Antike Mythen in Marmor und Öl zu sehen

| Palma, Mallorca |
Ein Gemälde des flämischen Malers Jan Cossiers: Narziss verliebt sich in sein Spiegelbild.

Ein Gemälde des flämischen Malers Jan Cossiers: Narziss verliebt sich in sein Spiegelbild.

Foto: Archiv

Wie entstanden die Welt, die Götter und die Menschen? Und warum gibt es Katastrophen? In ferner Vergangenheit, als es weder Ethik noch Wissenschaft gab, suchten die Menschen nach Antworten auf das, was sie nicht verstanden. Diese Antworten lieferten ihnen die Mythen: Erzählungen, die übergreifende Erklärungen, Sinn und religiöse Orientierung, aber auch Identität stifteten. Zugleich dienten sie in schriftlosen Kulturen der Weitergabe und dem Erhalt des Glaubens und den damit verbundenen Werten.

Der griechisch-römischen Mythologie und ihrer Darstellung in der Kunst ist eine Ausstellung im Caixa Forum in Palma gewidmet. Der Titel "Arte y mito. Los dioses del Prado" (Kunst und Mythos. Die Götter des Prado) sagt es bereits: Gezeigt werden 50 Leihgaben aus dem Museo del Prado in Madrid, einem der bedeutendsten Museen der Welt. Zu sehen sind 50 Gemälde, Skulpturen, Reliefs und zwei Medaillen aus Silber. Die Exponate stammen vornehmlich aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert und aus der Epoche des Barock, unter anderem von Meistern wie Rubens, Ribera, Zubarán und Brueghel.

Dass die antiken Mythen überhaupt bekannt sind, verdankt die Nachwelt Dichtern wie Homer und Hesiod. Sie waren im achten vorschristlichen Jahrhundert die Ersten, die die bis dahin mündlich tradierten Erzählungen aufschrieben. Homer gebührt denn auch die Ehre, gleich am Anfang der Ausstellung, im Erdgeschoss des Caixa Forums, mit einer Marmorbüste aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert vertreten zu sein, gewissermaßen als Pförtner zum Pantheon der hellenistisch-römischen Götterwelt.

Diese Welt ist unter anderem durch antike Büsten von Athene, Mars, Jupiter und Apollo repräsentiert, während dahinter Schatten von Aphrodite und Hermes über die Leinwand huschen. Andere Bewohner des Olymp erscheinen in Öl auf Leinwand, zum Beispiel die Jagdgöttin Diana, gemalt von Peter Paul Rubens.

Denjenigen, die mit den antiken Göttern nicht allzu vertraut sind, hilft eine genealogische Auflistung, den Überblick über die Generationen, Geschlechter und Namen der Götter zu bewahren, die bei den Römern ganz anders hießen als bei den Griechen.

Wie man sich in der Antike die Erschaffung des Menschen vorstellte, ist auf einem Marmorrelief aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert zu sehen. Prometheus und Athene sind die Schöpfer. Letztere setzt dem Menschen ein geflügeltes Tier in den Kopf ein, während neben ihr eine junge Frau mit Schmetterlingsflügeln, interpretierbar als Psyche, schwebt.

Auch den Naturgeistern ist ein Bereich gewidmet. Interessant ist das Bild eines Fauns aus dem 17. Jahrhundert. Die Darstellung dieses Mischwesens aus Mensch und Bock veränderte sich allmählich. Während Schwanz und die markanten Ohren erhalten blieben, verschwanden mit der Zeit die Hörner, und aus Hufen wurden menschliche Füße.

Ein schlafender Amor sorgt ebenfalls für einen Aha-Moment. Zum einen könnte er aus der Barockzeit stammen, wurde aber im zweiten nachchristlichen Jahrhundert aus Marmor gefertigt. Zum anderen erfährt man: Mit seinen Pfeilen ins Herz löst der Gott nicht nur Liebe aus. Sind sie aus Blei statt aus Gold, erwecken sie Hass.

Auch allerhand bekannten Motiven begegnen die Besucher: Narziss, der sich in sein Spiegelbild im Wasser verliebt, Orpheus und Eurydike in der Unterwelt, Zeus, der in der Gestalt eines Schwans die Leda verführt, gemalt von dem Dürer-Schüler Georg Penez, oder das hölzerne Pferd in dem brennenden Troja.

Am Ende werden die Besucher mit einem Rat Platons verabschiedet: Vor allem müsse man auf die Schmiede der Mythen achten und ihre guten Schöpfungen annehmen, die schlechten dagegen verwerfen. So gesehen spricht es für sich, dass sich so viele Mythen der Antike gehalten haben.

Infos zur Ausstellung:

Titel: "Arte y mito. Los dioses del Prado" (Kunst und Mythos. Die Götter des Prado).

Dauer: Bis Sonntag, 18. Februar 2018.

Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 20 Uhr.

Eintritt: 4 Euro; für Caixa-Kunden sowie für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren frei.

Ort: Caixa Forum, Plaça Weyler 3, Palma.

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