Viel Stress auf Mallorca ohne Maske

| Mallorca |
Einkaufen ohne Mund-Nasen-Schutz ist im Moment nicht angesagt.

Einkaufen ohne Mund-Nasen-Schutz ist im Moment nicht angesagt.

Foto: UH

Auf Mallorca gilt allgemeine Maskenpflicht. Nur wer an schwerwiegenden Erkrankungen leidet und dies per Attest bescheinigt bekommt, darf sich ohne Mund-Nasen-Schutz auf der Insel bewegen. Doch auch mit einer solchen Bescheinigung in den Händen kann es zu Problemen kommen.

Davon wissen Medienproduzent Marcus (45) und Ehefrau Claudia Giers (44) ein Lied zu singen. Das Paar hat seinen Hauptwohnsitz in Dubai, lebt aber einen Teil des Jahres im beschaulichen Portocolom. Die 44-Jährige darf wegen einer schweren Lungenkrankheit und einer Maskenallergie, die Hals und Gesicht anschwellen lässt, keinen Mund-Nasenschutz tragen. Ein medizinisches Attest mit einer offiziellen Übersetzung ins Spanische belegt dies. So weit so gut, sollte man meinen.

„Doch obwohl wir die Dokumente vorgezeigt haben, sind wir in einem Mercadona-Supermarkt in Campos abgewiesen worden“, erzählt Giers. Er wandte sich an den Filialleiter, dem die Situation sichtlich leid tat. „Er hat aber auf Anordnungen aus dem Unternehmenshauptsitz in Valencia verwiesen“, sagt Giers. Mercadona widerspricht auf MM-Anfrage. „Es muss sich um einen Einzelfall und ein Missverständnis gehandelt haben“, sagt Sprecherin Ana Munar. „Mercadona hält sich an die gesetzlichen Vorgaben, die auch Ausnahmen von der Maskenpflicht beinhalten.“

Auch bei Ikea in Palma hatten die Giers Probleme. Nachdem sie Attest und Ausweis am Eingang präsentiert hatte, konnte Claudia Giers das Geschäft betreten. Doch offensichtlich waren Verkäufer und Restaurant-Mitarbeiter nicht informiert und gerieten beim Anblick der maskenlosen Kundin in Panik. „Sie haben uns angeschrien ,Get out!’“, berichtet Giers, der ähnliche Situationen auch in Deutschland im Media Markt und am Flughafen Berlin-Tegel erlebte: „Am Airport nahm ein Sicherheitsbeamter das Attest meiner Frau einfach an sich und wollte uns des Flughafens verweisen.“ Er alarmierte daraufhin die Polizei und erstattete Anzeige.

Für Claudia Giers ist die Situation nicht einfach. „Ich würde ja liebend gerne eine Maske tragen“, sagt sie. Auch wenn es im überschaubaren Portocolom weniger Probleme gibt, hat sie mittlerweile Hemmungen, das Haus zu verlassen, nicht zuletzt der misstrauischen Blicke wegen. „Palma meiden wir daher und überlegen schon, ob wir nach Deutschland zurückkehren sollten“, sagt ihr Ehemann.

Fragt man in großen Supermarkt- und Ladenketten nach, stellen die medizinisch begründeten Ausnahmen von der Maskenpflicht offenbar kein Problem dar. „Wer ein Attest und seinen Ausweis vorzeigt, kommt in alle unsere Filialen“, sagt ein Mitarbeiter vom Aldi-Kundenservice in Barcelona. Bei Lidl gelten nach Angaben von Pressesprecher Sergi Muñoz die gleichen Regeln. „Bei uns ist auch ein übersetztes Attest kein Problem“, sagt ein Kundendienstmitarbeiter vom Media Markt in Palma. Die Supermarktkette Eroski stellt Personen, die von der Maskenpflicht befreit sind, für ihren Einkauf Gesichtsvisiere zur Verfügung, wie Pressesprecherin Xisca Pol auf MM-Anfrage mitteilt. Im Bauhaus in Marratxí hat man sich eine kreative Lösung ausgedacht. Kunden, die keine Maske tragen dürfen, erhalten einen bunten Sticker, damit sie für Verkäufer erkennbar sind und es nicht zu unangenehmen Situationen kommt. „Deutschsprachige Dokumente werden bei uns ebenfalls akzeptiert“, teilt der Kundenservice mit.

