Mit dem Kleinflugzeug nach Mallorca: Zwei Piloten und ein Abenteuer

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Fabian Ehrler (l.) und Florian Steiner nach der erfolgreichen Landung auf Mallorca.

Foto: Privat

Das Abenteuer Mallorca beginnt: Eine der fünf großen Flugzeughallen am Flugplatz Walldürn, im baden-württembergischen Odenwald öffnet ihr schweres, mehrere Meter breites Tor. Aus diesem kommt eine DA40-180 Diamond Star auf den Vorplatz gerollt. Das viersitzige Leichtflugzeug mit seinem 180 PS starken Motor ist startklar. Die hinteren beiden Sitze sind mit Gepäck belegt. Auf dem Piloten- und Co-Pilotensitz lassen Florian Steiner und Fabian Ehrler ihre Sicherheitsgurte einrasten. Vor den beiden liegen insgesamt fast sieben Flugstunden. Es geht vom Flugplatz Walldürn, der Basis ihres Vereins „Flugsportclub Odenwald e. V.”, bis zum kleinen Flughafen Son Bonet, der nordöstlich von Palma auf Mallorca liegt. Insgesamt haben die beiden 751 nautische Meilen oder 1354 Kilometer Abenteuer vor sich.

Der Blick aus dem Seitenfenster der Diamond DA40-180 beim Überfliegen des Cap Formentor im Norden Mallorcas.

„Ich habe im Juni meinen Flugschein gemacht und bisher 130 Flugstunden sammeln können.”, erzählt Florian Steiner. „Fabian und ich haben weniger Lust auf stundenlanges im Kreis fliegen. Wir haben mehr Spaß am Streckenflug.” Insgesamt sind es vier Maschinen, die sich, obwohl zu unterschiedlichen Zeiten gestartet, alle auf Mallorca treffen wollen.

„So ein Trip beginnt ja schon weit vor dem Abheben, denn man ist schon Tage vorher mit dem Kartenstudieren beschäftigt. Außerdem haben wir vorbereitend viel Zeit in die Wetterbeobachtung investiert.” Ursprünglich wollten die beiden ihre Reise am Wochenende starten. Am Samstag und Sonntag ist einfach weniger los zwischen den Wolken. An Werktagen werden Lufträume häufig für die Verkehrsmaschinen gesperrt. Was das Überfliegen für kleinere Maschinen schwieriger macht. „Wir hatten aber Probleme, einen Termin am Wochenende zu finden und mussten deshalb an einem Montag starten.”

Nachdem das Flugzeug den Asphalt der Walldürner Startbahn hinter sich gelassen hat, geht es für die beiden Piloten mit der Vereinsmaschine erstmal südlich in Richtung Schweiz, um dann nach Westen abdrehend den französischen Luftraum zu erreichen. „Die erste Etappe ist Fabian geflogen und hat navigiert. Ich habe den Funk übernommen. Es war hoch spannend, mit den Fluglotsen auf Englisch zu kommunizieren. Wir haben uns außerdem ständig gefragt: Was machen wir, wenn wir Notlanden müssen. Deshalb haben wir uns permanent nach Möglichkeiten umgeschaut, um sicher runtergehen zu können.”

Die geplante Route von Walldürn bis nach Mallorca.

Die Notlandeszenarien der beiden bleiben Theorie und am Abend erreichen sie nach drei Stunden und 15 Minuten Flugzeit einen kleinen Flugplatz im Süden Frankreichs. „Wir sind dort gelandet und da war einfach niemand. Es gab nur eine automatische Zapfsäule, an der wir mit Kreditkarte zahlen konnten. Zum Glück hatten wir alles dabei.” Nachdem die Diamond sicher auf der Wiese neben dem Rollfeld geparkt ist, bauen die Flieger direkt daneben ihr Zelt auf. „Ich weiß noch, dass der Himmel sternenklar war und um uns herum eine fast schon beängstigende Stille geherrscht hat. Irgendwann sind wir dann ins Zelt geklettert, denn wir wollten ja möglichst früh nach Mallorca aufbrechen.” Wirklich geschlafen hat in dieser Nacht keiner der beiden. „Wir waren einfach super aufgeregt, sind ständig alle Eventualitäten durchgegangen und haben viel zu oft auf die Wetter-App geschaut.”

