Stromkonzern Endesa will sein altes Gesa-Hochhaus zurück

| | Palma de Mallorca |
Außen metallische Glasfassade, innen verrammelt und leerstehend: das Gesa-Gebäude in Palma.

Außen metallische Glasfassade, innen verrammelt und leer stehend: das Gesa-Gebäude in Palma. Im Jahre 2012 war am Dachaufsatz "Ajuntament de Palma" (Rathaus Palma) zu lesen.

Foto: L. Ladaria

Seit gut einem Jahrzehnt steht das sogenannte Gesa-Hochhaus in Palmas erster Meereslinie verrammelt und ungenutzt leer. Pläne für die 15 Stockwerke hohe Immobilie gab es auf Mallorca viele, unter anderem wollte die Stadt Palma dort einen neuen Rathaussitz verwirklichen. Jahrelang war an den Dachaufbauten der Schriftzug "Ajuntament de Palma" (Rathaus Palma) zu lesen, bis er dann wieder verschwand.

Allmählich wird das Ausmaß des Kuddelmuddel-Rechtsstreits um den ehemaligen Firmensitz des Energiekonzerns Endesa, in dem der einstige mallorquinische Stromerzeuger Gesa aufgegangen war, deutlich. Endesa fordert vom Rathaus die Immobilie zurück. Darüber hinaus sei die Rechtsabteilung des Unternehmens dabei, die Entschädigungssumme zu errechnen, die Endesa zustehen solle, weil der Konzern seit 2009 auf die Nutzung des Gebäudes angeblich zu verzichten hatte, wie die spanische Tageszeitung Ultima Hora an diesem Mittwoch berichtete.

Endesa sieht sich im Recht, weil spanische Verwaltungsgerichte nach jahrelangem Rechtsstreit einen Beschluss des Stadtrates von Palma für ungültig erklärt hatten. Geklagt hatte die frühere Baufirma Núñez y Navarro (heute Josel Sl). Hintergrund sind Streitigkeiten beim Tausch und Besitzerwechsel von Grundstücken an Palmas Meeresfront, allesamt Filetstücke im Flächennutzungsplan der Balearen-Metropole in Fußweite von Strand, Meer, Kongresspalast und Altstadt. Die Gerichte gaben der Baufirma recht. Endesa wiederum, deren ehemaliges Hochhaus inmitten der umstrittenen Parzellen steht, flankiert nun ihrerseits die Rechtsansprüche des Bauunternehmens.

Die Angelegenheit ist verworren. Ultima-Hora-Kommentator Germà Ventanyol spricht von einem "Fluch", der über dem Hochhaus schwebt. Der einstige Besitzerwechsel von Grundstücken und Gebäuden war in der konservativen Legislaturperiode vor 2007 durchgezogen worden. Das alte Gesa-Hochhaus sollte, nach dem Umzug des Verwaltungssitzes des Stromkonzerns in das neue Gebäude in Coll d'en Rabassa, in den Besitz der Stadt kommen und – abgerissen werden.

Doch in einem politischen Überraschungscoup stellte der damalige Juniorpartner der balearischen Regierungskoalition, die später als korrupt verurteilte Unió Mallorquina, das 1974 von einem mallorquinischen Stararchitekten errichtete Hochhaus 2007 unter – einen höchst umstrittenen – Denkmalschutz. Die folgende sozialistische Regierung schuf im Umfeld des Ex-Gesa-Gebäudes die heutige Grünzone.

Wie Ultima Hora schreibt, wird im Rathaus unter Hochdruck und Stillschweigen nach einem Einvernehmen mit Endesa gesucht. Unterdessen melden sich Visionäre zu Wort, die in den obersten Etagen des Hochhauses in Zukunft ein Luxus-Hotel verwirklicht zu sehen meinen. Die Rede ist etwa von einem US-Investor und Hotelbetreiber. In Nordamerika sei es üblich, Edeletagen für Übernachtungsbetriebe zu benutzen, während in den anderen Stockwerken Büros und Unternehmen einziehen würden.

Kommentator Ventanyol bleibt da skeptisch: Angesichts "opportunistischer Politiker, richterlicher Urteile und der Unfähigkeit der Institutionen" sieht er noch viele Jahre ins Land ziehen, bevor sich eine Lösung für das leer stehende Gesa-Gebäude finden lasse. (as)

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

MM-Team / Vor über 2 Jahren

@Thomas Winkelmauer LOL! So (fuß)weit ist es schon gekommen! Gemeint war natürlich die Fußnähe. Laut Duden: Fußnähe, die / geringe Entfernung, die bequem zu Fuß zurückgelegt werden kann / Beispiel: in Fußnähe zum Strand. Was dem einen Fuß noch nah, ist dem anderen schon zu weit. Danke für den Hinweis, mit freundlichen Grüßen MM-Team

Hajo Hajo / Vor über 2 Jahren

Der Author hat schon angemerkt, dass es da um die Filetstücke der Stadt geh. Ganz logisch dass diese zig Millionen wert sein könnten. Die Stadt hat aber die Möglichkeit der Spekulation ein Ende zu machen und einen Baustopp für das ganze Areal zu verhängen und in eine Grünzone zu verändern.

Thomas Winkelmauer / Vor über 2 Jahren

Hat der Autor auch den Artikel über den Schuhersteller geschrieben und ist nicht so ganz bei der Sache oder ist er einfach Fußfetischist? Oder ist er Brite, der noch in anderen Maßeinheiten denkt ? Wie muss ich mir denn die "Fußweite" zum Meer vorstellen? Oder hatte er ganz einfach das deutsche Wort "Laufnähe" gemeint aber nicht mehr griffbereit? https://www.google.de/search?q=Fu%C3%9Fweite&tbm=isch&source=iu&ictx=1&fir=szd5zh16TNCaUM%253A%252CTfNYaTenv6CcnM%252C_&usg=__bRZY9ufvSVeAiPOItbWnynAI7iE%3D&sa=X&ved=0ahUKEwj8ofv5zK_bAhXH1hQKHQ6NACcQ9QEIaDAG#imgrc=_

Bernd / Vor über 2 Jahren

Man erinnere sich bitte daran, dass das Gebäude mit der Begründung geräumt wurde, dass es eventuell Einsturz-gefährdet wäre... War dem nun so oder was ist denn aktuell der Stand zum Zustand des Gebäudes... Was ist los in Palma? Irgendetwas im Leitungswasser, was irgendjemand zu Kopfe steigt???