What a drive! Nuria Iturrioz 
beim Abschlag. | privat

Noch bis vor wenigen Jahrzehnten stand die Diskriminierung von Frauen im europäischen Golfsport als Warnung vor dem Eingang einiger schottischer Clubs in großen Lettern geschrieben. „No Dogs, no Ladies!”, hieß es dort ganz unverblümt. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. No dogs, no ladies.

Doch selbst wenn diese Zeiten von albernem Machismus passé sind, haben sich die Geschlechter-Unterschiede auf den Greens bis heute so hartnäckig gehalten wie Unkraut auf einem Rasenbeet. Bereits seit 1950 spielen Männer und Frauen – ähnlich wie in vielen anderen Sportarten – in zwei voneinander getrennten internationalen Profigolfverbänden, der PGA (Professional Golf Association) für die Herren, und der LPGA (Ladies Professional Golf Association) für die Damen. In Letzterer verdient seit ein paar Jahren auch die Mallorquinerin Nuria Iturrioz ihre Brötchen. Die 26-Jährige zählt nach diversen Titelgewinnen im In- und Ausland aktuell zu den erfolgreichsten Golfspielerinnen Spaniens.

Seit Mitte März ist Iturrioz für zwei Monate in den USA erneut auf Punkte- und Preisgeldjagd, um sich für die dortige, im Frühjahr beginnende LPGA-Tour zu qualifizieren. Und das sei keinesfalls ein Kinderspiel. „Profi-Golf ist harte Arbeit, auch wenn es für mich der schönste Job der Welt ist”, sagt Iturrioz. Um sich auf ihre 25 bis 30 Turnierteilnahmen im Jahr vorzubereiten, trainiert sie bis zu neun Stunden täglich, sieben davon mit Holz und Eisen auf dem Platz, zwei weitere im Fitnessraum. Den Rest der Zeit verbringt die Mallorquinerin unter anderem mit dem Planen ihrer Reisen, dem Buchen von Flügen und Hotelübernachtungen oder anderen logistischen Aufgaben, die sie zusammen mit ihrem Trainer im Laufe einer Spielsaison zu bewältigen hat.

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Ein mitunter kostspieliges Unterfangen. Zwar hat Iturrioz seit ihrem Eintritt in die Welt der Golfprofis 2015 laut offizieller LPGA-Statistik bereits über 460.000 Dollar an Preisgeldern eingeheimst, im Vergleich zu ihren männlichen Arbeitskollegen ist diese Summe aber Kleingeld. Der Deutsche Maximilian Kiefer beispielsweise, der ebenfalls seit 2015 im Geschäft ist, und in dieser Zeit etwa die gleiche Zahl an Profiturnieren wie die Mallorquinerin bestritten hat, kommt auf einen Gesamtpreisgelderlös von bisher über 3,6 Millionen Euro.

Zu Recht? Spielen Männer einfach besser Golf als Dogs und Ladies? „Nein!”, sagt Nuria Iturrioz klipp und klar. „Männer machen einfach nur mehr Show”. Will heißen: Ähnlich wie beim Tennis oder Fußball sind Herrengolfer für die weltweite Sportvermarktungsbranche eine lukrativere Einnahmequelle als Spieler mit Zöpfen unter dem Golfcap. „Die meisten Zuschauer wollen im Golf vor allem Action sehen. Umso weiter der Ball fliegt, umso größer ist ihr Interesse”, sagt Iturrioz. „Männer schlagen mit dem Driver bis zu 300 Meter weit. Wir Frauen kommen auf maximal 250 oder 260 Meter”. Und eben diese 40 Meter Unterschied spiegeln sich in einem geringeren Medieninteresse und den daraus wiederum resultierenden niedrigeren Preisgeldern bei Damen-Turnieren wider.

„Dass wir Frauen hinsichtlich Technik und Taktik ein viel reizvolleres Spektakel auf dem Platz bieten, wird leider vergessen. Aber vielleicht ändert sich das ja irgendwann”, sagt die Mallorquinerin.

(aus MM 10/2022)