Manch einer dürfte verwirrt sein: Das Bussystem in Palma wurde gründlich umgekrempelt. | plozano

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Mitte Dezember starteten die Verkehrsbetriebe von Palma ihre „Bus-Revolution” . Sechs zusätzliche Linien kamen zu den bestehenden 28 hinzu, 20 neue Busse nahmen den Betrieb auf – so weit, so gut. Doch gleichzeitig steht auch eine kräftige Preiserhöhung ins Haus und vor allem für Urlauber verändern sich die Dinge nicht nur zum Positiven.

Zwei Euro statt 1,50 Euro müssen Fahrgäste demnächst für einen Busfahrschein hinblättern, damit steht bei Palmas Verkehrsbetrieben EMT eine Preissteigerung von beachtlichen 33 Prozent ins Haus. Wann genau die Teuerung in Kraft tritt, ist allerdings noch nicht bekannt, etwa Mitte Februar sei damit zu rechnen, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Doch damit nicht genug.

Touristen, die sich dann mit einem Stadtbus von der Playa de Palma beispielsweise in den Hafen von Portitxol oder El Molinar auf den Weg machen, zahlen dann nicht nur zwei, sondern gleich vier Euro statt der bislang üblichen 1,50 Euro. Denn nach der Umstrukturierung des Busnetzes und dem Wegfall der Buslinie 15, die die beliebten Ausgehviertel auf ihrem Weg von El Arenal nach Palma direkt anfuhr, müssen sie zunächst mit der Linie 25 von Arenal nach Can Pastilla fahren und am Palma Aquarium in die Linie 35 umsteigen – und daher zweimal zahlen. „Fahrscheine mit Umsteigeoption gibt es nicht und sind auch sind nicht geplant”, sagt EMT-Sprecherin Marta Medrano.

Wer mit der Familie oder Freunden unterwegs ist, überlegt bei einem Preis von acht Euro für die Hin- und Rückfahrt sicherlich, ob ein Taxi nicht die bessere Alternative ist, vor allem abends, wenn der Fahrplan ausgedünnt wird. Dem erklärten Ziel der Stadt Palma, durch den Ausbau des Busnetzes und die Einführung moderner, mit Flüssiggas betriebener Fahrzeuge für mehr Nachhaltigkeit im Straßenverkehr zu sorgen, wirkt dies zweifellos entgegen, wie auch MM-Leser monierten. „Anstatt die öffentlichen Verkehrsmittel günstiger zu machen, damit die Leute ihr Auto stehen lassen, die Straßen entlasten und was für das Klima tun, erhöhen die noch die Fahrtkosten? In Deutschland ist ähnliches Verhalten der Kommunen zu beobachten”, kritisiert etwa ein User auf der MM-Homepage.

Die Belange von Touristen scheinen ohnehin keine große Rolle bei der Verkehrsplanung gespielt zu haben. „80 Prozent der Busnutzer haben eine Bürgerkarte”, erklärt Medrano in einem Ton, den man durchaus als ungerührt bezeichnen könnte. Die aufladbare Buskarte ist ausschließlich Residenten vorbehalten. „Und die Änderungen des Busnetzes sind vor allem auf die Bedürfnisse der Anwohner zugeschnitten”, ergänzt sie.

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Eine Möglichkeit bleibt Urlaubern, beim Busfahren ein wenig zu sparen. Sie können sich Fahrkarten im Zehnerpack kaufen (Kosten: zurzeit 10 Euro, später 15 Euro). Erhältlich sind die Zehnerpacks etwa in Tabakläden oder Kneipen. Einen Überblick über sämtliche Verkaufsstellen gibt es im Internet unter www.emtpalma.cat/ca/targe tes-10-viatges.

Teurer und umständlicher wird es übrigens auch für Kreuzfahrttouristen, die sich vom Flughafen zum Schiffsterminal in Portopí auf den Weg machen. War dies mit der alten Flughafenlinie 1 mit nur einem Ticket für fünf Euro möglich, müssen Fahrgäste nun zunächst den neuen Flughafenbus A1 nehmen und dann am Paseo Mallorca in die neue verkürzte Einser-Linie (Startpunkt: Kongresspalast, Endhaltestelle: Portopí) oder die Linie 4 beziehungsweise 20 umsteigen und ein zweites Ticket für 1,50 Euro beziehungsweise zwei Euro nachlösen. Etwas günstiger kommt davon, wer seine Bustickets in den Automaten am Airport im Voraus zieht. Für fünf Euro spucken die Maschinen Fahrscheine inklusive Umsteigeoption aus, Hin- und Rückfahrt kosten in dieser Variante acht statt zehn Euro. Einfacher ist es in der anderen Richtung: Playa-de-Palma-Touristen gelangen ohne Umsteigen mit der Linie A 2 direkt zu ihrem Urlaubsdomizil.

Auch wer vom Hafen in Richtung Stadt fährt, muss draufzahlen. Drei Euro statt wie zuvor 1,50 Euro werden für die Strecke fällig. Wer umsteigen muss und sich das Zusatzticket sparen will, sollte auch hier auf Fahrscheine aus dem Automaten zurückgreifen. „Je nach Ankunftszeit der Passagiere stehen auch EMT-Mitarbeiter bereit, die die ermäßigten Fahrscheine verkaufen”, sagt Unternehmenssprecherin Medrano.

Noch ein Urlauber-Nachteil: Wer die beliebten Stadtstrände von Illetes im Westen Palmas aufsuchen will, kann dies unter Umständen nicht mehr in einem Rutsch tun. Die alte Buslinie 3 (Pont d’Inca – Illetes), einst die längste Busverbindung der Stadt und als solche vor allem im Sommer chronisch überfüllt, wurde gekappt und startet – als neu eingeführte Linie 4 – nun erst an der Plaça Columna im Stadtzentrum.

Anders als Urlauber bleiben Residenten, die im Besitz einer Bürgerkarte sind, von den unangenehmen Nebenwirkungen der „Bus-Revolution” verschont. Für sie gilt weiterhin: Eine Fahrt kostet 80 Cent, Umsteigen inklusive. Auch der Weg zum Flughafen ist deutlich günstiger und schlägt nur mit einem Euro zu Buche. Die Karte kann übrigens von Bewohnern sämtlicher Baleareninseln gratis im Bürgerbüro des Rathauses oder im EMT-Kundenbüro im Carrer de Josep Anselm Clavé 5 beantragt werden.