Wer auf die Formentor-Halbinsel will, kommt am Colomer-Aussichtspunkt vorbei, wo die Felswände senkrecht ins Meer abfallen.

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Es ist ein kleines Paradies im Paradies, das im Winter noch stiller ist als sonst. Bewegt man sich auf dem Formentor-Strand und durch den angrenzenden Wald, ist nur das Plätschern der Wellen und das Rauschen des Windes zu hören. Verstreut liegen unweit des im Umbau befindlichen Hotels einige stattliche Anwesen, darunter eine weiße und moderne Villa ein wenig oberhalb der Steilküste, die dem im Jahr 2020 an Corona verstorbenen spanischen Unternehmer Alfonso Cortina gehörte.

Es handelt sich um ein Gebäude, das jahrelang die Gerichte auf Trab hielt. So still es hier auf der nördlichsten Halbinsel Mallorcas auch ist, so hoch ging es zeitweise her: Das Verwaltungsgericht in Palma entschied im Sommer 2016, dass das ab 2005 erbaute Anwesen des Ex-Chefs des Erdölkonzerns Repsol bleiben darf. Damit wurde ein früheres Urteil des Oberlandesgerichts aufgehoben, das 2014 angeordnet hatte, den imposanten Bau schleunigst zu entfernen.

Dabei war alles mit rechten Dingen zugegangen: 2005 hatte die für die Halbinsel zuständige Gemeinde Pollença die Baugenehmigung erteilt. Man fing an, doch einem Nachbarn – ebenfalls ein reicher spanischer Unternehmer – gefiel das nicht. José Antonio Martínez Sampedro reichte Klage wegen vermeintlicher Unregelmäßigkeiten ein. In einem ersten Urteil hieß es, dass die schiere Größe der Villa gegen spanisches Recht verstoße. Doch 2016 wendeten sich die Dinge zugunsten von Cortina. Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts entschied das oberste balearische Gericht ein Jahr später ebenfalls zugunsten des Tycoons. Das Anwesen füge sich besser in die naturbelassene Umgebung ein als so manche Nachbarsvilla, hieß es unter anderem zur Begründung.

Und so steht das Anwesen weiter in der Landschaft, als ob nichts gewesen wäre. Doch die Anwältin, die damals zunächst die Annullierung der Baulizenz erreicht hatte, ist in der Gegend wieder aktiv. Antonia Gomila versucht derzeit, die Erlaubnis für den durchgreifenden Umbau des historisch bedeutsamen Formentor-Hotels wieder rückgängig zu machen. Erneut hat sie die Gemeinde Pollença im Blick. Sie wirft ihr vor, dass Nachbarn durch das Ausmaß der Umbauaktion belästigt werden könnten. Die Rechtsexpertin vertritt einen Mann, der seit Jahren erfolglos versucht, für sich eine Baugenehmigung zu erhalten.

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Und ja, das ehemals so ehrwürdige Fünf-Sterne-Hotel Barceló Formentor, wurde inzwischen völlig entkernt. Die Baustelle des Four-Seasons-Konzerns, bei dem der Software-Tycoon Bill Gates ein gewisses Mitspracherecht hat, ist für Journalisten derzeit nicht zugänglich. Beim MM-Besuch ist an einer Schranke, neben der Wachleute Dienst tun, Schluss. Am Portal wurde bereits das Four-Seasons-Schild angebracht, doch der noch unfertige Bau ist nur aus der Ferne, wenn man wieder Richtung Port de Pollença fährt, auszumachen.

Man hat dort Großes vor: Die Zahl der Mitarbeiter soll verdreifacht werden, so dass, wenn hier einmal alles läuft, derer 460 Dienst tun werden. Außerdem haben sich die Bauherren der Nachhaltigkeit verschrieben: Ziel ist, umweltfreundlich mit Wasser und Energie zu wirtschaften. Damit wird das im Jahr 1929 von dem deutschstämmigen argentinischen Millionär Adán Diehl eröffnete Anwesen in die naturverbundene Jetztzeit gebeamt. Es ist halt lange her, als der Hotelier Gäste noch mit dem Boot von Port de Pollença abholen ließ, weil es noch keine Verbindungsstraße gab.

Letztere ist neben Anwesen wie der Cortina-Villa und dem Hotel ebenfalls seit Jahren ein Thema in den Medien: Weil besonders im Sommer immer immens viele Menschen zum Leuchtturm fahren wollen, wird der Zugang auch diesmal stark eingeschränkt, und zwar wie schon üblich vom 15. Juni bis zum 15. September. Neu ist, dass die dann eingesetzten Zubringerbusse bis in die Nacht hinein verkehren sollen, weil die Strecke halt von 10 bis 22.30 Uhr gesperrt sein wird. Will man mit dem Auto zum für Mallorca-Verhältnisse ungewöhnlich schattigen Formentor-Strand fahren, so kann man sich ein Bußgeld ersparen, wenn man vor Ort kostenpflichtig parkt oder in den Restaurants etwas isst oder trinkt. Wer zum Leuchtturm will, muss wie bisher den Bus nutzen.

Das Paradies im Paradies soll halt auch im Sommer zumindest ein wenig von seinem Zauber behalten.