Auswanderer berichten: Wie Mallorquiner in Deutschland am Steuer sitzen

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Bartolomé Navarro arbeitet jetzt in Rheinland-Pfalz als Busfahrer. Er sagt: „Auf Mallorca ist die Jobsituation zu schlecht.”

Vicky López ist mutig. Im Dezember des vergangenen Jahres ist sie von Mallorca nach Deutschland ausgewandert, in den deutschen Lockdown. Für ein Unternehmen in Karlsruhe steuert die 47-Jährige jetzt einen Zwölftonner durch die Gegend, was ihr Spaß macht. Doch da sind auch einiges Probleme.

Mit dem Wetter habe sie zu kämpfen, erzählt sie. „Schnee, Eis, Dunkelheit, Nebel, da ist es nicht einfach zu fahren.” Mit den Deutschen komme sie gut zurecht. Manchmal könnten diese etwas flexibler mit Regeln umgehen, findet sie und lacht. „Regeln sind auch nur von Menschen gemacht.”

Als Lkw-Fahrerin in Karlsruhe: Vicky López wollte ans Steuer eines Busses, als das zunächst nicht geklappt hatte, bemühte sie sich mit Erfolg um eine Stelle im Laster-Cockpit.

Auch der Mallorquiner Bartolomé Navarro wagt einen Neustart in Deutschland. Für den 49-Jährigen geht es gerade erst los. Am 5. Januar traf er im rheinland-pfälzischen Gemünden ein, um dort als Busfahrer zu arbeiten. Nach zehn Tagen in Quarantäne wurde er eingewiesen.

„Erst kam mir alles so dunkel vor, aber dann fuhren wir durch die Schneelandschaft. Das war wunderschön.” Leicht sei ihm der Schritt nicht gefallen. „Ich musste es machen, um meine Familie durchzubringen. Auf Mallorca ist die Jobsituation zu schlecht.” Seine Frau und die Söhne sind auf der Insel geblieben. Hoffentlich erlaube es die Pandemie bald, dass sie ihn besuchen können.

Auf eine Zeitungsannonce – „Busfahrer in Deutschland gesucht” – hatten sich Vicky López und Bartolomé Navarro im vergangenen Jahr beworben. In Deutschland fehlen Bus- und Lkw-Fahrer. Einige Unternehmen suchen deshalb seit ein paar Jahren gezielt neue Mitarbeiter in Spanien, so auch die Busgruppe BBus mit Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Kirchheimbolanden.

2020 führte sie ihr erstes Anwerbeprogramm auf Mallorca durch. „Wir sind sehr zufrieden damit”, meint Miriam Rey, die in Spanien für die Personalabteilung von BBus tätig ist. Nach einem Auswahlverfahren wurde ein gutes Viertel der 60 Bewerber aufgenommen, die jüngsten Anfang 20, die ältesten 60 Jahre alt.

Für sie hieß es Deutsch büffeln: fünf Stunden täglich montags bis freitags von Ende Juli bis Anfang Oktober. Die Österreicherin Sarah-Therese Mann war eine der beiden Deutschlehrerinnen. Normalerweise unterrichtet sie angehende Führungskräfte im Tourismus und begleitet Schüler zum Abitur. Sie habe neue Lernkonzepte entwickeln müssen, erzählt sie. „Ich musste viel Abwechslung hineinbringen, viele Wiederholungen, Sprachspiele, kontextbezogene Dialoge, Bewegung.”

Es sei eine tolle Erfahrung gewesen: „Die Gruppe war viel dankbarer als meine Studenten sonst und viel motivierter.” Ein paar Standpauken habe sie auch halten müssen. Existenzängste seien hochgekommen und Zweifel, dass sie es schaffen würden: „Wir geben nicht auf.”

Sie habe der Gruppe Lerntipps gegeben, etwa Vokabeln auf Zettelchen schreiben und in der Wohnung aufhängen, Filme schauen und Inselradio hören. Eine große Sorge sei die Kälte in Deutschland gewesen und ob es genügend warme Kleidung zu kaufen gebe. Viele ihrer Schüler waren noch nie im Ausland gewesen. Mit der Zeit habe sich eine tolle Dynamik entwickelt. „Mallorquiner erscheinen erst abweisend, aber wenn man sich auf sie einlässt, kommt was richtig Freundschaftliches raus.” Das Menschliche sei sehr wichtig für die Beziehung.

Für Deutschlehrerin Sarah-Therese Mann bedeutete der Kurs mit den Auswanderern viele neue Erfahrungen.

Am Ende des Kurses habe die Gruppe ein solides A1-Niveau erreicht, meint die Deutschlehrerin. Damit kann man einfache Sätze verstehen und benutzen. Der Sprachkurs war an finanzielle Unterstützung gebunden, aber einen Job garantierte er noch nicht. Die Teilnehmer mussten noch eine Fahrprobe bestehen. Dabei habe es kulturelle Stolperfallen gegeben, erzählt Sarah-Therese Mann.

„In Spanien fahren die Busfahrer schneller und aggressiver als in Deutschland. An Kreuzungen gilt weniger rechts vor links als das Recht des Stärkeren. Der Bus gewinnt immer.” Einmal habe ein Busbesitzer fast einen Herzanfall bekommen. Der Teilnehmer wurde leider nicht genommen.

Auch Vicky López erhielt zunächst kein Angebot von BBus. Als das dann doch kam, hatte sie sich schon den Job als Lkw-Fahrerin in Karlsruhe organisiert. Die Mallorquinerin und Bartolomé Navarro sind mit ihrer Deutschlehrerin weiterhin in Kontakt. „Sie war toll”, meinen sie einstimmig. Jetzt lernen beide weiter online Deutsch.

