Unternehmerin Coloma Jaume Campomar in ihrer Pension Bellavista in Port de Pollença wird aus Protest gegen den Massentourismus ihren Betrieb für zwei Wochen schließen. | Click / ultimahora.es

TW
3

Das hat es auf Mallorca noch nie gegeben: Eine Hotelunternehmerin schließt ihren Betrieb ausgerechnet zur Hochsaison – und zwar aus Protest gegen den Massentourismus, der ihrer Ansicht nach die Insel schier überrollt. „Ich denke, wir gehen zu weit. Ja, die Gier zerreißt den Geldsack“, sagt Coloma Jaume Campomar, die selbst aus einer Unternehmerfamilie stammt, die seit Jahrzehnten im Tourismus aktiv ist. Die junge Frau betreibt die Pension Bellavista in Port de Pollença, der historischen Wiege des Fremdenverkehrs auf Mallorca.

Nach Jaumes Worten hat die Insel in diesen Post-Covid-Jahren die Grenze der Aufnahmefähigkeit bereits überschritten, allerdings habe die Unternehmerin manchmal das Gefühl, dass viele Geschäftsleute diese Grenze nicht sehen wollten. Aus diesem Grund zieht die Herbergsmutter für sich die moralische Notbremse, wie sie sagt. Sie wird ihre Pension mitten zur besten Ferienzeit schließen. „Ab dem 1. August und in den ersten zwei Wochen des Monats ist unser Betrieb wegen Urlaubs geschlossen", betont sie, denn "unsere Kunden haben kein überfülltes Mallorca verdient."

Coloma Jaume lebt selbst von Tourismus und ist sich seiner Vorzüge bewusst. Dennoch hält sie eine Begrenzung des Fremdenverkehrs für notwendig. Vorschläge hierfür hat sie ebenfalls: Es gehe nicht um Verbote, aber um eine Limitierung etwa „bei der Zahl der Besucher, der Zahl der Kreuzfahrten, der Zahl der Flüge, der Zahl der Mietwagen.“ Auch eine Schließung des Flughafens in der Nacht hält sie für wichtig, sagte Jaume der spanischen MM-Schwesterzeitung Ultima Hora.

Ähnliche Nachrichten

Angesichts des Massentourismus fühle sie sich als Mallorquinerin manchmal „wie ein australischer Ureinwohner, ein sonderbarer Vogel oder eine vom Aussterben bedrohte Spezies“. Weiter halte sie es zum Beispiel für respektlos, dass Leute, die das ganze Jahr über auf Mallorca leben – ganz zu schweigen von Mallorquinisch – nicht einmal versuchen würden, Spanisch zu sprechen. „Wenn du nach London gehst und etwas anderes als Englisch sprichst, dann wollen wir mal sehen, was sie dir da sagen!“, resümiert Jaume.

SOLLER. CIRCULACION. La circulación por el centro solo estará permitida a los vehículos de los residentes.
In Sóller wird über ein restriktives Verkehrskonzept nachgedacht. Foto: M.M.

Die Schließung des Übernachtungsbetriebs von Coloma Jaume deckt sich mit Maßnahmen, die an anderen Orten opportun erscheinen, um dem einheimischen wie auswärtigen Besucheransturm Herr zu werden: Im Sóller etwa plant das Rathaus ein neues Verkehrskonzept, um das alltägliche Chaos in den Sommermonaten und darüber hinaus zu bekämpfen. Angedacht ist, dass nur noch Anwohner mit ihren Autos in den Ortskern einfahren dürfen. Notwendig sei hierzu auch die Schaffung von fünf Parkflächen für Besucher am Ortsrand des Dorfes im Orangental. Das Vorhaben solle bis zum Ende Legislaturperiode verwirklicht werden.

MARRATXI. PISCINAS. Los residentes deberán reservar 48 horas antes para entrar en las piscinas. El nuevo reglamento responde pa
Für das Freibad in Marratxí sollen Besucher sich bald im Vorfeld anmelden. Foto: Archiv UH

Überfüllung registriert man auch anderswo, etwa im Freibad der Gemeinde Marratxí. Es gilt als so attraktiv, dass es auch von Auswärtigen aufgesucht wird. Darum überlegt das Rathaus, ein Reservierungssystem einzuführen. Einwohner des Dorfes müssen ihre Wunschtermine zum Freibadbesuch mindestens 48 Stunden vorher anmelden, Auswärtige 24 Stunden im Vorfeld. Sollte dann kein Platz mehr frei, erhielten Letztere eine Absage. Auch ist an eine Erhöhung der Eintrittspreise gedacht. So sollen Nutzer, die in Marratxí gemeldet sind, drei Euro Eintritt bezahlen. Für Auswärtige kostet der Besuch des Freibads acht Euro.