Die Villa mit dem prägnanten Turm war einst eine Pension. | mais

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Häuschen gefällig? In Palmas Stadtviertel El Terreno steht eine historische Prachtvilla zum Verkauf. Etwa 200 Interessenten haben sich bereits beim deutschen Besitzer gemeldet.

Schicke Pension mit Meerblick, Stundenhotel, von Punks besetztes Haus und demnächst vielleicht wieder Hotel oder Wohnhaus der Extraklasse – die zweistöckige Prachtvilla an der Avinguda de Joan Miró 86 spiegelt den jahrelangen Niedergang von El Terreno genauso wider wie seine wundersame Wiederauferstehung, die sich seit einigen Monaten abzeichnet.

Oben das Castell de Bellver, unten das Meer: Die landschaftlich reizvolle Lage machte das Viertel im Westen Palmas Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Touristen-Hotspot der Stadt. Wohlhabende Bürger tauschten die engen Gassen und düsteren Paläste im Sommer gegen lichtdurchflutete Villen mit Blick auf die Badebucht von Can Barbarà. Und schon wenig später kamen auch Deutsche, Briten, Franzosen und Amerikaner. Sie liebten das Dolce Vita in Meeresnähe, darunter viele Schriftsteller wie Gertrude Stein oder Camilo José Cela.

Die meisten Sommerhäuser waren bescheiden. Es gab aber auch Ausnahmen wie eben die „Pensión Torre” an der Avinguda de Joan Miró, die nun seit sechs Wochen für 3,5 Millionen Euro zum Verkauf steht, nicht ohne dem deutschen Besitzer etwas Herzschmerz zu bereiten. „Er mag die Jugendstilvilla sehr”, betont der Eigentümervertreter, der namentlich nicht genannt werden will. Der Verkäufer, selbst in der Hotelbranche tätig, wollte die ehemalige Pension eigentlich in ein Urlaubsdomizil zurückverwandeln. „Geplant war ein Hostal im Boutique-Stil, wie es sie etwa in Amsterdam gibt. Auch Wohnungen waren nicht ausgeschlossen”, erläutert der Verwalter. Doch Probleme mit den Denkmalschutzbehörden verhinderten bislang die Umsetzung dieser Pläne. Für Unstimmigkeiten sorgten die Balkone, die von der Originalbauweise abwichen. „Wir waren kompromissbereit”, betont der Verwalter. Seinen Angaben nach verschleppte die Behörde die Hotelgenehmigung dennoch immer wieder. „Das Gebäude ist in einem sehr guten Zustand, alle Lizenzen könnten problemlos reaktiviert werden”, meint er.

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Seitdem das Schild „Se vende” an der Fassade prangt, haben sich rund 200 Interessenten aus Spanien und dem Ausland gemeldet, darunter auch viele Makler. Zwei, drei ernsthafte Angebote liegen mittlerweile vor. Überhasten will man den Verkauf aber nicht. Denn noch hält der jetzige Besitzer den städtischen Behörden ein Hintertürchen offen, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Wem auch immer die Villa in Zukunft gehören wird – er wird nach dem jahrzehntelangen Niedergang von der positiven Entwicklung im ehemaligen Künstlerviertel profitieren. „El Terreno war bis in die 70er und 80er Jahre ein In-Viertel, alle kamen hierhin, um zu feiern. Bis sich die Partymeile zur Lonja verschob. Danach ist nichts mehr passiert, die Gegend war wie mumifiziert“, erklärt Xavier Abraham, Vorsitzender der Nachbarschaftsvereinigung von El Terreno, die sich um die Belange der Anwohner kümmert. Die Gründe für den jahrzehntelangen Verfall liegen für den 74-Jährigen auf der Hand. „Es geht um Spekulation. Viele Hausbesitzer taten jahrelang nichts und warteten darauf, dass der Wert ihrer Immobilien steigt.“

Während das Rathaus untätig blieb, nehmen seit einigen Monaten private Investoren aus dem In- und Ausland das Zepter in die Hand. Sie planen nun Hotels und Luxuswohnungen in El Terreno. Gerade die unteren Zonen an der Avinguda de Joan Miró boomen. Dort, wo früher niemand wegen fehlender Infrastruktur, Verwahrlosung und Kriminalität kaufen wollte, stehen die Investoren Schlange. Und das trotz gepfefferter Preise. Der Quadratmeter in Toplage schlägt zurzeit mit 4000 Euro zu Buche, in zweiter Reihe ist es immer noch die Hälfte. „Plötzlich wollen alle kaufen. Wir können uns vor Anfragen nicht retten“, erzählt die im Viertel tätige Maklerin Katja Schrapel.

Wie sehr die Goldgräberstimmung sich auch auf den Preis der ehemaligen Pension niederschlägt, zeigt ein Blick zurück. Um 2000 erwarb ein Inneneinrichter das leer stehende Haus, um dort ein Verkaufsstudio zu eröffnen. Doch die Tiefgaragen waren nicht genehmigungsfähig. Nach einem kurzen Zwischenspiel als besetztes Haus stand die Villa dann jahrelang erneut zum Verkauf. Noch 2013 war sie mit einem Preis von 1,5 Millionen Euro aus heutiger Sicht geradezu ein Schnäppchen – das dennoch niemand wollte. Die heruntergekommene Nachbarschaft sei schuld daran, beklagte der Inneneinrichter damals. Das hat sich nun ganz eindeutig geändert.

(aus MM 11/2020)