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Um Punkt 23 Uhr gehen an der Bierstraße an der Playa de Palma die Lichter aus und die Wunderkerzen an. "Sierra Madre" ertönt über die Lautsprecher und ein Chor aus mehreren Hundert Stimmen singt den Klassiker der "Zillertaler Schürzenjäger".

Es ist September, die Zeit der "40 plus"-Generation an der Playa hat begonnen. Sie bescheren Wirten wie Michael Bohrmann vom "Deutschen Eck" den besten Umsatz. Eigentlich könnte er seinen "Tiqueteros" auf der Straße Urlaub geben, sagt der Gastwirt, der seit 26 Jahren an der Playa arbeitet. Die Gäste finden den Weg auch von alleine. Bis heute kämen immer noch viele Kegelklubs. "Da hat schon ein Generationswechsel stattgefunden", sagt er.

Viele seiner Gäste kennt Bohrmann persönlich, wie die "Düsseldorfer Girls". "Das ist unsere zweite Heimat hier", sagt Gisela, eins der Girls. Seit 20 Jahren kommen sie im Herbst an die Playa und lieben es", sagt Michael Bohrmann, der eigens Alt vom Fass geordert hat. Auch um seinem Gegenüber, dem "Zwölf Apostel" eins "auszuwischen". Dort gibt es Kölsch für einen Euro. Die inoffizielle "Kölsche Woche" vom 12. bis zum 19. September am Balneario 6 ist ein weiteres Highlight in diesem "goldenen September".

"Jetzt muss es knallen, sonst war es eine Sch...saison", sagt auch Gisela Mertoglu, seit 21 Jahren Wirtin des "Bielefelder Pilsstübchen" in der zweiten Reihe auf Höhe des "Balneario 6". Gisela hat Besuch von vier gesetzten Herren zwischen 55 und 70 Jahren. "Zig Mal waren wir schon hier", sagt Helmut Klaus aus Kamp-Lintfort bei Duisburg. Es sei einfach "kuschelig" im Bielefelder Pilsstübchen. Und eins steht schon fest: "Nächstes Jahr kommen wir wieder."

Dann werden sie garantiert auch wieder auf Gisela treffen, wenngleich die gebürtige Bielefelderin kürzer treten will. "Dann soll mein Sohn auf die Insel kommen und mir helfen. Ich will mit 60 ja nicht anfangen zu arbeiten", sagt sie augenzwinkernd. Denn Arbeit wird es auch künftig geben in ihrer kleinen Kneipe, davon ist Gisela überzeugt. Gegenüber entsteht gerade ein Fünf-Sterne-Hotel, davon verspricht sie sich eine Aufwertung der Gegend.

Zu viel soll sich aber auch nicht verändern, vor allem nicht in der "Cafetería Paco y Juan". Das meint zumindest das Schweizer Ehepaar Erwin und Irene Grasser. Es wäre schade, wenn zu viele Nobel-Hotels kämen und das Flair kaputtmachten. "Seit 1990 sind wir regelmäßig hier, immer im September", sagen sie. Genauso lange gibt es auch das Paco y Juan.

"Im vergangenen Jahr haben wir unser 25-Jähriges gefeiert", sagt Juan, der stolz auf die Treue seiner Gäste ist. "Jetzt kommen die Kegels", sagt er strahlend und meint die Kegelklubs, die schon längst nicht mehr in der Masse einfallen, aber die Altersgruppe von Mitte 30 bis Mitte 60 repräsentieren.

Im August haben er und sein Bruder Paco geschlossen gehabt, sagt Juan, es lohne sich einfach nicht. Über die erholte Herzlichkeit dürfen sich dann die Septembergäste umso mehr freuen. "Es ist wirklich unglaublich, der Juan erkennt einen aus 50 Meter Entfernung", sagt Grasser. Einmal in Fahrt, zeigt Juan auch noch seine Sammlung von Radfahrer-Trikots. Die sei deutlich größer als die seines Nachbarn von "Las Terrazas".

Dieser, der Holländer Frank Miebema, hat ein ähnliches Konzept: Offene Theke, Terrasse, viele Fahrrad-Trikots und viele Stammkunden. Konsequenterweise heißt seine Bar-Cafetería seit 21 Jahren "Las Terrazas". Hier gibt es auch für die holländischen Gäste Spezialitäten, "Bitter Ballen" oder "Frikandeln".

"Die Monate Mai, Juni und der September sind die wichtigsten Monate für uns", sagt er und das gilt auch für seine Gäste. "Man weiß immer, dass man hier jemanden trifft", sagt Jens Fricke, der schon viele Freundschaften im "Las Terrazas" geschlossen hat. Mittlerweile verabrede man sich via Facebook. Diese Gäste will Frank Miebema haben. Gegen die "Fußballjungs" aus dem Megapark habe er zwar nichts, aber wenn die mit "Schlagseite" kommen, kriegen sie maximal einen Tee, um nüchtern zu werden. "Wenn die was anderes wollen, können sie gleich weiterziehen", sagt er. Besoffene, die in Gläser pinkeln, gebe es bei ihm nicht.

Tradition und reiferes Publikum muss aber nicht bedeuten, dass alles nur brav vonstatten geht. Das beweist Peggy, die "Königin der Nacht", seit 25 Jahren. Ihre Kneipe zwischen Balneario zwei und drei ist Kult in Alt-Arenal und wird an diesem Abend von einer illustren Runde besucht.

Wortführer Carsten Lapusch erscheint im roten Bademantel über dem Bayern-Trikot, dicker Goldkette und rotem Glitzerhut. Sein Bierglas, das er bereits mit einiger Mühe leert, war bei Weitem nicht das Erste und auch die Feierkollegen, teilweise nur mit Badeshorts und Handtuch bekleidet, haben bereits ordentlich "getankt". Darunter ist auch echte Prominenz: Axel Bloetz ist "Platzwart des Jahres" geworden - ausgelobt wird der Preis für den am besten gepflegten Fußballplatz von einem Rasengeräte-Hersteller.

Der 57-Jährige vom niedersächsischen Klub SV Altencelle hat stilecht ein Schalke-04-Tattoo am rechten Oberarm und schaut schon recht zufrieden drein. "Sechs Kümmerling", bestätigt Peggy eine nicht erfolgte Bestellung der Fünf. Es gehört zu den Regeln der "Königin der Nacht", dass die Wirtin immer einen "Kurzen" mittrinkt. Eine Treppe führt in den Lagerraum, der bis zur Decke mit Kräuterlikör-Kisten gefüllt ist. Ob Peggy wirklich 60 in einer Partynacht schafft, wird der Redakteur an diesem Abend nicht mehr überprüfen.

Dass sie Gäste gerne mit zwei überdimensionierten Leuchtpenissen in das Lokal lockt, glaubt man ihr unbesehen, zahllose Fotos an den Wänden legen Zeugnis davon ab. Auch mit Jürgen Drews hat das Ex-Model viele gemeinsame Aufnahmen, mehr will sie nicht verraten. Den Stammgästen wird's egal sein, sie kommen ohnehin treu zu Peggy, vor allem im goldenen September.