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Gut zehn Tage nach den Landtagswahlen wird deutlich, wohin die Reise geht. So läuft bei den Verhandlungen infolge der Neuordnung der Kräfteverhältnisse im Balearen-Parlament jetzt alles auf eine Alleinregierung der Konservativen PP um Marga Prohens hinaus. Diese Pille scheint selbst die Vox-Partei, die eigentlich gerne mitregieren würde, nun geschluckt zu haben. Aber: Die für Prohens notwendige Enthaltung bei der Wahl zur Ministerpräsidentin werden sich die Rechtspopulisten teuer bezahlen lassen. So wurde bereits am Mittwoch die Forderung nach dem Parlamentsvorsitz laut. Und auch in der Sprachpolitik werden die Verfechter des rigorosen Anti-Katalanisch-Kurses Bedingungen stellen, ebenso in der Umweltpolitik.

Für die designierte Ministerpräsidentin dürften die kommenden Wochen ein Drahtseilakt werden. Einerseits muss es ihr gelingen, im Plenum gewählt zu werden, andererseits muss sie aufpassen, dass nicht der Eindruck entsteht, sie nähere sich Vox zu sehr an. Einer Partei, die den Klimawandel weitgehend leugnet, zahlreichen Minderheiten Rechte abspricht und die, wie es für Populisten üblich ist, gerne im Netz mit Anfeindungen und bisweilen Lügen um sich wirft. Dinge, die unappetitlich sind, die aber leider nicht darüber hinwegtäuschen können, dass auch diese Fraktion auf demokratischem Weg ins Parlament eingezogen ist.

Marga Prohens ist zu wünschen, dass ihr dieser Drahtseilakt gelingt und sie vier Jahre stabil regieren und die wirklich drängenden Probleme Mallorcas und der Nachbarinseln anpacken kann: Allen voran die Wohnungsnot, die Ressourcenknappheit, die Verkehrswende und der Kampf gegen die Massifizierung. Dabei sollte sie vernünftig abwägen, welche zum Teil sinnvollen Entscheidungen ihrer Vorgängerin sie beibehält und in welchen Bereichen sie neue Akzente setzt. Vor allem aber sollte sie auf der Suche nach Mehrheiten nicht nur auf jene setzen, die am lautesten billige Parolen brüllen. Der Fairness halber ist hier aber festzuhalten, dass dies auch ihrer sozialdemokratischen Vorgängerin in Bezug auf ihre teils linkspopulistischen Koalitionspartner nicht immer gelang. ¡Mucha suerte! Viel Glück!