Felix Hanika mit Sohn und seiner Frau Maria-Elena, die ihn tatkräftig unterstützt.

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Wenn ein Restaurantfachmann, Koch und Investmentbanker in Personalunion ein eigenes Projekt beginnt, dann stehen die Zeichen auf Innovation. Felix Hanika jedenfalls, geboren in Italien, aufgewachsen in der Lüneburger Heide, lebt und arbeitet auf Mallorca und stellt mit seinem jungen Start-up auf der Insel jetzt Brause her: ein rein natürliches Produkt auf Bio-Basis.

Frei nach dem Motto: Auch etwas so Einfaches und Altbewährtes wie Sprudel kann ganz neu daherkommen. Seit November 2021 ist sein Erfrischungsgetränk „¡Cambia!” an derzeit zehn Verkaufsstellen in Palma zu haben, unter anderem im Batx-Café im Carrer Arxiduc Lluis Salvador. Weitere sollen folgen.

Abgefüllt werden die Drinks zurzeit in Produktionsanlagen in Valencia und in Galicien.
Abgefüllt werden die Drinks zurzeit in Produktionsanlagen in Valencia und in Galicien.

Knapp zwei Jahre hat es von der Idee bis zur ersten Abfüllung gedauert. Viel Frucht, viele Kräuter, wenig Zucker: Derzeit sind drei Varianten seines Refrescos mit Kohlensäure auf dem Markt. ¡Cambia! gibt‘s mit Zitronen-, Mandarinen- und Hierbas-Geschmack. Und klar, weil Hanika ein Genussmensch ist, der auch schon in der Sternegastronomie tätig war, denkt er bereits über weitere Sorten nach…

¡Cambia! also. Nomen est omen. Der Name ist nicht umsonst gewählt. „Wandel dich! Tu was!, heißt es“, so Felix Hanika. „Das Produkt läutet eine neue Ära ein. Denn es ist Zeit für einen Wechsel“, sagt der 39-Jährige. „Es ist mein kleiner Beitrag, Mallorca ein kleines bisschen nachhaltiger zu machen. Wer die Limo trinkt, tut sich nicht nur selbst und seiner Gesundheit etwas Gutes, sondern übernimmt auch Verantwortung für die Umwelt.” Da ist es nur konsequent, dass die Brause nicht in Plastik-, sondern in 0,33-l-Glasflaschen leuchtet. In Flaschen aus Recycling-Glas versteht sich. „Deren Recycling-Anteil liegt je nach Hersteller bei rund 90 Prozent”, erzählt Felix Hanika.

Produziert er auf der Insel? „Nein”, so der Vater eines kleinen Sohnes. Die kalorienarmen Kohlensäuredrinks rinnen zurzeit in Valencia oder Galicien in die Flaschen. „Wir stellen aktuell 150.000 Flaschen pro Abfüllung her, doch leider gibt es auf Mallorca keine moderne, unabhängige Abfüllanlage für Naturprodukte in Glasflaschen, die wir als kleines Unternehmen nutzen könnten.” In der Limo stecken zu 99 Prozent Rohstoffe aus zertifiziertem Bio-Anbau in Spanien. Die frisch gepressten Bio-Direktsäfte, die er für den Zitronen- und Mandarinen-Sprudel benötigt, stammen beispielsweise aus Murcia.

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Die Hierbas-Variante enthält natürliche Bio-Aromen, etwa von Rosmarin, Thymian, Zitronenmelisse, Verbene und Kamille, die ebenfalls vom Festland kommen. Das einzige Produkt, das bei ihm nicht aus Spanien stammt, ist der Agavensirup aus Mexiko zum Süßen der Brausen. Industriezucker ist für den Jungunternehmer tabu. „Auf künstliche Süßstoffe wollten wir ebenfalls verzichten”, so der Firmengründer. Stattdessen kommen sehr geringe Mengen an Agavensirup, der süßer als Honig ist, zum Einsatz. Genauer: In 100 Milliliter sind nur 4 Gramm natürlicher Zucker enthalten. „Das ist gerade mal ein Zehntel der Menge von handelsüblichen Refrescos“, meint Hanika. Und als natürlicher Stabilisator hat Johannisbrotkernmehl seinen Auftritt.

Noch bringt er Einwegglasflaschen auf den Markt. Um Transportwege und damit auch den CO2-Ausstoß zu verringern, denkt Felix Hanika aber schon an ein Netzwerk von regionalen Abfüllern. Damit nicht genug. „Langfristig möchten wir natürlich Mehrwegflaschen verwenden. Denn eine Glasflasche kann man bis zu 50 mal befüllen, im Schnitt hat sie eine Lebensdauer von rund fünf Jahren. Dazu allerdings ist ein Mehrwegsystem wie in Deutschland notwendig – und dafür benötigt man eine umfassende Infrastruktur. Das ist also eine politische Entscheidung.” Aber Hanika wäre nicht Hanika, wenn er diesbezüglich nicht entsprechende Gespräche führen und Impulse setzen würde. Auf unternehmerischer und politischer Ebene.

Auch die Früchte und Kräuter für seine Durstlöscher würde er gern auf Mallorca anbauen. Die Hierbas beispielsweise könnte man dann gleich auch in Kosmetik- und Pharmaprodukten verwenden. Mit anderen jungen Unternehmen und der Unterstützung der Regionalregierung müsste so etwas doch gelingen, glaubt Hanika. Es existiert auch kein Entsafter auf der Insel… Es gibt viel zu tun…

Wie haben Supermarktketten und Gastronomen auf seine Erfindung reagiert? „Bei den Gesprächen im Vorfeld kristallisierte sich klar heraus, dass an ökologisch und nachhaltig produzierten Produkten Interesse besteht”, berichtet Felix Hanika. „Denn die Konsumenten sind heute viel neugieriger geworden, sie haben Lust auf Innovationen, von veganen Süßigkeiten über Ingwer-Shots bis hin zu regionalen Waren wie Km-0-Produkten. Und das bedeutet: Die Supermarktketten wissen, wie sie reagieren müssen und sind daher offen für solche neuen Produkte.” Schließlich tragen gerade diese dazu bei, dass in den Geschäften ein trendiges Angebot präsentiert werden kann.

Hanika hat Großes vor. „Wir sehen uns langfristig als europäische Marke und streben an, dass unsere Produkte das EU-Bio-Siegel tragen.” Und weil für ihn Nachhaltigkeit mehr als ein Wort ist, unterstützt seine Firma zudem die Surfrider Foundation, eine internationale Organisation, die sich insbesondere dem Meeres- und Küstenschutz verschrieben hat. Hanika und seine Frau Maria-Elena sind dort auch selbst aktiv, etwa, wenn sie Beach-Clean-Ups auf Mallorca organisieren, zum Beispiel in Portitxol, Arenal und Port de Pollença. Allein diese Menge an Plastikflaschen, die an den Stränden angespült werden… Ein Grund mehr für die Hanikas und ihr sechsköpfiges Team, auf Glasbehälter zu setzen.

Übrigens schmeckt die Brause mit dem Wiedehopf auf dem Etikett nicht nur pur. Sie eignet sich auch bestens für einen leckeren Cocktail-Mix: die Hierbas-Variante mit Gin und die Mandarinen-Version mit weißem Vermouth – zum Beispiel.