Auf der Terrasse des Meliá Innside Calvià Beach Hotels erfährt das Feriengefühl eine durchgreifende Vervollkommnung. | it

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Der Himmel ist abnehmend bewölkt, das Gestühl ist neu, der Blick schweift in die Weite. Bewegt man sich auf dem geräumigen Dach des Meliá Innside Calvià Beach Hotels, könnte man meinen, dass Magaluf ein vornehm-gediegenes Reiseziel wäre, nach dem sich fast jeder die Finger leckt.

Das trifft zum Teil sogar zu, denn in manchen Ecken wurde in den vergangenen Jahren einiges getan, um den Tummelpfuhl britischer Exzess-touristen freundlicher zu gestalten. Da wäre der Nikki-Beach-Club zu nennen, wo Gäste mit 500-Euro-Scheinen nur so um sich werfen, und das Sol-Wave-Haus, wo sich auf künstlichen Wellen manch ein fitnessstudio-gestählter Korpus spreizt. Hinzugekommen ist jetzt der Shallow Sun Club des Madrider Dachbarspezialisten Grupo Azotea. Unterlegt mit betont chilliger Lautsprechermusik und neben dem einzigen freihängenden Pool mit transparentem Boden und durchsichtiger Wand in Europa lässt es sich hier so entspannt abhängen, als befände man sich an einem Highend-Ziel wie St. Lucia oder den Malediven. Der spanische Ribera-de-Duero-Rotwein oder ein Ceviche peruanischer Art verursachten beim MM-Besuch durchaus explosive Gefühle im Mund und am Gaumen.

Doch Magaluf ist Magaluf, und wenige Schritte von der schicken Meliá-Welt entfernt geht es dieser Tage genauso profan zu wie früher vor der Pandemie: Auf der Hauptstraße des Party-areals Punta Ballena müssen zwölf Polizisten der Guardia Civil und neun der Nationalpolizei in wechselnden Schichten derzeit verhindern, dass die meist jungen Urlauber nicht sämtliche Regeln außer acht lassen. Nicht nur junge britische Urlauber, sondern auch Franzosen und Polen sind dort derzeit bereits in größerer Zahl vertreten. Wie üblich ist vor allem nachts viel los, dann bekommen es die Polizisten immer wieder mit aggressiven Betrunkenen oder randalierenden Drogenkonsumenten zu tun. Klauhuren und Taschendiebe ergänzen die trinkfreudige Gästeschar noch.

Und es trugen sich bereits recht spektakulär-traurige Vorfälle zu, jenseits des Strandes mit dem türkisblauen Wasser, das so viele verzaubert. Den Anfang machte in der ersten Maihälfte ein 34-jähriger Urlauber, der im Alkohol- und Drogenrausch aus dem sechsten Stockwerk eines Hotels in den Tod stürzte. Die herbeigeeilten Hilfskräfte konnten nichts mehr für ihn tun. Schaulustige filmten dies zu allem Überfluss noch, spanische Medien veröffentlichten die Aufnahmen ohne jede Scheu. Wenige Tage später folgte eine Tragödie mit einem jungen Mann als Hauptinvolviertem, der in einem Beachclub, wohl von Altersgenossen angestachelt, mit dem Kopf zuerst in einen zu flachen Pool sprang und jetzt querschnittsgelähmt ist. Hinzu kam ein weiterer Sturz aus einem Hotel. Der Mann, der aus unerfindlichen Gründen herunterfiel, starb nicht.

Dass dies so unschön weiter geht, ist in Magaluf zu erwarten. Doch die freundliche Seite des vielgeschmähten Ferienorts wird immer vernehmbarer, auch jenseits der einladenden Dachterrasse mit dem Shallow Sun Club.