Im Jahr 2014 wurde das Hotel Valparaiso Plaace von Chinesen übernommen. | Ultima Hora

Schon Ende März des Jahres 2014 wurde mit einem Paukenschlag eingeläutet, was inzwischen auf Mallorca immer virulenter wird: Mit tanzenden Drachen, Trommel- und Zimbelklängen übernahm damals die chinesische Investoren-Gruppe Jiangsu Gpro das hoch über Palma thronende Fünf-Sterne-Hotel Valparaíso Palace. 48 Millionen Euro ließ sich das Unternehmen die Edelherberge kosten.

In den Jahren danach machten sich die Millionen-Jongleure aus dem Reich der Mitte zumindest nach außen hin allerdings eher rar auf der Insel. Zwar waren mögliche Investitionen ab und zu ein Thema in den Medien, auch von anzulockenden chinesischen Urlaubern en masse war die Rede, aber richtig viel tat sich nicht unbedingt.

Erst kurz vor der Corona-Pandemie gab es Bewegung: Ministerpräsidentin Francina Armengol empfing 2019 den damaligen Pekinger Botschafter. Man denke an ein Dreieck Palma-Valencia-Barcelona voller solventer Touristen aus dem Riesenland, hieß es damals. Auch wurde geäußert, im Technologieareal Parc Bit einsteigen zu wollen. Zudem visierte man Hotels in Arenal, Port de Pollença und Alcúdia an. Allerdings kam dann die neue Krankheit Covid dazwischen, und aus den hochfliegenden Plänen wurde erst einmal nichts.

Doch vor einigen Wochen löste sich die Starre: Die Fosun-Gruppe, das größte in Privatbesitz befindliche Firmen-Konglomerat der Volksrepublik, teilte mit, das ehemalige Hotel Honolulu im Ferienort Palmanova übernommen zu haben und in ein Freizeitdorado namens Cook’s Club Calvià Beach umwandeln zu wollen. Das gleichnamige Etablissement an der Playa de Palma ist bereits seit längerer Zeit im Besitz der Investoren. Der alte Name stammt vom Pleitekonzern Thomas Cook. Fosun war erst 1992 von vier Absolventen der Fudan-Universität in Schanghai aus dem Boden gestampft worden und hat inzwischen eine Mitarbeiterzahl von etwa 76.000.

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Und damit nicht genug der Investitionen: „Vor allem in Calvià kaufen Investment-Fonds aus Hongkong kräftig Luxus-immobilien”, sagt Fang Ji, der Chef der balearisch-chinesischen Handelskammer Achinib. „Auch weitere Hotels hat man im Blick.” Überhaupt seien die Investoren aus dem Reich der Mitte, was Spanien anbelangt, „sehr optimistisch”, so Fang Ji gegenüber MM.

Der Trend ist in anderen Weltregionen bereits seit vielen Jahren spürbar, und er setzt sich ungeachtet der vorsichtigen Affinität Pekings zum kriegführenden Russland fort. In Lateinamerika etwa hat China die USA innerhalb von 20 Jahren in Chile, Peru, Brasilien und Panama als wichtigster Handelspartner abgelöst. Dort werden vor allem Rohstoffe und Lebensmittel gekauft. In umgekehrte Richtung gelangen hauptsächlich Autos, Handys und PCs in jene Länder. In Afrika sind die Emissäre der asiatischen Supermacht schon viel weiter gegangen: In vielen Ländern ist die Volksrepublik mit ihren Staatskonzernen direkt involviert und finanziert Infrastruktur-Vorhaben wie Eisenbahnen und Straßen. Es werden großzügig Kredite vergeben.

Soweit ist es auf Mallorca selbstredend nicht. Doch wie an vielen Orten der Welt kann das Riesenreich auch auf der Insel auf Tausende Landsleute bauen. „10.000 Chinesen vor allem aus Peking und der Provinz Fujian leben hier, etwa 5000 davon allein in Palma”, weiß Verbandschef Fang Ji. Und die sind auf einer anderen wirtschaftlichen Ebene seit vielen Jahrzehnten aktiv – ob im Gastrobereich mit zahlreichen Bars, Wok-Selbstbedienungsrestaurants und anderen Gaststätten oder, geschickt in einer Nischenposition, im Einzelhandel mit kleinen und großen Märkten, wo man selbst um 3 Uhr nachts zu günstigen Preisen fast alles bekommt, was man gerade benötigt.

Das, was in solchen Läden verkauft wird, gelangt im Übrigen in größeren Mengen auf der im Jahr 2014 in Betrieb genommenen, über 10.000 Kilometer langen Seidenstraßen-Zuglinie von der 300 Kilometer südlich von Shanghai gelegenen Industriestadt Yiwu nach Madrid. „Das funktioniert bestens und ist viel billiger als der 
Schiffstransport”, sagt Verbandschef Fang Ji.

Im Großen wie im Kleinen: Zwischen Spanien und China ist wirtschaftlich eine immer intensiver zu vernehmende Dynamik entstanden.