sich die einfachen Leute in den Bergen keine Dachziegel leisten konnten, bedeckten sie ihre Häuser damit. Es ist auch wasserdicht”, sagt Llorenç Cerdà. Der 29-Jährige gehört zu den wenigen auf der Insel, die heute noch vom Càrritx leben. Vor vier Jahren übernahm er die Firma bei Pollença von seinem Großvater. Cerdà stellt Sonnenschirme in verschiedenen Größen und Mustern her, hauptsächlich für die Inselstrände, aber auch für Privatleute.

Die Arbeit ist aufwendig. Von November bis März geht er mit ein paar Helfern in die Berge und schneidet mit einer Handsense die langen Grashalme. Das geht nur mit Handschuhen. Wer Diss schon einmal berührt hat, weiß, dass die Blätter fast wie Messer schneiden können. Ein bis drei Meter hoch können die Pflanzen werden.
Càrritx steht nicht unter Schutz, aber da die Tramuntana überwiegend aus Privatgrundstücken besteht, muss Cerdà immer erst die Genehmigung der Fincabesitzer einholen. Nicht alle seien sofort einverstanden, meint er. „Aber wir erklären ihnen, dass wir damit auch die Natur pflegen und Bränden vorbeugen, denn altes trockenes Diss brennt sehr schnell.” Dann müssen die Blätter mindestens 20 Tage lang trocknen. Anschließend werden sie gebündelt über die Metallgerippe gelegt, mit einem Draht zusammengebunden und zurecht geschnitten. Weder Sonne noch Regen komme durch die robusten Schirme, sagt Cerdà. Um die 100 Euro koste ein Schirm. „Für den Garten werden gerne günstigere Stoffschirme gekauft, aber die halten nicht so lange.” Die Càrritx-Schirme könnten vier Jahre leicht überstehen. Es sei wichtig, sie im Winter trocken zu lagern. Das verlängere ihre Lebensdauer.

Wenn man alle Disspflanzen der Insel zusammenzählt, bedecken sie eine Fläche von mehr als 100 Quadratkilometern, heißt es. Und auch heute erfüllen sie noch eine weitere wichtige Funktion neben dem Sonnenschutz. Nach Waldbränden sind sie die ersten Pflanzen, die wieder wachsen. Natürlich seien Bäume noch besser, meint Joan Mayol vom balearischen Umweltministerium. „Aber Càrritx ist der erste Schritt zur Wiederherstellung des Waldbestands. Es schützt den Boden vor Erosion und versorgt ihn mit wichtigem organischem Material.”

(aus MM 27/2017)

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