Der zeremonielle Kakao angerichtet mit Kakao-Bohnen und rituellen Gegenständen. | JD Photography Mallorca

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Neben dem Knistern und Knacken des Lagerfeuers in der Mitte des zeremoniellen Kreises aus Menschen ist es vor allem das malende Geräusch des Handsteins in dem steinernen Gefäß, welches die Stille immer wieder durchbricht. Die Hand, die seit nun mehr 20 Minuten die rohen, geschälten Kakao-Bohnen zerquetscht und in eine flüssige, fettige Masse verwandelt, gehört Sylvia Hansen. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie und Hypnotherapeutin organisiert und leitet Kakao-Zeremonien auf Mallorca.

Sylvia Hansen während der Zeremonie. Foto: Luisa Nebel

„Auch wenn es ein altes schamanistisches Ritual ist, würde ich mir die Bezeichnung Schamanin nicht anmaßen. Ich sehe mich eher als Gastgeberin. Durch meinen therapeutischen Hintergrund bin ich in der Lage, den Teilnehmenden dabei zu helfen, das Beste aus ihrer Zeremonie herauszuholen.” Die Geschichte dieser Rituale ist eine sehr alte. Ihren Ursprung vermutet man in Lateinamerika etwa 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. „Die Priester der damaligen indigenen Völker benutzten den Sud der Kakao-Bohne, um so mit dem Göttlichen in Kontakt zu treten.”

Bei den heutigen Zeremonien gehe es allerdings weniger um eine göttliche Erfahrung als viel mehr um Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis. „Bevor wir mit der Zeremonie beginnen, teilt jeder der Teilnehmenden seinen ganz persönlichen Grund mit, warum er hier dabei ist.” Das allein sei schon ein unglaublicher Schritt für viele, denn es brauche Mut, fremden Menschen die eigene, verletzliche innere Welt darzulegen. Der Kakao, der geschmacklich nichts mit dem Heißgetränk für Kinder zu tun hat, sei dabei das Vehikel, um die inneren Schalen aufzubrechen.

Jede Bohne wird handverlesen und so auf ihre Qualität geprüft.
Foto: JD Photography Mallorca
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Die zerriebene Masse in dem Steingefäß hat mittlerweile die richtige Konsistenz. Nun kommt Wasser auf den Bohnenbrei. Die Früchte stammen aus Peru und sind komplett unbehandelt. „Das Wasser darf nicht heiß sein, sonst gehen die Wirkstoffe kaputt”, erklärt die 45-Jährige. Im zeremoniellen Kakao sind viele Mineralien enthalten. Außerdem Antioxidantien, welche entzündungshemmend auf unser Herz-Kreislauf-System wirken. Die Zauberbohne enthält dazu noch biochemische Stoffe wie Anandamid, Phenylethylamin, und Tryptophan, welche sich stimmungsaufhellend und manchmal sogar angststillend auf den Körper auswirken. „Ganz wichtig ist auch der Stoff Theobromin. Das ist ein Herzstimulant der die Herzkranzgefäße erweitert und somit unser System anregt.” Roher Kakao sei eine der pharmakologisch komplexesten Pflanzen, die der Wissenschaft bis heute bekannt seien.

Weil die vielen Inhaltsstoffe so stark auf uns wirken können, gäbe es einige wichtige Dinge zu beachten, erklärt Hansen weiter. „Ich spreche vorab mit den Teilnehmenden, ob sie Antidepressiva nehmen, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder ein Nierenleiden haben. Wenn ja, dann muss man analysieren, ob eine Teilnahme nicht möglich ist oder nur die Dosis angepasst werden muss.” In jedem Fall sei Kakao als Medizin anzusehen und müsse deshalb auch mit der nötigen Umsicht angewendet werden. Der manchmal erdig oder floral, aber immer bitter schmeckende Sud wird über einen längeren Zeitraum schluckweise zu sich genommen. Etwa nach 20 bis 30 Minuten entfaltet sich seine Wirkung. „Wir haben in den Zeremonien immer wieder haltloses Lachen, aber natürlich auch jede Menge Tränen. Viele beschreiben ein warmes Gefühl in der Herzgegend und neu gewonnene innere Ruhe. Leider ist der Ausdruck ‚High sein’ sehr negativ konnotiert, aber es ist manchmal schon eine Art Rauschzustand.”

Alkohol und Drogen jeglicher Art sind bei der Zeremonie verboten. Zur Vorbereitung empfiehlt Hansen vorab eine vegetarische Ernährung. Außerdem sollte man sich vorher klar werden welche Probleme in dem Ritual bearbeitet werden sollen.

Die Kakao-Zeremonie kostet 45 Euro pro Person, dauert zwischen drei und vier Stunden und hat maximal elf Teilnehmende. Yoga-Sessions oder gemeinsames Musizieren sind je nach Wunsch auch immer wieder Bestandteil der Zeremonie. Die Therapeutin bietet aufgrund der Corona-Krise ebenfalls Online-Zeremonien an. Dafür verschickt sie den heilenden Kakao-Trunk in alle Himmelsrichtungen. Weil sie selbst viel durch die Welt reisen musste, um die Feinheiten einer guten Zeremonie zu erlernen, bietet sie für Interessierte auf Anfrage (Instagram: @cacaoce
remonymallorca) eine Kakao-Ausbildung an. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren seien die Anfragen für eine Zeremonie oder Ausbildung stark angestiegen, resümiert Hansen. „In Zeiten wie diesen, in denen Angst und Unsicherheit immer wieder versuchen, unserer Leben zu bestimmen, kann die Tasse Kakao nicht nur unseren Körper, sondern vor allem unsere Seele wärmen.”