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Abends, kurz bevor die Sonne untergeht, erstrahlt der Puig d’Alaró in kräftigem Rot – Blutrot, so will es die Legende: Bei den Kämpfen um die Burg seien im Mittelalter so viele Menschen ums Leben gekommen, dass der Fels bis heute noch nicht wieder ganz reingewaschen ist.

Das Castell d’Alaró ist eine von drei Felsenburgen auf Mallorca, neben dem Castell von Santuïri und dem Castell del Rei bei Pollença. Erste Belege für ihre Existenz stammen aus dem Jahr 902, dem Jahr der muslimischen Eroberung Mallorcas. Mehr als acht Jahre lang sollen Inselbewohner den Invasoren dort oben Widerstand geleistet haben. Erst als ihre Vorräte vollkommen aufgebraucht waren, ergaben sie sich.

Auch während der Eroberung der Insel durch katalanisch-aragonesische Truppen unter Führung von König Jaume I. im Jahr 1229 wurde das Castell d’Alaró zu einem bedeutenden Rückzugsort – ebenso wie die anderen Felsenburgen. Noch zwei Jahre lang sollen muslimische Inselbewohner dort ausgeharrt haben, bis auch sie sich schließlich ergeben mussten.

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Und noch ein weiteres Mal war das Castell von Alaró umkämpft. Nach dem Tod von König Jaume I. wurde dessen Reich aufgeteilt: Die Kronen von Aragón und Valencia wie auch die meisten katalanischen Grafschaften erhielt sein älterer Sohn Pere, das Königreich Mallorca, die Grafschaften Roussillon und Sardinien sowie Montpellier sein jüngerer Sohn Jaume II. Diese Aufteilung hielt nicht lange: Pere zwang seinen Bruder, ihm den Vasalleneid zu leisten. Und 1285 eroberte sein Sohn, Alfons von Aragón, vorübergehend Mallorca. Nur einige Getreue von Jaume II. leisteten Widerstand – und verschanzten sich auf der Burg von Alaró.

Hier beginnt die Legende. Angeführt wurden die Getreuen von Guillem Cabrit und Guillem Bassa. Als ein Bote im Namen des siegreichen Alfons – im Alt-Katalanischen Anfós, was auch Zackenbarsch heißt – die Herausgabe der Burg verlangte, höhnte Cabrit: „Der einzige Anfós, den wir auf Mallorca kennen, ist ein Fisch.” Dies erboste den Infanten derart, dass er nach der Eroberung der Burg im Januar 1286 Cabrit und Bassa rösten ließ – eben wie ein Cabrit, ein Zicklein. Später wurden die beiden Hauptmänner zu Märtyrern stilisiert und vom Volk wie Heilige verehrt – was auch noch in der Kapelle auf dem Burgberg zu erkennen ist: zwei Bilder am Altar zeigen die beiden Männer, rechts und links der Heiligen Jungfrau.

Wegen der historischen Bedeutung der Burg plant die Balearen-Regierung, das gesamte Gelände für eine Million Euro zu kaufen. Das Geld stammt aus den Einnahmen der Übernachtungssteuer.

(aus MM 45/2018)