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Es ist angenehmer hier drin als in anderen Bussen. Luftiger. Keiner tritt sich auf die Füße, viele Sitzplätze im nur 10,5 Meter langen Mercedes-Gefährt bleiben frei, die Passagiere sehen alles andere als zerlumpt aus.

Der Bus von Palmas Rundlinie 2, der „Circular”, steht röhrend vor einer Ampel, der Fahrer tritt aufs Gaspedal, als müsse er gleich an einem Rennen teilnehmen. Dann geht es los, zunächst geradeaus auf dem Innenstadtring Avenidas. An der Ausfallstraße General Riera biegt der Fahrer fast mit Karacho nach rechts ab.

Ehe sich die Gegend verschlechtert – also deutlich vor dem Problemviertel Camp Redó – steuert der Fahrer links in die abschüssige Straße Llave de Oro hinein und nimmt Kurs auf den Militärclub mit den blankgewienerten Außenfassaden. Danach nähert er sich wieder dem Zentrum, auf dem Passeig de Mallorca hat man, so man rechts sitzt, einen privilegierten Blick auf den Riera-Sturzbach.

Dass die Passagiere eher gut gekleidet sind, ist keine Überraschung, denn der Bus der Linie 2 lässt jedes verwohnt aussehende Viertel links und rechts liegen. Er bewegt sich montags bis freitags zwischen 7.15 und 20.35 Uhr den ganzen Tag über im Kreis, und dies hauptsächlich in der Altstadt. Jede Runde dauert lediglich etwa 25 Minuten. Und als einziges Fahrzeug des Stadtbetriebs EMT ist der „Circular”-Bus kostenlos unterwegs, und das bereits seit der zweiten Septemberhälfte: Ist man Resident, muss man trotzdem die Bürgerkarte an einen Sensor halten. Doch es werden nicht die üblichen 80 Cent abgezogen, was den MM-Emissär innerlich fast jubilieren lässt. Als Tourist bekommt man vom Fahrer einen Beleg über 0 Euro in die Hand gedrückt.

Bei der Präsentation dieser neuen Gratis-Linie hatte Palmas Bürgermeister von etwas „nie Dagewesenem in Palma” gesprochen und das neue Angebot als „Maßnahme gegen den Klimawandel bezeichnet.” Und tatsächlich: Statt sich in einem Pkw durch die Innenstadt mit den teuren Parkplätzen und vielen Staus zu quälen, nutzen Berufstätige inzwischen zunehmend den Bus, wie der Verfasser während seines Trips erfährt. „Ich wohne hier in der Nähe und fahre ins Büro”, sagt Joan. Zwar habe er ein Auto, aber hier im historischen Zentrum zehre dieses nur an den Nerven. „Der Bus ist sauber und gratis.” Touristen sind derzeit kaum unterwegs, viele wissen möglicherweise nicht, dass es dieses Angebot überhaupt gibt. Dabei kommt man mit der „Circular” auf die edelsten Straßen, in interessante Viertel und zu oder in die Nähe von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Nach dem Passeig de Mallorca nähert man sich den Highlights der kleinen kostenfreien Rundfahrt. Eine zugegeben größere in einem roten, oben offenen Bus der Firma City Sight-seeing schlägt mit geschlagenen 28 Euro zu Buche, wobei man hier über Kopfhörer in acht Sprachen das Wesentliche über die Sehenswürdigkeiten ins Ohr geblasen bekommt.

In der „Circular” fehlt das, aber man kann sich wichtige Informationen auch anlesen. Auf der Prachtmeile Jaume III fährt der Fahrer Richtung Boulevard Borne. An den vornehmen Restaurantterrassen vorbei bewegt sich das fast knuffig anzuschauende Gefährt zur Plaça de la Reina. Man passiert den imposanten Springbrunnen, kann rechts einen kurzen Blick auf die Kathedrale erhaschen und ist flugs auf dem Rathausplatz. Auf der engen Colom-Straße, vorbei an der deutschen Mensing-Galerie, spürt man besonders intensiv den Charme der Altstadt. Das gilt auch für das ehemalige Prostituierten- und jetzt oberhippe Viertel Sa Gerreria, wo sich eine schmucke Tapas-Bar an die andere reiht und die Gassen so eng sind, dass man meint, der Bus könne irgendwo an eine Ecke stoßen.

Aber nein. Der Fahrer tritt zwar immer wieder fast wie ein Rallyewagenpilot aufs Gaspedal und auch auf die Bremse, nimmt aber gekonnt jede Kurve, und auf einmal hat einen der Innenstadtring Avenidas wieder.