Michelin-Köchin mit Leib und Seele

Macarena de Castro liebt ihren Beruf über alles

Im Sommer kocht die Mallorquinerin im Familienbetrieb auf der Insel, im Winter führt sie das Restaurant "Jardín de José Ignacio"

Im Sommer kocht die Mallorquinerin im Familienbetrieb auf der Insel, im Winter führt sie das Restaurant "Jardín de José Ignacio" bei Punta del Este in Uruguay.

Foto: Foto: Miquel Ángel Cañellas

Sterneköchin Macarena de Castro vom Restaurant Jardín in Port d'Alcúdia im Norden von Mallorca gilt bei Gourmets auf der Insel derzeit als Star. Unter anderem war die 33-Jährige auch beim großen Empfang von König Felipe auf Mallorca für das Essen zuständig.

Mallorca Magazin: Gab es vom Königshaus Sonderwünsche?

Macarena de Castro: Nein. Wir hatten freie Hand und sollten uns einfach an der mediterranen Küche orientieren. Die einzige Bedingung war, dass man mit einer Hand essen konnte. Scheinbar hat es dem Königspaar geschmeckt und sie haben uns persönlich beglückwünscht.

MM: Welcher Koch hat Sie am stärksten beeinflusst?

de Castro: Ich habe in den letzten Jahren große Persönlichkeiten und große Köche kennengelernt, aber drei möchte ich hervorheben. Von Hilario Arbelaitz (Zuberoa) habe ich gelernt, Köchin zu sein. Andoni Aduriz (Mugaritz) hat mir die Fähigkeit gegeben, ein Projekt zu kreieren und Julián Serrano (Picasso, Las Vegas) hat mir klargemacht, dass der wichtigste Stern immer der ist, den einem der Gast verleiht.

MM: Wie schwer ist die Belastung durch den Stern?

de Castro: Die größte Belohnung ist immer eine gut gemachte Arbeit und ein Team, das hinter dir steht. Wenn sie mir den Stern wegnehmen, wird das eine Enttäuschung sein, aber am nächsten Tag werde ich weiter kämpfen. Ich kann nicht jeden Tag daran denken, was passieren würde, wenn ich ihn verliere. Das ist natürlich ein Risiko. Andererseits hat der Stern auch sein Gutes: Gestern sagten mir die Leute an zwei Tischen, dass sie extra zum Essen bei mir nach Mallorca gekommen sind.

MM: Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

de Castro: Mein Vater liebte die gute Küche, und unsere Ferien bestanden immer in gastronomischen Touren. Schon mit sieben Jahren wünschte ich mir zum Geburtstag von ihm, dass er für mich und meine Freundinnen wie in einem Restaurant kocht. Mein Bruder musste uns das Menü servieren.

MM: Verstehen Sie, dass Kochen zum TV-Spektakel wird?

de Castro: Es überrascht mich nicht, aber ich verfolge es nicht, weil ich nicht fernsehe. Man muss das positiv sehen. Das Schöne an diesem Beruf ist doch, dass man nie aufhört zu lernen. Ich denke immer, dass ich nur halb so viel erlebt hätte, wenn ich nicht Köchin geworden wäre.

MM: Sie sind Junggesellin?

de Castro: Vor sechs Jahren habe ich mich getrennt und beschlossen, mich voll und ganz der Küche zu widmen. Als wir den Stern bekamen, sagte ich mir, dass ich das gut auch zehn Jahre aushalten könnte. Ich habe kein Leben außerhalb des Restaurants, und ich brauche keine Beziehung.

MM: Vor etwa zehn Jahren haben Sie den Abschluss an der Hotelfachschule gemacht.

de Castro: Die Ausbildung ist eine notwendige Voraussetzung, aber als Koch muss man vor allem auch sehr viel arbeiten. Ich finde es schade, dass so viele damit anfangen und nur so wenige weitermachen. Aus meinem Jahrgang sind vielleicht noch drei oder vier übrig.

MM: Was macht Ihnen Freude?

de Castro: Dass kein Tag wie der andere ist. Ich liebe es, wenn in der Küche alles so läuft, wie es soll. Obwohl ich mich in letzter Zeit mehr als Unternehmerin sehe und gleichzeitig vier Betriebe am Laufen habe. Trotzdem ist mein Traumberuf immer noch Köchin.

Die Fragen stellte Germà Ventayol.

(aus MM 35/2014)

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