Die Aufnahme zeigt das Universitätsklinikum Son Espases in Palma. | Teresa Ayuga

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Der Vorwurf des deutschen SPD-Politikers Karl Lauterbach, die Gesundheitsbehörden auf Mallorca würden nicht die Wahrheit über die Viruslage bekanntgeben, hat auf der Insel für Empörung gesorgt. "Es besteht keinerlei Interesse daran, etwas zu verbergen", sagte der Chefbiologe der Universitätsklinik Son Espases, Antoni Oliver, am Freitag in Palma Reportern der MM-Schwesterzeitung Ultima Hora.

Nach Olivers Worten sind auf Mallorca von den derzeit gefürchteten Virusmutanten weder die brasilianische noch die südafrikanische Variante nachgewiesen worden. Es habe lediglich in zwei Fällen eine Vorstufe der Brasilien-Variante entdeckt werden können, die allerdings nicht die Gefährlichkeit der Variante B.1.1.28.1 (auch P1 genannt) besitze.

Die beiden Fälle der weniger gefährlichen Brasilien-Variante, die auch als "Stammvater" des aggressiveren Virus bezeichnet wird, waren vor 15 Tagen entdeckt worden. Es handelte sich um einen Reisenden, der direkt aus dem südamerikanischen Land eingetroffen war, sowie um eine Person engen Kontakts.

Lauterbach hatte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" nicht nur in Zweifel gezogen, dass die gefährlichere Corona-Variante noch nicht vorhanden sei, sondern den Behörden auf der Insel politisch motivierte Verschwiegenheit, sprich Lügen, unterstellt. Wie die deutsche Nachrichtenagentur dpa schrieb, soll Lauterbach gesagt haben: "Da wird auch noch getrickst, ich glaube da kein Wort. Ich glaube, dass die mittlerweile längst P1 haben. Und ich glaube auch den Fallzahlen nicht."

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In den spanischsprachigen Inselmedien wurden die Worte Lauterbachs von vielen Foristen abgelehnt. "Sehr unglücklicher Kommentar von Herrn Lauterbach, ohne Grundlage oder Belege. An den Informationen des Sprechers unseres Referenzkrankenhauses Son Espases zu zweifeln, erscheint mir sehr gewagt. Mein ganzer Respekt gilt den Fachleuten, die im Gesundheitswesen arbeiten" schrieb eine Foristin namens Karin.

Ein anderer Kommentar lautete: "Karl Lauterbach ist Epidemiologe, aber er ist eine Nervensäge, denn wegen ihm sind die Reisen aus Deutschland seit der ersten Welle verboten. Und er lügt, wenn er sagt, dass auf Mallorca keine Restriktionen ergriffen und die Corona-Maßnahmen nicht erfüllt sowie dass die Touristen am Feiern seien. Und deshalb glaubt er nicht, dass die Regierung die Wahrheit sagt über die Anzahl der Fälle. Ehrlich gesagt, ich wohne im Arenal und 99 Prozent der Lokale sind geschlossen. Die wenigen Touristen, die man sieht, sind Paare oder Leute mittleren Alters."

Daten zur aktuellen epidemiologischen Lage auf der Insel ersehen Sie hier.

Details zu den Corona-Regeln auf Mallorca finden Sie hier.