"Es ist ein kleines Paradies"

| Capdepera, Mallorca |
Weitblick von der Burg aus ins Inselinnere. Rund 90.000 Besucher besichtigten im Vorjahr die denkmalgeschützte Festungsanlage. I

Weitblick von der Burg aus ins Inselinnere. Rund 90.000 Besucher besichtigten im Vorjahr die denkmalgeschützte Festungsanlage. Im Kernort Capdepera leben 3000 Menschen, im gesamten Gemeindegebiet sind 12.000 Menschen zu Hause.

Steil führt der Weg in die Höhe. Es geht über ein liebevoll gestaltetes Pflaster, in das in gleichmäßigen Abständen Kieselsteine eingelegt sind. Die verkehrsberuhigte Straße verstärkt den historischen Eindruck, den das Dorf Capdepera ausströmt. Jeder höher es aufwärts geht, desto weiter öffnet sich das Tal, streift der Blick über das Dorf, das im Jahre 1300 vom mallorquinischen König Jaime II. gegründet wurde.

Vorbei an den Sandsteinfronten der traditionellen Häuser und den begrünten Hinterhöfen geht es weiter, bis der Weg an einer trutzigen Toranlage endet. Die Burg von Capdepera überragt das Dorf, der gesamte Gipfel des Hügels ist von einer zinnenbewehrten Mauer eingefasst. Im Innern der einstigen Wehranlage, die als Keimzelle des Ortes gilt, finden sich ein gepflegter Park, ein Korbwaren-Museum, ein historischer Wehrturm samt integrierter Windmühle, eine herausgeputzte Kapelle mit Kirchenmusik vom Band sowie eine Aussichtsplattform für atemberaubende Panoramablicke über den Nordostzipfel der Insel bis nach Menorca.

Die Burganlage von Capdepera - es sei hier zu Protokoll gegeben - ist als aufwendig gestaltetes Gesamtensemble mit präzisen Infotafeln in vier Sprachen von ihrer Präsentationsdidaktik her eine der besten Besucherstätten auf Mallorca. Die Festung ist darüber hinaus Schauplatz des Mittelalter-Festes, das Mitte Mai vor Ort stattfindet. (Hier finden Sie das Programm.)

Früher galt Capdepera als das unscheinbare Dorf neben dem quirligen Küstenort Cala Rajada, der jedes Jahr Tausende von Touristen, insbesondere Deutsche, anlockt. Das Oberzentrum mit dem Rathaus besuchte man einmal wegen der Burg, und dann war's das auch schon. Viel zu bieten hatte der Ort mit seinen drei, vier Cafés an der Plaza del Oriente ohnehin nicht.

"Aber mittlerweile finden mehr und mehr Urlauber den Weg nach Capdepera", sagt Tabakhändler Pep. Das liegt auch an der im Vorjahr verbesserten Busanbindung. Was dem Ort aber noch fehle, seien zusätzliche Geschäfte, etwa in den Straßen, die zur Burg hoch führen.

Ein neuer Laden, noch dazu von deutschen Unternehmern, ist indes erst vergangene Woche an den Start gegangen: Elke und Markus Dombrowski aus Münster haben in einem antiken Dorfhaus an der Hauptstraße ihr Einrichtungsgeschäft "Grün und Form" eröffnet."

Wer in Capdepera lebt, will den Ort nicht mehr verlassen. "Es ist ein kleines Paradies", sagt Zeitungshändler Rafa Chafer. "Wir haben Berge und Meer, eine tolle Landschaft, beste Wandergebiete, Ruhe und Schönheit. Und das Klima ist fantastisch!"

Doch der Ort bietet mehr als all das. Im renovierten Theater finden jede Woche Film-, Schauspiel- und Konzertabende statt, das Haus des ehemaligen Apothekers Melis Cursach wurde in ein museales Info- und Kulturzentrum verwandelt. Beachtlich, wie Capdepera mit Beschaulichkeit und Qualität Gäste anzuziehen weiß.

Hinu kommt: Cala Rajada setzt immer mehr auf Kunst. Am kommenden Freitag wird am Hafen das neue Wandmosaik von Gustavo eingeweiht. Und vor kurzem erschien ein Buch, das an den frühen Tourismus in dem Küstenort erinnert.

(Der Bericht ist Teil des Themas der Woche im neuen MM. Die vollständige Berichterstattung lesen Sie in der jüngsten Ausgabe, erhältlich am Kiosk auf Mallorca, sowie an den Bahnhöfen und Flughäfen in Deutschland; oder auf E-Paper.)

Mehr Aufnahmen aus Capdepera finden Sie in unserer MM-Fotogalerie.


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