Als die beiden schließlich nach der unruhigen Nacht den Reißverschluss des Zelteingangs öffnen, sind die Sterne hinter dichtem Nebel verschwunden. „Das war zwar nicht optimal, aber wir wollten unbedingt los und sind quasi zusammen mit der Sonne in den Himmel gestiegen.” Nach einem kurzen Wortwechsel zwischen Ehrler, der heute den Funk übernommen hat, und der Flugkontrolle, darf Steiner, der die Etappe nach Mallorca fliegt, wegen des Nebels über die Wolken steigen. „Über dem Wetter fliegen ist nochmal etwas ganz anderes. Es ist viel ruhiger, wir haben aus dem Seitenfenster geschaut und nichts als blau gesehen. Da kommt man sich vor wie eine Verkehrsmaschine. Der Nachteil dabei ist natürlich, dass du nicht siehst, was unter dir passiert.”

Mit dem Überfliegen der Südküste Frankreichs lösen sich die Wolken auf und der Himmel und das Mittelmeer konkurrieren um den schönsten Blauton miteinander. „Über dem Wasser zu fliegen, haben wir uns erst sehr aufregend vorgestellt. Aber am Ende war es tatsächlich irgendwie eher beruhigend und entspannend, diese offene Weite zu betrachten.” Ähnlich wie beim Fliegen über Land sind die beiden die ganze Zeit damit beschäftigt, nach Notlandemöglichkeiten Ausschau zu halten. „Wir haben uns im Prinzip von Schiff zu Schiff nach Mallorca gehangelt.”

Nachdem die Insel endlich in Sicht kommt, überfliegen die beiden Piloten und ihre DA40-180 als Erstes das Cap de Catalunya, ganz im Norden auf der Halbinsel Formentor. „Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Wir haben uns so riesig gefreut. Fabian war noch nie auf Mallorca und hat dementsprechend große Augen gemacht.”

Die beiden Piloten beim Landeanflug auf den Flughafen Son Bonet.

Als die beiden über Mallorcas-Landmasse fliegen, bekommen sie von der Flugsicherung die Anweisung auf 1000 Fuß, also auf rund 300 Meter zu sinken. „Über Mallorca ist so viel los. Der Luftraum über 1000 Fuß gehört den Verkehrsmaschinen. Uns war es recht, wir konnten so die Strände sehen, uns die Ortschaften anschauen und auf den Fincas die Urlauber beim Kopfsprung in den Pool beobachten. Wir hatten beide die ganze Zeit Gänsehaut. Das war wie im Film. Ehrlich, wie ein Traum. So viele Eindrücke, unglaublich.”

Nach einer kurzen Schleife über die Inselhauptstadt kontrollieren die beiden akribisch die Höhe, die Klappen und die Geschwindigkeit, um schließlich butterweich auf der Landebahn des Flugplatzes Son Bonet aufzusetzen. „Fabian hat mir vor Freude auf den Schenkel geklopft. Unsere Freunde, die schon früher geflogen waren, haben uns empfangen und es gab erstmal eine Gruppenumarmung direkt auf dem Rollfeld. Was für ein Gefühl.”

Insgesamt haben Hin- und Rückflug jeden Piloten 1000 Euro gekostet. Deswegen war es ihnen auch wichtig, die Zeit hier auf der Insel noch ein wenig zu genießen. Florian Steiner erinnert sich: „Wir haben dann ein paar Tage Urlaub an der Playa de Palma gemacht. Da darf man eigentlich nicht drüber nachdenken, aber meine Freundin kam am selben Tag mit einer Ryanair-Maschine für 10 Euro auf die Insel. Man kann also definitiv günstiger nach Mallorca fliegen, aber auf keinen Fall mit mehr Spaß! Ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Es hat mir viel Erfahrung gebracht. Ich fliege sicher nochmal nach Mallorca. Das nächste Mal vielleicht sogar im Alleingang.”

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