Das Tito's auf Mallorca – Tanztempel mit viel Tradition

| | Palma, Mallorca |
Die Aufnahme zeigt die Terrasse des Tito's in den 1970er Jahren.

Die Aufnahme zeigt die Terrasse des Tito's in den 1970er Jahren.

Foto: Archiv Ultima Hora
Die Aufnahme zeigt die Terrasse des Tito's in den 1970er Jahren.Das Tito’s wurde in den 80ern zur Disco umgebaut.Im Sommer 2017 machte Paris Hilton am DJ-Pult des Tito's die Nacht zum Tag.

Nachts ist es ruhig geworden an Palmas Flanier- und Ausgehmeile Paseo Marítimo. Die Lokale sind geschlossen. Auch im Tito’s ist es still. Keine Schlangen mit herausgeputztem Partyvolk warten vor dem Eingang auf dem roten Teppich des Nachtlokals, das am alten Küstenfelsen klebt.

In der Silvesternacht von 2019 auf 2020 fand das bisher letzte rauschende Fest in der Edeldisco statt. Im Frühjahr vergangenen Jahres sollte nach der Winterpause eine große Opening-Party gefeiert werden, doch die Corona-Pandemie machte der Wiedereröffnung des Tito’s und des gesamten Nachlebens auf der Insel einen Strich durch die Rechnung. „Das macht mich sehr traurig. Viele unserer Mitarbeiter machen nun finanziell wirklich schwere Zeiten durch“, sagt Tito’s-Manager Jaime Lladó. Er leitet den Club seit 20 Jahren. Die Unternehmensgruppe Cursach, zu der die Nobeldisco gehört, hatte sich von ihrem Skandal noch nicht wieder erholt, da kam die Covid-19-Krise.

Mitte Oktober 2020 wurde bekannt, dass das Tito’s für 16 Millionen Euro zum Verkauf steht. Doch das heißt nicht, dass damit nun eine Ära zu Ende geht. Bereits 2011 wollte die Grupo Cursach die Disco und drei weitere Lokale loswerden, um sich auf das Geschäft in den Küstenorten zu fokussieren. Damals wie heute ein Pokerspiel.

„Es ist nicht leicht, solch eine Immobilie zu veräußern, auch wenn es sich um eine emblematische Disco handelt“, sagt Jaime Lladó. „Die Gruppe versucht noch weitere Immobilien zu verkaufen. Denn seit einem Jahr wurden keine Einnahmen generiert.“ So sind unter anderem die Restaurants „Asadito“ und „800 Grad“ an der Playa de Palma auf dem Markt. Die Cursach-Gruppe will mit diesem Angebot ihre Chancen erhöhen, dass zumindest ein Geschäft zustande kommt und somit das Überleben aller Unternehmensteile sichert.

Geht es also weiter im Tito’s? „Wir halten uns bereit und planen bereits einige Events, doch die Balearen-Regierung muss die Entscheidung treffen, wann das Nachtleben auf der Insel wieder starten kann“, sagt Manager Jaime Lladó.

Der Club ist seit knapp 100 Jahren eine exklusive Adresse für Nachtschwärmer auf Mallorca, er wurde zur Institution. In den 1980er Jahren erhielt der Tanztempel sein heutiges Aussehen. Ein Markenzeichen sind die gläsernen Fahrstühle mit Blick auf die Bucht von Palma.

„Das Tito’s ist mehr als ein Club für Touristen“, sagt Julián Aguirre, Gesellschaftsreporter der MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora“, „Mallorquiner von der gesamten Inseln kamen hierher zum Feiern.“ Im Sommer war das Publikum international geprägt, im Winter lokal. Auch Aguirre verbrachte – beruflich und privat – viele Stunden in der Disco. Es galt über Schönheitswettbewerbe, Neujahrspartys und natürlich die Besuche der Stars und Sternchen zu schreiben.

Eine Nacht ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: Als It-Girl Paris Hilton im Juli 2017 im Tito’s als DJane auflegte. „Damals wollte der Königsneffe Froilán unbedingt ein Foto mit ihr und hat es in der Disco auch bekommen“, erzählt der Journalist.

Auch Jaime Lladó erinnert sich an Partynächte mit Paris Hilton. Die Hotelerbin besuchte nämlich 2006 schon einmal den Club, um dort die Werbetrommel zu rühren. Sie promotete den ersten Prosecco aus der Dose. „Am nächsten Abend kam sie mit ihren Freunden zum Feiern wieder, weil es ihr im Tito’s so gut gefallen hat“, erzählt der Clubdirektor voller Stolz. Auch lernte der Fußballstar Cristiano Ronaldo seine Ex-Freundin Nereida Gallardo, ein mallorquinisches Model, im VIP-Bereich der Disco kennen.

Das Erfolgsrezept des Tito’s beschreibt Lladó so: Musik für verschiedene Geschmäcker, feste Preise, aufwendige Shows auch oft mit Erotikfakor, bekannte DJs und Premiumservice für das zahlungskräftige Publikum. „Den VIPs gefällt es, wenn die anderen Gäste sehen, dass sie Geld haben und die anderen Kunden können sich an den Vorführungen erfreuen.“

Doch mit Geld sei im Tito’s nicht alles zu kaufen gewesen. Lladó wies vor Jahren einen russischen Millionär ab, der einen Tisch reservieren wollte, weil alle schon ausgebucht waren. „Sonst vergrault man sich doch die Stammkundschaft“, sagt er.

