Ein „officeBlu” Büro auf der indonisischen Insel Bali. Früher ein Relax-Bereich, und jetzt ein Arbeitsplatz am Pool.Fotos: officeblu.de

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Seit die Familie weiß, dass ein neues Baby unterwegs ist, haben Daniel Geib, seine Frau Fabiola und Tochter Alicia sowie die beiden Hunde ihren Lebensmittelpunkt von Palma an die Ostküste nach Porto Cristo verlagert. Es ist ruhiger, es ist günstiger und es ist sowieso egal, von wo aus Daniel Geib für sein Start-up „officeBlu” arbeitet. Die Website soll es Menschen ermöglichen, remote, zu Deutsch: aus der Ferne, für ihre Firma zu arbeiten. Dabei wird es, wenn es nach dem New-Work-Architekt geht, künftig völlig gleichgültig sein, ob das Laptop in einem Fischerhäuschen an einem norwegischen Fjord, in einer Berghütte in den Alpen oder in einem Strandhaus auf Mallorca steht.

„Ich erinnere mich, wir haben im November 2019 mit meinem Geschäftspartner das allererste Mal laut über die Idee diskutiert.” Das damalige Hauptproblem sahen die Gründer darin, alte Büro-Strukturen aufzubrechen und dem Management aufzeigen, dass es Vorteile habe, zum Arbeiten nicht immer im stickigen Büro zu sitzen und seinen Arbeitsplatz vielleicht sogar ans Mittelmeer zu verlagern. „Das Problem hat sich mit der Corona-Krise erübrigt. Durch die Pandemie haben sich aber natürlich ganz neue Schwierigkeiten ergeben.”

Im Moment seien es vor allem die Restriktionen rund um das internationale Reisen, die den für Februar geplanten Testlauf der Plattform wahrscheinlich in den Frühling verschieben werden. „Wir haben eine Lokation auf Bali, ein ehemaliger Chill-Bereich, der zum Büro umgebaut wurde. Es ist superschön da. Mit direktem Blick auf den Pool. Allerdings machen uns im Moment die balinesischen Einreisebestimmungen einen Strich durch die Rechnung.” Nichtsdestotrotz ist der 47-Jährige davon überzeugt, dass die „Workation”, was auf Deutsch so viel wie die Mischung aus Arbeit und Urlaub ausdrückt, die Zukunft in der New-Work-Bewegung sein wird.

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Kennt man Co-Working-Büros schon seit ein paar Jahren, ist der Arbeitsplatz am Urlaubsort noch etwas sehr Neues. „Es hat viele Vorteile. Man nehme beispielsweise nur ein Team, das versucht ein neues Projekt zu entwickeln. Die Leute aus ihrer gewohnten Umgebung herauszuholen, eröffnet ihnen oft ganz neue Denk- und Lösungsansätze.” Zudem sei es ebenfalls extrem gesundheitsfördernd, mal ein paar Tage Mallorcas salzige Luft zu schnuppern. Geib glaubt, dass künftig 14 Tage „officeBlu” in jeden modernen Arbeitsvertrag gehören könnten. „Gerade bei dem Fachkräftemangel, der überall herrscht, kann dieses Modell attraktiver auf potenzielle Arbeitnehmer wirken als meinetwegen eine 1000 Euro Bonuszahlung.”

Es findet sich auch Kritik an dem Konzept. Vor allem in Foren im Internet. Nicht erst seit kurzem buchen sich Menschen über Ferienvermietungsplattformen in eine Finca auf Mallorca ein, um dort zu arbeiten. „Die stellen dann schnell fest, dass Finca nicht gleich Finca ist. Dann gibt’s da beispielsweise keinen Schreibtisch oder auch keine stabile Internetverbindung oder es ist viel zu laut, um zu arbeiten.” Um diesem Problem und somit dem schlechten Ruf der „Remote-Arbeit” zu begegnen, überprüfen Geib und sein Team jeden Anbieter, der sich auf deren Plattform officeblu.de registriert, auf Herz und Nieren. „Wir würden beispielsweise niemals ein Büro in New York ins Portfolio aufnehmen. Die Stadt ist viel zu stressig.”

Aktuell verhandelt Daniel Geib, der aus dem sächsischen Jena stammt, mit Hotels auf Mallorca, die den Trend erkannt haben und einige ihrer Zimmer für dieses neuartige Geschäftsmodell zur Verfügung stellen wollen.

Dabei Geib lebt an der Ostküste in Porto Cristo.