Obi Wan Kenobi trifft jeden Dienstagabend in Marratxí auf Darth Vader. Und dann fliegen die (Lichter-) Fetzen. | Andreas John

Wären wir an Bord des Todessterns, würde Rafael Cortes Llaneras möglicherweise Obi-Wan Kenobi aus dem weltbekannten Science Fiction Epos Star Wars heißen. Und der mit einer schwarzen Gesichtsmaske behelmte Mann vor ihm, den Rafa mit seinem blau schimmernden Lichtschwert gerade unbarmherzig in die Ecke treibt, vielleicht Darth Vader.

Tatsächlich aber befinden wir uns auf der Erde, besser gesagt, im Übungsraum der Mehrzweckhalle Es Figueral von Palmas Vorstadtviertel Marratxí, wo unser vermeintlicher Obi Wan jeden Dienstagabend rund ein Dutzend Schüler im Umgang mit Florett und Degen trainiert. Zum krönenden Abschluss des eineinhalbstündigen Unterrichts lässt Cortes die Laserschwerter zücken und das Licht im Saal verdunkeln. Und dann verwandelt sich die Turnhalle für ein paar Minuten in den Todesstern.

„Das Training mit den Lichtschwertern ist eine Ergänzung zu den konventionellen Übungsmethoden im Degen- oder Florettkampf”, sagt Cortes, der seine Schule unter dem Namen Club Mallorca Esgrima vor rund 23 Jahren in Palma gründete. Und die Betonung liegt dabei auf Kampf. „Wir sind kein Sportverein, der an Wettkämpfen teilnimmt. Ich zeige den Umgang mit Waffen wie Degen, Florett, Schwert, Säbel oder Messer, so wie man es schon im Mittelalter machte”, erklärt Cortes. Dazu gehören alle gängigen Schwung-, Stich- und Bewegungstechniken. „Im Sportfechten geht es nur darum, Punkte zu machen, die Bewegungsabläufe sind auf ein Minimum reduziert. Das entspricht nicht meiner Philosophie”, so der Lehrer, der selbst seit über 30 Jahren das blanke Eisen schwingt.

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„Vor ein paar Jahren erfuhr ich von einem Bekannten in Mexiko, dass man dort auch mit Lichtschwertern kämpft. Anfangs fand ich das als reine Spielerei von Star-Wars-Freaks, dann fand ich aber heraus, dass hinter dem vermeintlichen Nonsens durchaus eine ernste Lehrmethodik steckt. Die Schüler nehmen beim Training mit den leuchtenden Schwertern, die verschiedenen Techniken und Bewegungsabläufe zum Teil besser war”, so Cortes. Na ja, und Spaß mache es schon auch.

Bei den Laserschwertern handelt es sich um unterschiedlich lange, mit durchsichtigem Karbon ummantelte Led-Leuchtröhren, die beim Kampf ähnlich geführt werden wie japanische Lang- oder Katana-Schwerter. Je nach Ausstattung der Lasersäbel – es gibt auch welche mit Sound- und weiteren Lichteffekten – liegt ihr Preis zwischen 200 und 800 Euro oder mehr.

Der unbezahlbare Vorteil: Wird man von ihnen getroffen, zerschneidet die vermeintliche Laser-Klinge einen nicht gleich in zwei Teile, sondern man bekommt höchstens einen blauen Fleck.

Infos zum Angebot des Club Mallorca Esgrima gibt es unter Tel. +34-616 260 252.