In der jüngsten Vergangenheit stumpfte der Glanz des Tito’s ab. Anfang 2017 begann die Polizei im Zuge eines Korruptionsskandals in den eigenen Reihen auch die Unternehmensgruppe von Bartolomé Cursach unter die Lupe zu nehmen. Cursach werden Drogenhandel, Bestechung von Polizisten und Todesdrohungen gegenüber Konkurrenten vorgeworfen. Auch Lladó wurde im März 2017 festgenommen, wenig später kam er wieder auf freien Fuß. Er bestritt, dass in dem Club am Paseo Marítimo Drogen verkauft, Prostituierte bezahlt oder Privatpartys für Polizeibeamte organisiert worden seien.

Von März bis Mai 2017 macht die Stadtverwaltung von Palma den Tanztempel dicht. Inspektoren hatten bei einer Überprüfung des Gebäudes bauliche Mängel festgestellt und auch die Brandschutzmaßnahmen kritisiert. Die Betreiber mussten nachbessern, dann gingen die Partys weiter.

Der Grundstein fürs Tito’s wurde bereits 1923 gelegt. Damals gründete der Italiener Tito Cungi ein Restaurant an der Plaça Gomila. Der Wirt selbst trällerte „O Sole mio“ am Klavier und begrüßte seine weiblichen Gäste per Kuss und Gesang. Häufig herrschte so starker Andrang, dass insbesondere auf der Meerblick-Terrasse – damals noch ohne Paseo Marítimo – kein Tisch zu bekommen war.

Mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs 1936 war mit dem heiteren Treiben erst einmal Schluss. 1957 eröffnete das Tito’s wieder. Der damalige Besitzer war der Russe Nikita Magaloff, Direktor wurde Antonio Ferrer.

Glanzvolle Zeiten erlebte das Tito’s in den 1960er Jahren. Damals drückten sich dort Weltstars wie Joséphine Baker, Marlene Dietrich, Ray Charles, Charles Aznavour, The Platters und Gilbert Bécaud bei Gala-Auftritten die Klinke in die Hand. Das Publikum gab sich elegant, die Damen in Abendrobe, die Herren im Anzug oder gar im Smoking. Es herrschte strengste Krawattenpflicht und getrunken wurde Champagner.

„Marlene Dietrich soll gesagt haben, das Tito’s sieht aus wie ein Zirkus“, erzählt Günter Stalter. Die Bühne auf der Terrasse lag mit dem Rücken zum Meer, teilweise war sie überkuppelt. Stalter verkaufte Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre als Reiseleiter Ausflüge an Touristen in das In-Lokal. „Das war der teuerste Ausflug, den wir damals im Angebot hatten. Er kostete 500 Peseten“, erzählt der langjährige Resident. Die Urlauber hätten die Galas immer gern gesehen, dazu gab es ein Glas Schaumwein. „1973 nach der Taufe unseres Sohnes gingen wir ins Tito’s. Das war schon etwas Besseres dort, der freie Blick aufs Meer war toll.“

In den 1970ern begann die Entwicklung hin zur Disco, die schließlich in den 1980ern in den Umbau des eleganten Ballsaals zum Club mündete. Damals wurde mit der Anschaffung der Fahrstühle der Zugang zur Diskothek an den Paseo Marítimo verlegt. Nun bleibt abzuwarten, wann dieser wieder öffnet.

(aus MM 3/2021)

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Majorcus / Vor 1 Monat

@Michael Düsseldorf: "in Steine ritzen und Innenwände von Höhlen anmalen" wie Ihre Nachbarn, die Neandertaler? Die haben mehr für den Erhalt des Planeten getan, als jeder Flugreisende ...

Stefan Meier / Vor 1 Monat

@Michael Wenn's Dir Spaß macht, meinen Segen haste. Ibiza soll natürlich bleiben wir es ist. Ibiza ist cool. Ibiza für Party, Menorca für gehobenen Urlaub und Mallorca Agriturismo für die Familien. Ich denke, das ist eine gute Mischung.

Michael Düsseldorf / Vor 1 Monat

@Stefan Meier Klar, und in Steine ritzen und Innenwände von Höhlen anmalen.

Majorcus / Vor 1 Monat

@Stefan Meier: Warum nicht einfach weitermachen wir vorher, damit die Insel schneller zur Halbwüste wird?

Stefan Meier / Vor 1 Monat

Mallorca muss sich neu erfinden. Ich würde ausschließlich agriturismo zulassen. Gruppenkuscheln mit Schafen und Schweinen. Artgerechte Tierhaltung. Erst gibt man ihnen einen Namen, dann isst man sie. Die Kinder lernen, dass Kühe nicht zwangsläufig lila sind. Die Handwerker renovieren die Ställe statt die Apartments. Back to roots. Ein friedliches Miteinander ohne Stress, Sauferei und Streit. Eine Marktlücke in Europa. Ach was schreibe ich, in der ganzen Welt.

5342 / Vor 1 Monat

Die guten alten Zeiten,man trauert Ihnen nach..........Kein Wunder bei den heutigen Aussichten.......Nimm das Leben wie es ist, Du kommst sowieso nicht lebend raus.