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In den 1920er Jahren war es das Schmuckstück der Inselhauptstadt. Im Laufe der Jahrzehnte geriet es in Vergessenheit und hat dadurch einiges von seinem früheren Glanz eingebüßt. Jetzt scheint das El-Terreno-Viertel in Palma langsam wieder zu alter Schönheit zurückzufinden.

Allein von seiner geografischen Lage ist das Jugendstil-Viertel einzigartig. Im Norden beginnt es am Castell de Bellver liegt also direkt am Park de Bellver und somit an der grünen Lunge der Inselhauptstadt. Im Süden endet El Terreno am Paseo Marítimo und somit im Mittelmeer. Wer also irgendwo zwischen der Straße direkt unterhalb des Parks, Carrer Dos de Maig, und dem Paseo Marítimo eine Immobilie besitzt oder gemietet hat, lebt dementsprechend mit der Natur im Rücken und einer Meeresbrise im Gesicht. Im Osten wird El Terreno vom Son-Armadans-Viertel und im Westen von dem Wohnviertel Bonanova begrenzt.

Die Immobilienmaklerin Katja Schrapel lebt und arbeitet seit 12 Jahren in El Terreno und hat die großen und kleinen Veränderungen miterlebt. „Viele Geschäfte haben im Laufe der Zeit zugemacht. Es war schon traurig zuzuschauen, wenn der einzige Bäcker im Viertel seinen Laden dicht macht. Es gab hier auch mal einen Metzger, mehr kleine Eckkneipen und auch die Restaurant-Vielfalt war größer.” Ein Wandel der in den vergangenen Jahren nicht nur im El-Terreno-Viertel zu beobachten war. Immer weniger kleine Handwerksbetriebe immer mehr große Marken mit breitem Angebot und unschlagbaren Preisen. Allerdings scheint sich derzeit eine Gegenbewegung in Palmas „Jugendstil-Viertel” anzukündigen.

Zwei große weiß-rote Turmdrehkräne ragen seit ein paar Monaten über der Plaça Gomila in den Himmel. Die beiden sorgen dafür, dass genügend Baumaterialien über den Luftweg in die gerade entstehenden Rohbauten gelangt. Die Baufirma Doakid SLU deren Hauptaktionär die mallorquinische Schuhfirma Camper und somit die Familie Fluxa aus Inca ist, arbeitet hier an großem.

„Hier soll eine Art Mikro-Kosmos entstehen”, erzählt die Immobilienmaklerin, „geplant sind mehrere Wohneinheiten sowie Ladenflächen und ein neuer Parkplatz.” Es hält sich ebenfalls hartnäckig das Gerücht, es würde dort ein neues Hotel entstehen. Das kann Katja Schrapel allerdings nicht bestätigen. Sie ist jedoch davon überzeugt, dass dieses Bauprojekt, welches im kommenden Jahr abgeschlossen sein soll, ein Meilenstein im Wandel des Viertels sein wird. „Die Plaça Gomila war ein Schandfleck im Viertel und jetzt bekommt der Platz an der Avinguda de Joan Miró eine eigene Infrastruktur. Ich sehe es so: Dort, wo ein McDonalds aufmacht, dauert es nicht lange, bis auf der anderen Straßenseite ein Burger King eröffnet. Es wird so sein, dass diese Investition kleine und große Unternehmen anziehen wird, die ihrerseits wieder neue Investoren ins Viertel locken. Ich glaube, El Terreno ist das Santa-Catalina-Viertel von morgen.”

Die kleineren Investoren, von denen Schrapel spricht, stehen bereits in den Startlöchern. Der deutsche Mallorca-Liebhaber Maik Tempel aus Zittau investiert seit ein paar Jahren in Immobilien auf der Insel. „Ich bin gerader dabei, zwei leere Ladenlokale im Carrer de Robert Graves zu kaufen. Ich bin mir sicher, mit den neuen Investitionen an der Plaça Gomila wird das Viertel in den nächsten Jahren aufblühen.”

Selbstverständlich freut sich Katja Schrapel über das gesteigerte Interesse an Kaufobjekten im Viertel, allerdings hofft sie gleichfalls inständig, dass ihr Zuhause einer Gentrifizierung entgeht. „Berlin-Kreuzberg ist dafür ein schönes Beispiel. Es war hip, künstlerisch und angesagt, deshalb sind dort alle hingezogen. Die Mieten sind explodiert und auf einmal konnten sich nur noch die Besserverdiener eine Mietwohnung leisten. Das hat das Kult-Viertel in Berlin für viele wiederum unattraktiv gemacht. Ich hoffe, unser El Terreno bleibt ein Ort, wo man seine Nachbarn kennt und die Freigeister mit ihren Eigenarten wohnen.”

Im Moment sieht es so aus, als würde es genau diese Freigeister immer mehr nach El Terreno ziehen. Seit ein paar Jahren sind unter Schrapels Kunden einige Prominente. Nach und nach siedeln sich vor allem Künstler aus Deutschland unterhalb des Parks de Bellver an. Namen will sie natürlich keine verraten. „Meine Kunden wollen gern unentdeckt hier leben, nur so viel: Es sind einige Musiker und bekannte Gesichter aus den deutschen Medien dabei. Diese Prominenten, erklärt Schrapel weiter, „holen wiederum nach und nach ihre Künstler-Kollegen nach El Terreno und so ist hier eine richtige kleine Gemeinschaft der Kunstschaffenden entstanden.”

Auch wenn die Namen geheim bleiben, müssen es relativ erfolgreiche Künstler sein, die sich im Viertel ansiedeln. Denn die Mieten sind noch einigermaßen erschwinglich, aber für den Normalverdiener gibt es schon lange keine günstigen Kaufobjekte mehr. Die preiswerteste Wohnung, welche die Maklerin derzeit im Angebot hat, kostet stolze 195.000 Euro. Dafür bekommt der Käufer 55 Quadratmeter Wohnfläche. Die teuerste Villa im aktuellen Portfolio liegt bei 6,4 Millionen Euro. Neben den privaten Investoren arbeitet auch die Stadt Palma daran, El Terreno zu altem Glanz zurück zu verhelfen. Zum einen soll der Paseo Marítimo bis 2023 umgestaltet werden und zum anderen wird das Grundstück des alten Schwimmbads S’Aigo Dolça zum Fitnessstudio mit Pool und Parkhaus umgebaut.