Die Polizistin Laura Türk (l.) und ihr Kollege Roman Seroczynski (2.v.r.) auf Streife an der Schinkenstraße in Begleitung ihrer spanischer Kollegen | Cañellas

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Es sind 42 Grad an der Playa de Palma, die Menschen schwitzen und versuchen sich im Schatten etwas abzukühlen. Im Hintergrund sieht man deutsche Polizisten – auf ihrem Rücken ist die Aufschrift „Polizei” zu sehen. Aber wie kommt es dazu? Die deutschen Polizisten Laura Katharina Türk, 31, und Roman Seroczynski, 34, sind auf Streife an dem Touristenhotspot Playa. Heute ist ihr erster Arbeitstag auf der beliebten Ferieninsel Mallorca. Sie werden dort jeden Tag unterwegs sein, wo besonders deutsche Touristen gerne ausgiebig feiern: An der Playa de Palma, der Schinkenstraße und dem Megapark, der nur einen Steinwurf entfernt ist.

Die Beamten sind motiviert und einsatzbereit, auch wenn die sommerlichen Temperaturen die Arbeit deutlich erschweren. Ihre Kleidung lässt nicht allzu viel Luft hindurch, denn die beiden sind in ihrer deutschen Uniform anzutreffen. Aus gutem Grund, wie Laura Türk erklärt: „Wir wollen für die deutschen Touristen sichtbar sein.”

Das Austauschprogramm basiert auf dem Prümer Vertrag der EU. Das Abkommen wurde am 27. Mai 2005 geschlossen und von sieben Mitgliedstaaten unterzeichnet. Javier Santos, Hauptkommissar der Polizeistation an der Playa de Palma begründet: „Das Austauschprogramm ist dafür gedacht, gemischte Patrouillen aus unterschiedlichen Ländern zusammenzusetzen. Diese sollen dann in Gebieten eingesetzt werden, wo sich viele Touristen aufhalten.” Gerade auf Mallorca gebe es viele Urlauber aus Deutschland und Holland. Im vergangenen Jahr patrouillierten erstmals auch niederländische Polizisten hier, um bei möglichen Sprachbarrieren auszuhelfen. Die deutschen Polizisten kommen seit 2020 auf der Insel zum Einsatz. Roman Seroczynski erläutert: „Sehr gute Spanischkenntnisse sind Voraussetzung, um an diesem Austauschprogramm teilnehmen zu können.” Der Beamte betont, dass man sich mit den Kollegen vor Ort verständigen können muss. Für das Programm kann man sich bewerben, sobald eine Stelle ausgeschrieben ist. Je nach Bundesland durchlaufen die Polizisten darüber hinaus unterschiedliche Prozesse. Polizist Seroczynski kommt aus Berlin, während Kollegin Laura Katharina Türk aus Köln stammt.

Für Laura Türk ist es das erste Mal auf Streife in Palma. Sie war zuvor jedoch schon einige Male auf der Insel und wusste somit, was sie erwarten wird. Kollege Roman Seroczynski hingegen ist bereits zum dritten Mal dabei. „Ich kenne die Insel gut und mag sie sehr. Die vergangenen Aufenthalte haben mir so gut gefallen, dass ich mich ein drittes Mal beworben habe”, so der Berliner Polizist.

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Diesmal ist es sein und ihr gemeinsamer erster Arbeitstag auf der Urlaubsinsel. An diesem Montagnachmittag ist es relativ ruhig. Gleichwohl sieht man einige betrunkene Touristen, die im Schatten auf dem Boden liegen und schlafen. Während die deutschen Polizisten die Schinkenstraße auf und ab laufen, treffen sie auf neugierige Passanten. Viele bleiben stehen oder holen sogar ihre Handys heraus, um die Polizisten zu fotografieren. Es wirkt fast so, als seien die Beamten hier eine Art „Hauptattraktion” für die Partygäste. Der Polizist aus Berlin wird oftmals von Männergruppen angesprochen und bekommt gleich einen festen Händedruck von einem der Urlauber. Hier scheint die Polizei bei den meisten positiven Zuspruch zu erhalten. Wie bewerten Seroczynski und Türk die Wirkung ihrer deutschen Polizeipräsenz auf die Urlauber? „Die meisten Touristen sehen uns als Hilfe an und fühlen sich eigentlich dadurch wohl. Wir agieren hier als eine Art Stütze, wenn es Probleme gibt.”

Die Schichten während der Einsatztage sind unterschiedlich. Bei der Arbeit werden die Polizisten aus Alemania von einem spanischen Kollegen begleitet. Seroczynski berichtet, dass er schon einige Festnahmen durchgeführt hatte, es jedoch auch kuriose Vorfälle gab, in dem der mutmaßliche Beschuldigte letztendlich unschuldig war. „Es gab mal einen Einsatz, wo wir relativ schnell aufklären konnten, dass der mutmaßliche Täter eigentlich nur seinem Freund sprachlich aushelfen wollte.” Tatsächlich wurde der Mann aufgrund seines erhöhten Alkoholpegels von den spanischen Beamten missverstanden. In solchen Situationen können die deutschen Polizisten schnell und effizient einschreiten und bei möglichen Sprachbarrieren vermitteln.

Seroczynski und Türk berichten, dass an der Playa de Palma vor allem Eigentumsdelikte und eine große Anzahl von Taschendiebstählen registriert werden. Hinzu kommt der erhöhte Alkoholkonsum, wodurch die Gewaltbereitschaft bei einigen Urlaubern rasch ansteigt. Seroczynski berichtet: „Für mich ist es heute sehr ruhig. Das kann sich natürlich zum Abend hin ändern. Jeder Tag ist unterschiedlich.” Die beiden Polizisten bleiben insgesamt vier Wochen vor Ort. Nach diesem Einsatzmonat gibt es eine Teilnahmebestätigung und eine feierliche Zeremonie.

Ein alarmierender Vorfall hatte sich wenige Tage vor dem Dienstantritt von Seroczynski und Türk ereignet. In einem Hotel ganz in der Nähe soll eine deutsche Urlauberin von einer Gruppe junger Männer aus Nordrhein-Westfalen vergewaltigt worden sein. Angesprochen auf den Vorfall erklärten die beiden Polizisten, sich zu dem Thema nicht äußern zu dürfen. „Generell können wir zu aktuellen Geschehnissen und Ermittlungen keine Stellungnahme abgeben.”