Rückkehr ins Paradies der Kindheit

"Hotel Laguna" von Alexander Gorkow ist ein kluges Buch - nicht nur über Mallorca

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Hotel Laguna. Meine Familie am Strand.

Alexander Gorkow: Hotel Laguna. Meine Familie am Strand.

"Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können", schrieb Jean Paul in seinem Roman "Die unsichtbare Loge". Was aber, wenn wir an den Ort paradiesischer Erinnerungen tatsächlich zurückkehren? Alexander Gorkow, Ressortleiter bei der "Süddeutschen Zeitung", hat es getan: Nach drei Jahrzehnten kehrte er zurück nach Canyamel.

Das Örtchen an der Ostküste Mallorcas war 15 Jahre lang das Urlaubsparadies der Familie Gorkow. Als der Autor 1967 zum ersten Mal mit Eltern und Schwester hierher kam, war er ein einjähriger Knirps. Als die Familie aus dem Düsseldorfer Vorort Büderich 1981 der Insel den letzten gemeinsamen Besuch abstattete, hatte bei ihm die Pubertät eingesetzt. Canyamel war ihm da längst zur zweiten Heimat geworden. Doch wie hält die Erinnerung der Realität stand?

2016 logierte Gorkow drei Monate lang vor Ort im Hotel Laguna. Frucht dieses Aufenthalts ist das gleichnamige Buch "Hotel Laguna", das seit diesem Donnerstag im Handel ist. Mit wenigen Sätzen vermag der Autor Personen zu zeichnen und Begebenheiten - vergangene wie gegenwärtige - zu schildern: Mal mit Witz und Ironie, mal mit Ernst und analytischem Blick und stets mit Leidenschaft und Respekt. Am Ende der fast 400 Seiten ist dem Leser nicht nur die Familie Gorkow ans Herz gewachsen, sondern auch Teo, der zwecks Verzehr Kaninchen mit dem Auto erlegt, Xisco, der lebenskluge Chefrezeptionist, der scharfsinnige Hotelier Juan Massanet, dessen Frau Catalina, die vorab weiß, wer in ihrem Kiosk welches Groschenheftchen kauft.

Gorkow wäre kein ausgezeichneter Journalist und versierter Autor, hätte er es beim autobiografischen Erzählen belassen. Darüber hinaus ordnet er das Erlebte historisch ein. Er schlägt den Bogen von der Generation seiner Eltern, die sich nach dem Trauma des Krieges den Traum von Strand erfüllten, zur Generation von heute, deren Urlaub aus der ständigen Angst vor Übervorteilung besteht. Und er wirft einen Blick auf ein Spanien und ein Mallorca, wie sie in den deutschen Medien gewöhnlich nicht beschrieben werden. Und so kann man dieser Verlagsmitteilung nur beipflichten: "Gorkows leidenschaftliches, kluges und sehr heiteres Buch ist zugleich Familienroman und Mentalitätsgeschichte: Über unsere Urlaube, unser Land und unsere Sehnsüchte." (mb)

Alexander Gorkow:

Hotel Laguna. Meine Familie am Strand. 368 Seiten, Halbleinen. Verlag: Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-05116-2. Gedruckte Ausgabe: Deutschland 22 Euro, Österreich 22,70 Euro. E-Book: 18,99 Euro.

ZUR PERSON: ALEXANDER GORKOW

Alexander Gorkow wurde 1966 in Düsseldorf geboren. Er studierte Germanistik, Mediävistik und Philosophie und arbeitet seit 1993 bei der Süddeutschen Zeitung in München. Als Reporter, Essayist und Interviewer zählt er zu den renommiertesten Journalisten Deutschlands. Er wurde ausgezeichnet mit dem Theodor-Wolf-Preis und zweimal mit dem Deutschen Reporterpreis. Seit 2009 leitet er die Seite Drei der SZ. 2003 veröffentlichte Gorkow seinen Roman „Kalbs Schweigen“. Bei Kiepenheuer & Witsch erschienen 2007 der Roman „Mona“ und 2008 „Draußen scheint die Sonne“, eine Auswahl seiner Interviews. 2013 war er Herausgeber des Gedichtbandes „In stillen Nächten“ von Till Lindemann, bekannt als Sänger und Textdichter der Musikgruppen Rammstein und Lindemann.

(aus MM 33/2017)

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