Insgesamt hat José Arce sechs Deutsche Doggen und drei kleinere Hunde. Einige davon dienen ihm als "Therapiehunde."

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Wenn José Arce den Raum betritt, dann ist er sehr "präsent", strahlt Entschlossenheit aus. Sein Deutsch ist gut, vor allem wenn es um Hunde geht, kennt er jeden Fachbegriff. Und die Vierbeiner, das sind die große Leidenschaft des Mannes, der landläufig als "Hundeflüsterer von Mallorca" bekannt ist. Egal ob im Radio, in der Zeitung oder im Fernsehen, José Arce war schon überall zu Gast.

Fast 200 mehr oder weniger gescheiterte Hunde-Herrchen-Beziehungen versucht Arce pro Jahr zu kitten, fast immer mit Erfolg. Wichtig ist dem Mallorquiner dabei, dass auch der Hundehalter therapiewillig ist. "Der Hundebesitzer muss verstehen, dass oft er das Problem ist und nicht der Hund." Das größte Drama in den Beziehungen zwischen dem Menschen und seinem "besten Freund" sei die zunehmende Vermenschlichung. In vielen Fällen, so Arce, verhalte sich der Hund eben wie sich Hunde verhalten. Viele Menschen aber erwarteten von Hunden menschliches Verhalten, das sei falsch. "Ein Hund bleibt ein Hund." Das sei das Erste, was Halter akzeptieren müssten.

Wer sagt: "Ich fliege nicht, weil ich meinem Hund den Gepäckraum im Flugzeug nicht antun will", meine es zwar oft gut mit dem Tier, dennoch reisten Hunde eben nicht in der Kabine, sondern in einer Transportbox, so der Hundetrainer, der fast jeden Monat gemeinsam mit einem seiner Tiere nach Deutschland fliegt.

Herrchen müssten verstehen, dass sie im Umgang mit einem Tier auch auf dessen Bedürfnisse eingehen müssen. "Natürlich ist es schön, einem Hund als Erstes den Kopf zu tätscheln. Aber Hunde mögen das eigentlich nicht, und Menschen tun es vor allem, weil es ihnen Spaß macht, nicht weil sie glauben, der Hund habe das Bedürfnis danach."

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In den meisten Fällen besucht Arce seine "Kunden" zu Hause. Manchmal genügen wenige Stunden, um festzustellen, was zwischen Hund und Herrchen falschläuft. Die Probleme können vielschichtig sein. "Manche Herrchen sind zu streng, andere lassen die Leine - im wahrsten Sinne des Wortes - viel zu locker. Manchmal übernehmen Hunde die Rolle des Mannes und führen sich Frauen gegenüber aggressiv auf, das geht hin bis zu Bissen."

In besonders schweren Fällen nimmt Arce das betroffene Tier mit auf seine Finca bei Llubí und integriert es dort in sein Rudel, bestehend aus sechs Deutschen Doggen und drei kleineren Vierbeinern. "Nach wenigen Tagen stellt sich meist schon Besserung ein. Der Hund beginnt im Rudel, sich wieder wie ein Hund zu benehmen, nimmt seine Rolle ein, ordnet sich unter." Dann fällt auch das Training mit dem Herrchen wieder leichter. So konnte Arce bereits Hunderte Vierbeiner wieder auf ein "normales Familienleben" vorbereiten, was vorher oft unmöglich schien.

Auch beim Hundekauf hat Arce schon vielen Kunden geholfen. "Ein Hund muss zu einem passen. Wer sagt: 'Ich habe den Hund genommen, weil er der Erste war, der auf mich zukam' muss wissen, dass es sich sicher um einen dominanten Hund handelt, denn er war ja der Erste, der auf den Menschen zuging." Wichtiger als die Rasse sei stets der Charakter eines Hundes. "Böse oder gute Rassen gibt es nicht, das zu behaupten, wäre - im wahrsten Sinne des Wortes - Rassismus."

(aus MM 45/2014)