Vom Fischerdorf zur Flaniermeile

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Die Strandpromenade, die an der Küste Palmas entlang führt, wurde in den vergangenen Monaten ausgebaut.Fotos: Patricia Lozano

Es ist 9 Uhr morgens, die Sonne scheint. Während einige Möwen ihre Kreise über der Bucht ziehen, erwacht in El Molinar langsam das Leben. Ein junges Paar joggt über die kilometerlange Strandpromenade, eine ältere Frau führt ihren Hund Gassi. Derweil werden in einigen Straßencafés Tische und Stühle für die ersten Gäste zurechtgerückt. Nach dem stürmischen Wetter der vergangenen Tage gleicht die Bucht an diesem Morgen einem ruhigen Teich.

An der Strandpromenade reihen sich neben Cafés und Restaurants, Immobilienbüros und diverse Lädchen aneinander. Kulinarisch ist das Angebot in dem ehemaligen Fischerviertel groß. Egal ob spanische Tapas, französische Croissants oder die italienische Küche: Hier wird man sowohl zur Frühstückszeit, als auch in den Abendstunden fündig. Dabei gibt es den vor allem im Urlaub ersehnten Meerblick inklusive.

Das Meer war auch für die Schweizerische Interior Designerin Bettina Sasso vor zwei Jahren der ausschlaggebende Grund, nach El Molinar zu ziehen. „Die Gegend ist vor allem wegen des mediterranen Flairs, der Strandpromenade und der ganzen schnuckeligen Restaurants so charismatisch. Außerdem ist es familiär, man kennt sich einfach im Viertel.”

Am liebsten frühstückt die gebürtige Schweizerin in dem Café La Madeleine de Proust Molinar. „Dort gibt es echte französische Croissants und den besten Café con leche.” Für ein authentisch italienisches Abendessen mit frischem Fisch empfiehlt sie das Restaurant Piadina e Vino an der Strandpromenade.

In den vergangenen Monaten hat sich in El Molinar einiges getan. So wurde unter anderem die Strandpromenade umfangreich umgebaut und saniert. Zudem fanden einige Umbauarbeiten an dem Hafen von El Molinar statt. Der Startschuss des großangelegten Modernisierungsprojektes fiel nach jahrelangen Debatten im Mai 2019. Nachdem der Club Marítimo del Molinar de Levante zunächst eine massive Erweiterung des Hafens geplant hatte, wurde dieses Vorhaben von Anwohnern und Umweltschützern nach mehreren Protestaktionen gestoppt. Eine Bürgerinitiative forderte damals im Rahmen der Bewegung „Al Molinar, Port Petit” – „in Molinar ein kleiner Hafen” –, den Ausbau nicht zu genehmigen, sondern den Hafen stattdessen zu verkleinern und den Bootsbetrieb einzudämmen. Vielmehr solle die Verschönerung des Viertels im Vordergrund stehen, so die Forderung.

Die Bauarbeiten verzögerten sich in den vergangenen Monaten immer wieder – auch aufgrund der Corona-Pandemie. Während sie an der Promenade größtenteils abgeschlossen sind, stockt derzeit die Renovierung des Yachtclub-Gebäudes. Grund dafür ist dessen schlechter Gesamtzustand. Nach Angaben der Hafenbehörde werden die Arbeiten in den ersten Monaten des kommenden Jahres fertiggestellt.

In dem Küstenviertel sind nicht nur Traditionslokale wie die Bar „El Molinar” oder das von Mallorquinern betriebene Immobilienbüro Palmer Alma Mediterránea vertreten – es siedeln sich auch neue Unternehmen in der Gegend an. Eines davon ist das Yoga-Studio „Yoga del Mar”, das vor rund vier Monaten die beiden Deutschen Yasmin Schwarz und Nina Schweser eröffneten. Damit haben sich die Frauen nicht nur den Traum vom eigenen Studio erfüllt, sondern auch ihre Wunsch-Location gefunden. „Ich bin auf der Insel groß geworden und wusste immer schon: Wenn ich mich einmal selbstständig machen werde, dann sollte das unbedingt am Meer sein”, erzählt Yasmin Schwarz. Der ausgewählte Standort sei perfekt: „Man ist in der Nähe von Palma, hat aber dennoch diese mediterrane Dorfidylle. Hier ist es nicht so stressig wie in der Inselhauptstadt, aber der Standort ist trotzdem zentral. Zudem ist die Parkplatzsuche um einiges einfacher.” Kennengelernt haben sich die beiden Frauen durch ihre Kinder, die dieselbe Schule besuchen. Streng genommen befindet sich das Yoga-Studio in Portitxol, das an El Molinar grenzt. Doch der Übergang der beiden Stadtviertel ist fließend.

Nina Schweser und Yasmin Schwarz leiten das Studio "Yoga del Mar".

Obwohl die beiden Frauen erst seit August in El Molinar tätig sind, haben sie bereits Veränderungen am Ortsbild festgestellt. „Vor allem in der Hafengegend ist es ruhiger geworden. Das liegt hauptsächlich daran, dass fast nur noch Segelboote in den Hafen einlaufen und so gut wie keine Motorboote mehr. Seit dem Ausbau der Promenade fahren auch weniger Autos als früher entlang”, bestätigt Schwarz. Zudem gibt es in El Molinar neuerdings einen Kinderspielplatz. Dieser wurde vor knapp zwei Wochen fertiggestellt. „Insgesamt ist das Ortsbild einfach schöner und internationaler geworden. Die Leute flanieren und genießen das Leben.”

Der Imagewandel von El Molinar erklärt auch, warum die Nachfrage nach Immobilien in der Gegend stetig steigt. Das war allerdings nicht immer so, erklärt Sito Palmer, Inhaber des Immobilienbüros Palmer Alma Mediterránea. „Die Nachfrage nach Eigentum an der Küste von El Molinar ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Jahrelang war die Gegend aufgrund des starken Fäkaliengeruchs bei schlechtem Wetter eher unbeliebt. Zudem war das Viertel heruntergekommen”, erklärt Palmer. Aufgrund der Modernisierung des ehemaligen Fischerortes hat sich aber das Image deutlich verbessert. „Vor allem bei ausländischen Käufern wird El Molinar immer beliebter. Der Großteil unserer Interessenten kommt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz”, berichtet er. Aber auch bei britischen und französischen Auswanderern liegt der Ort derzeit im Trend. Dabei muss man allerdings tendenziell tiefer in die Tasche greifen: „Eine Wohnung unter 750 Euro Monatsmiete ist schwer zu finden”, bestätigt der Immobilienmakler.

Wer nicht direkt in El Molinar wohnt, kann auch als Besucher einiges umsonst genießen: den vor allem in Wintermonaten romantischen Sonnenuntergang, der den Ort in ein ganz spezielles Licht taucht.

Kommentar

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Renata / Vor 16 Tage

Ich freue mich immer über Artikel vom Mallorcamagazin. Bis heute. Der Artikel über El Molinar ist offensichtlich nicht aktuell, die Einleitung beginnt schon mit Wetterbeschreibungen, die aus der Luft gegriffen sind. Dann wird auch noch eine Bar angepriesen, die permanent geschlossen ist. Solche Artikel brauchen die Leser nicht.