Ob Geschäfte Kunden, die aus medizinischen Gründen keine Masken tragen, Zutritt gewähren müssen, ist rechtlich durchaus umstritten. „Wie auch bei anderen Rechtsfragen im Zusammenhang mit Covid-19 lassen die Verordnungen die Angelegenheit ein wenig in der Schwebe“, sagt Anwalt Miguel García von der Kanzlei Stiff & Partner in Palma. „Es gibt Läden, die das Hausrecht (Derecho de admisión) nutzen, um diese Personen vom Zutritt auszuschließen“, berichtet der Anwalt. Aus seiner Sicht ist dieses Vorgehen bei Vorlage eines ärztlichen Attests nicht gerechtfertigt.

Dass es im Alltag für Betroffene nicht immer einfach ist, könnte auch mit der Attest-Praxis auf den Balearen zusammenhängen. Um Mediziner während der Corona-Pandemie zu entlasten, stellte der Gesundheitsdienst IB-Salut auf seiner Website ein Formular zum Download bereit, das in Eigenverantwortung auszufüllen ist. „Ein solches Attest ist nur in sehr seltenen und begründeten Ausnahmefällen zulässig und betrifft Personen mit schweren Lungen- oder Herzerkrankungen, gravierenden psychischen Störungen oder anatomischen Gesichtsveränderungen“, betont Sara Beltrán, Pressesprecherin von IB-Salut. Eine Liste aller Erkrankungen, die zum Verzicht auf die Maske berechtigen, ist auf dem Formular zu finden. Eine ärztliche Bestätigung ist allerdings nicht erforderlich, was das Vertrauen in die Dokumente schmälern könnte. Zwar wäre auch ein Supermarkt theoretisch berechtigt, sich die Angaben auf dem Dokument durch einen Arzt bestätigen zu lassen, das scheint aber im Alltag wenig praktikabel.

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Peter / Vor 4 Monaten

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: "...Mund-Nasen-Bedeckungen sind im weitesten Sinne Masken, die (z.B. in Eigenherstellung auf Basis von Anleitungen aus dem Internet oder industriell gefertigt als modisches Gesichtstextil) aus handelsüblichen Stoffen genäht und im Alltag getragen werden. Entsprechende einfache Mund-Nasen-Bedeckungen genügen in der Regel nicht den für Medizinische Gesichtsmasken (2.) oder persönliche Schutzausrüstung wie partikelfiltrierende Halbmasken (3.) einschlägigen Normanforderungen bzw. haben nicht die dafür gesetzlich vorgesehenen Nachweisverfahren durchlaufen. Sie dürfen nicht als Medizinprodukte oder Gegenstände persönlicher Schutzausrüstung in Verkehr gebracht und nicht mit entsprechenden Leistungen oder Schutzwirkungen ausgelobt werden. Träger der beschriebenen Mund-Nasen-Bedeckungen können sich nicht darauf verlassen, dass diese sie oder andere vor einer Übertragung von SARS-CoV-2 schützen, da für diese Masken keine entsprechende Schutzwirkung nachgewiesen wurde. ..." Noch Fragen zur Wirksamkeit der Masken? Gesslerhut?

vollinho / Vor 4 Monaten

@ Roland: "....... dass die seit vergangene Woche in Düsseldorf geltende Maskenpflicht im gesamten Stadtgebiet rechtswidrig ist." Hätten Sie wohl gerne..... (zurück aus Leipzig? :-P ) BLUBBER.... Die Stadt hat jetzt die Bestimmung präzisiert und gut ist. Also Maske auf.

Roland / Vor 4 Monaten

Mit der Aufhebung der stadtweiten Maskenpflicht reagiert die Stadt Düsseldorf auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Das hatte am Montag bekanntgegeben, dass die seit vergangene Woche in Düsseldorf geltende Maskenpflicht im gesamten Stadtgebiet rechtswidrig ist.

