Die Fahrer erreichen auf der Bahn Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 70 Stundenkilometern. | Veranstalter

Handzahme Hamster kennen das Gefühl: Man rennt und rennt und rennt und rennt. Und kommt doch niemals irgendwo an. Bahnradfahrern dürfte es ähnlich ergehen. Statt in einem Hamsterrad strampeln sie auf dem Sattel durch eine nie enden wollende Kurve. Runde um Runde. Wer am schnellsten ist, gewinnt einen Preis. Den gibt's für Hamster nicht.

So wie auch an diesem Samstag. Dann findet auf der Indoor-Bahnradbahn von Palma, dem Velódromo, das erste von fünf Rennen der internationalen UCI Track Champions League statt, an der insgesamt 72 Fahrer und Fahrerinnen aus 16 Ländern, darunter auch aus der Bundesrepublik teilnehmen. Nach Mallorca geht es für sie zu vier weiteren Rennen nach Frankreich, Deutschland und England. Das große Finale dieser internationalen Profi-Bahnrad-Liga findet Mitte Dezember in London statt.

„In der UCI Track Champions League treten die besten Bahnradsportler der Welt auf den besten Bahnen Europas in einem einzigartigen, höchst innovativen und absolut spektakulären Sportformat gegeneinander an”, erklärte Veranstaltungsdirektor Florian Pavia bei der Präsentation des Events in Palma. „Unser Ziel ist es, dem Bahnradsport wieder zu der Popularität zu verhelfen, die er verdient, indem wir ihn zugänglicher, leichter nachvollziehbar und unterhaltsamer machen”.

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Und das nicht nur für die maximal 3500 Zuschauer in Palmas Velódromo, sondern weltweit. Zur Vermarktung des Sportevents holten die Veranstalter das renommierte US-amerikanische Filmproduktionsunternehmen Warner Bros. mit an Bord, das sowohl das Auftaktrennen auf Mallorca als auch die nachfolgenden über die hauseigenen TV- und Internet-Streaming-Kanäle wie Discovery Channel live in über 50 Länder weltweit überträgt.

Aber auch sonst scheint die Bahnrad-Champions-League für die Veranstalter ein Geschäft zu sein. „Im vergangenen Jahr führte das Auftaktrennen in Palma zu mehr als 1000 Publikationen im Internet sowie rund 2,3 Milliarden Aufrufen, was einem Medienverbreitungswert von etwa 16 Millionen Euro entspricht”, so Event-Direktor Pavia. Außerdem hätten 8,7 Millionen TV-Zuschauer auf Eurosport die Rennen verfolgt, was bei einer Gesamtdauer von 30 Stunden einen weiteren Medienwert von mehr als 14 Millionen Euro bedeuten würde.

Natürlich geht es beim Bahnradfahren zum Glück nicht nur um Medienecho, Internetklicks und Werbeeinnahmen durch Fernsehübertragungen.

Rein sportlich gesehen bekommen die Zuschauer in Palmas Velódromo vielmehr feinste Kost aufgetischt. So gehen auf Mallorca unter anderem Weltstars der internationalen Bahnradszene an den Start. Aus deutscher Sicht beispielsweise geht mit Lea-Sophie Friedrich die frisch gebackene Doppelweltmeisterin als Favoritin in die Sprintwettkämpfe. Mit Pauline Grabosch ist eine zweite Starterin des erfolgreichen Teamsprint-Trios der WM dabei. Von den deutschen Männern hat Stefan Bötticher den Sprung ins Sprinterfeld geschafft. In den Ausdauer-Wettbewerben komplettieren mit Moritz Malcharek und Lea Lin Teutenberg zwei Champions-League-Debütanten das deutsche Aufgebot. Ein solch hochkarätig besetztes Teilnehmerfeld wird man im Hamsterkäfig daheim jedenfalls nicht finden.