Ein Bild für die Götter: Zwischen Sóller und Fornalutx, im Zitrustal zu Füßen des Puig Major, ist die Blütenpracht der Orangenbäume derzeit besonders enorm.

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Es ist ein Schwall, der einem warm, weich, feucht und süßlich entgegenschlägt. Überall ist im Orangental von Sóller dieser Tage der honigartige Duft der Orangenblüten zu vernehmen, er dringt fast in die Poren ein. Der angenehme Odem hat auch durchaus etwas Laszives an sich.

„Ich rieche den gar nicht mehr, weil ich mich so daran gewöhnt habe”, sagt Einwohnerin Neus, die während des MM-Besuchs gerade im Restaurant „Lluna Dolça” in der Mondstraße des idyllisch gelegenen Ortes zu Mittag isst. „Die Urlauber sind aber begeistert davon.”

Dass die kleinen weißen Blüten im Orangental fast gar nicht verarbeitet werden, ist angesichts der Sogwirkung, die sie auch auf deutsche Urlauber ausüben, etwas merkwürdig. Im Laden der Zitruskooperative heißt es aber kategorisch, dass man die Blüten Blüten sein lasse und auch nichts daraus Produziertes anbiete. Genauso äußert sich die Schottin Lisa Stodart, die eine Zitrusplantage im grün-orangenen Garten Eden rund um Sóller betreibt. Ihr sei zwar klar, dass man die Blüten nutzen könne, „wir aber verkaufen nur die Früchte.”

Dabei werden getrocknete Blütenblätter unter anderem für Bio-Tee benutzt. Es reicht, zwei Gramm mit einem Viertel Liter heißem Wasser zu überbrühen, um ein schmackhaft-gesundes Elixier zu kreieren. Auch Honig, Zucker, Milch und Pudding werden mit den Blüten als Aromageber angereichert.

Scharwenzelt man durch die Felder zwischen Sóller, Fornalutx und Biniaraix, ist einem das allerdings einerlei. Hält man die Nase in den Wind und atmet tief ein, schafft es der Duft jedenfalls spielend, das real existierende Mittelmeer-Idyll noch zu vervollkommnen. Da spielt dann sogar die Retro-Straßenbahn auf einmal nur noch eine Nebenrolle.