Majorcus / Vor 4 Monaten

@Mario: Für die Gesundheit der Vernünftigen wäre es besser, Sie in ein Schutz-Quarantänelager nach dem Vorbild der US-Rheinwiesenlager unter strikter Beachtung der Genfer Konvention einzuweisen. Bitte unterlassen Sie die Verbreitung möglicherweise falscher Informationen hier auf MM - Danke! @Christian: Herrn ICH, ICH, ICH … Groß-Kotz Selbstdarsteller Marcus Giers verhält sich nun ein mal unsolidarisch. Ich versuche bestmöglich nach dem Prinzip des effektiven Altruismus zu leben. Und was leisten Sie für die Gemeinschaft? Der zweite Teil Ihres Kommentares ist unsachlich wie unlogisch. @Jose: Das ist einfach die beste Lösung - vorher sollte er aber bitte noch für die letzten 10 Jahre Steuern nachzahlen ;-)

Jimmy / Vor 4 Monaten

wenn ich das schon höre "man hat einen Attest"...-wenn ich mir anschaue das in den letzten jahrzehnten jeder für jeden scheiß ein Attest bekommen hat ist es doch klar das die menschen wenn es ernst wird keinem attest vertrauen, auch wenn dieser vielleicht im einzelfall berechtigt ist. das erste mal ist mir das schon beim wehrdienst aufgefallen, da hatte jeder der wollte befreihung für das oder dies, tragen nur bis max. 5 kg usw. und später im berufsleben ebenso...-von den monteuren hat jeder einen attest das er dann buisnessklasse fliegen muß und bei der tour de france hat fast jeder einen attest das er astma hat um bestimmte mittel einnehmen zu dürfen etc...-also klar das man sich jetzt im ernstfall den arsch mit einem attest abwischen kann!!

Jose / Vor 4 Monaten

Da würde ich dann am besten in Dubai bleiben! Jeder weiss doch wie es hier bei uns auf Mallorca ist!

Christian / Vor 4 Monaten

@majorcus höre bitte auf von Solidarität zu reden, ich glaube nicht das Du weisst was das heisst, wenn ich all die sinnlosen Kommentare von Dir hier lese. Wo ist die von Dir für Bedürftige Volksküche nochmal? Dein Sozialladen? Deine Spenden etc. also bitte, Finger stillhalten in Deinem Bergdorf. Majorcus trägt die Maske auch in den Bergen und im Haus, damit er dort dann auch solidarisch sein kann. PS wegen der hohen Anzahl an emails, whats apps und anderen asozialen Medien empfiehlt das RKI ab 9/11 einen Helm...fliegt alles durch die Gegend, so wie die anderen Viren.

Mario / Vor 4 Monaten

...schafft diese schwachsinnigen Masken einfach wiederab...und gut ist...es reicht langsam.

Majorcus / Vor 4 Monaten

@Eva M.: Für Herrn ICH, ICH, ICH … Groß-Kotz Selbstdarsteller Marcus Giers war es wichtig, seine Rücksichtslosigkeit(keine Steuern auf Mallorca zahlen, andere nicht schützen) schriftlich dokumentiert werden und das spanische Finanzamt seinen tatsächlichen Lebensmittelpunkt der letzten 10 Jahre gründlich prüft ...Der Artikel könnte den Herren euer zu stehen können - die spamische Staatskasse sagt danke! @cashman1: Sie sind ein Scharlatan, der lügt wie gedruckt - Frau gesund! Da die beiden fröhlich rund um den Globus unterwegs sich immer Fotografieren lassen, ist anzunehmen, dass das Attest einer amtsärztlichen Prüfung nicht stand hält. Na ja, Betrüger unter sich. @Freedomfighter : "Überwachung, Gängeleien und Denunzieren " - dann gehen Sie einfach nach Moskau, zu Ihren Auftraggebern!

Vermutlich hätte er von einem Amtsarzt kein Attest bekommen ...

Eva M. / Vor 4 Monaten

Die Idee mit dem Gesichtsvisier ist ausgezeichnet. Ich habe auch eine Idee: Die Dame lebt doch anscheinend mit ihrem Mann zusammen. Warum geht er denn nicht bei Merkadona alleine einkaufen? So mussten das alle in der Frühjahrsausgangssperre machen. Das geht! Und gleich noch eine Idee: Sicherlich bietet Merkadona, wo auch immer auf der Insel, auch einen Onlineeinkauf mit anschließender Lieferung nach Hause an. Ich habe in dem Artikel nicht gesehen, dass sich diese Familie über das Risiko der anderen Gedanken macht. Das ist schade, denn da kommt auch bei mir kein Mitgefühl für sie auf.