BBus stellt seinen Mitarbeitern aus Spanien in den ersten drei Monaten kostenlos eine Unterkunft. So haben sie genügend Zeit, sich eine Wohnung zu suchen. Auch bei der Anmeldung bei der Gemeinde oder dem Eröffnen eines Kontos bekommen die Fahrer Hilfe, sagt Miriam Rey. Nach drei Monaten Probezeit können sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten.

Mitte Februar soll der nächste Deutschkurs auf Mallorca starten. „Solange er nicht wegen der Corona-Schutzmaßnahmen abgesagt werden muss, wird er stattfinden”, betont Miriam Rey. In Deutschland würden viele Fahrer benötigt.

Kommentar

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Muli / Vor 6 Monaten

M/ Sie schrieben doch als Antwort , daß für niedrige Löhne nur die Fortbildung DAS Allheilmittel ist. Zur Erinnerung: "Jeder hat die Möglichkeit sich weiterzubilden und dann sein Gehalt steigern." Meine Anwort darauf, daß dies nicht JEDEM möglich ist ,egal in welchem Land. Deshalb bleiben Sie bitte beim Thema und machen kein neues Fass auf, mit Vergleichen in der durch Covid geschuldeten Situation. Ende.

Hans Georg Ziegler / Vor 6 Monaten

Asterix. Was soll Ihr Kommentar? Ich lehne mich nicht aus dem Fenster. In Deutschland muss niemand für 5,83 € arbeiten gehen. Also erzählen Sie keinen Unsinn. Setzen Sie sich doch dafür ein, dass es auf Mallorca den Mindestlohn gibt. Wir sind doch im gelobten Europa.

M / Vor 6 Monaten

@Muli: Was ist schlimmer? Auf Majorca keine Arbeit - oder in D eine schlecht bezahlte Arbeit?

Muli / Vor 6 Monaten

M / Sie vergessen,dass die Voraussetzung für berufliche Weiterbildung von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Die Möglichkeit dazu hat halt nicht jeder wo im Niedriglohnbereich arbeitet. Die Schwachen werden immer ausgebeutet, sie haben auch in D keine Lobby, wie überall in der Welt. LEIDER. !!!!!!

M / Vor 6 Monaten

@Andreas: Dem Urteil zur Qualität schließe ich mich an! @Lohar: Es scheint eher, dass Sie nicht wissen, wer wie an Schnäppchen gelangt ... Sind Sie in der Nutzung moderner Technologien ungeübt? @Muli: Jeder hat die Möglichkeit, sich weiterzubilden und dann sein Gehalt zu steigern. @Hans Georg Ziegler: "Deutschland und Österreich (...) Mindestlohn gibt." Deshalb kommen die Schlauen auch dort hin. @Asterix: Sie haben Recht: Ein höherer Mindestlohn würde die deutschen Sozialkassen entlasten!

Stefan Meier / Vor 6 Monaten

@All Aber darum geht es doch. Die Abhängigkeit der Arbeitnehmer vom Tourismus zu reduzieren. Wenn es zukünftig mehr Arbeit außerhalb gibt, wird die Bereitschaft für 5,83 EUR zu arbeiten abnehmen. Wenn der Chef zukünftig die Klos nicht selber putzen will, muss er zwangsläufig die Löhne anheben. Warum kann da irgendjemand etwas gegen haben? Außer man fürchtet für seinen Billigurlaub zukünftig mehr bezahlen zu müssen.

Asterix / Vor 6 Monaten

@Hans Georg Ziegler: jetzt lehne dich mal nicht soweit aus dem Fenster: in Deutschland wurde der Mindestlohn auch sehr späht eingeführt. Ausbeutung gab und gibt es in Deutschland genauso.

Steven / Vor 6 Monaten

@Ulrike Respekt sollte man immer haben, vor Leuten die etwas versuchen. Bei Wirtschaftsflüchtlingen fehlt mir dieser. Anpacken, das kann und muss man jetzt hier auf Mallorca, nicht dann wieder kommen und sich ins gemachte Nest setzen. Das Herr @Stefan Meier das als Mallorcahasser nicht so sieht, und alle ins Deutsche Wunderland schicken will, klar...denn scheiss Jobs kann und will dort niemand mehr machen.

Hans Georg Ziegler / Vor 6 Monaten

Stefan Meier. Sie scheinen wohl ein Deutschhasser zu sein. Wenn die Zimmermädchen, was ich nicht glaube, wirklich nur 5,83 € verdienen sollten, dann liegt doch hier ein Versagen der spanischen Regierung vor, die diese Dinge beenden könnten. Was ist mit Gewerkschaft? Sie reden immer von Billig - Urlaub. Wo gibt es den auf Mallorca? Ein vernünftiges Hotel ist pro Nacht nicht unter 100 € zu bekommen mit Halbpension. Dafür kann ich auch in Deutschland und Österreich Urlaub machen. Die Zimmermädchen arbeiten dort nicht für das Geld, weil es Mindestlohn gibt.

Muli / Vor 6 Monaten

Stefan Maier Ihre Abneigung gegen deutsche Urlauber ist schon speziell ausgeprägt. Urlaub wird zuerst nach den eigenen finanziellen Mitteln gebucht,egal wohin. Für die Löhne können Sie die Urlauber nicht verantwortlich machen. In D putzen auch viele Deutsche "Klo" für Fremde ohne Trinkgeld zu bekommen, auch für wenig Geld, zudem müssen zusätzlich noch höhere Sozialabgaben bezahlt werden.