Massifizierung und Bevölkerungszuwachs bliebe nicht ohne Folgen. | Jonas Martiny

In 15 Jahren wird die Bevölkerung auf Mallorca und seinen Nachbarinseln um 300.000 Menschen wachsen. So prognostiziert es das spanische Statistikamt Instituto Nacional de Estadística. Das vegetative Wachstum – also mehr Geburten als Sterbefälle – werde allerdings negativ sein. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Balearen auf dem Weg sind, ein Transitort für die Migration zu werden, weil die Menschen in andere Regionen oder Länder abwandern.

„Es besteht die Tendenz, dass die Menschen die Balearen verlassen, aber ob sich dies verfestigen wird, hängt von der Lebensweise, dem Wohnraum und dem Wirtschaftsmodell ab. Bislang war das Bevölkerungswachstum auf die Einwanderung zurückzuführen, die nun abnehmen wird“, zitiert die Tageszeitung „Ultima Hora“ der Soziologe David Abril.

Seien früher Menschen auf die Balearen eingewandert, um zu arbeiten, so würden sie heute die Region nicht mehr als Paradies der Möglichkeiten betrachten. Die gleichen Arbeitnehmer suchten nun nach anderen Zielen auf dem Festland.

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Abril argumentiert, dass es auf den Inseln während der Sommersaison zwar nicht schwierig sei, eine befristete Beschäftigung zu finden, doch gleichzeitig hätten die hohen Lebenshaltungskosten eine „abschreckende Wirkung“. Dies habe unter anderem dazu geführt, dass es zum ersten Mal in der touristischen Hochsaison sehr schwierig war, Arbeitskräfte im Gaststättengewerbe zu finden.

Der Professor für Humangeographie an der Balearenuniversität, Pere A. Salvà, sieht in der trotzdem wachsenden Bevölkerung eine besondere Herausforderung für die Balearen. Die Schwierigkeit, eine Wohnung zu finden, werde noch größer, wenn sich das Wirtschaftsmodell nicht ändere. Sollte die Bevölkerung, wie vom Statistikamt vorausgesagt, in den kommenden 15 Jahren um rund 300.000 Menschen wachsen, müsste mehr gebaut werden. „Für je drei Einwohner wird eine Wohnung benötigt. Dies wird also eine der größten Herausforderungen für Architekten sein.“

Professor Pere A. Salvà befürchtet auch, dass die Probleme im Gesundheitswesen zunehmen werden. „Im Jahr 2000 hatten wir bereits Defizite bei den Zuständigkeiten im Gesundheits- und Bildungswesen, und wir müssen daher davon ausgehen, dass dieses spektakuläre Wachstum die Verwaltung erschweren wird.“ Hinzu komme die gestiegene Zahl von 1,4 Millionen Touristen in den Sommermonaten.

Soziologe Abril sieht ein weiteres Problem: die negative Folgen für die Umwelt durch die Besuchermassen und die wachsende Bevölkerung. Sein Fazit. „Die Wachstumsrate ist höher als die Tragfähigkeit, die wir haben.“ Um die Situation zu verbessern, müsse das Wirtschaftsmodell geändert werden, forert der Wissenschaftler. „Wachstum ist nicht notwendig, um die Lebensqualität zu verbessern. Ich bin immer noch optimistisch. Wir sollten den Tourismus nicht aufgeben, aber ich glaube, dass die Balearen ein nachhaltiges Wachstum anstreben müssen.“