Auf die Mitarbeiter in den Arbeitsämtern der Balearen kommt in diesem Winter reichlich Arbeit zu. | ULTIMA HORA

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Der Vergleich des Inselarchipels mit Europas Sorgenkind Nummer eins - Griechenland - wurde an höchster Stelle gezogen: "Die Balearen befanden sich auf dem bestem Weg nach Griechenland", schmetterte Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Josep Ignasi Aguiló vergangene Woche im Balearen-Parlament der Opposition ins Gesicht, um anschließend die Vorgängerregierung für die desolate Wirtschaftslage der Inseln verantwortlich zu machen.

Vorwürfe, die die Sozialisten nur zu gern von sich wiesen. Die konservative Regierung sei unfähig, mit den Banken einen Kredit auszuhandeln. Sie verharre untätig und betreibe angesichts der spanienweiten Wahlen am 20. November Panikmache.

Die jüngsten Wortgefechte in der Delegiertenkammer in Palma sind derzeit mehr als bloße Tiraden im politischen Alltagsgeschäft. Sie sind ein Beleg für die blank liegenden Nerven der Verantwortlichen. Denn um die Wirtschaft auf den Inseln ist es derzeit wahrlich nicht wohlbestellt. Die öffentlichen Kassen sind leer, der Rotstift regiert, die Zahl der Arbeitslosen erreicht neue Rekorde, das Tourismusgeschäft fällt stärker denn je in Winterstarre und die Aussichten für die kommenden Monate bis zum Frühjahr sind alles andere als rosig.

Warnsignale allerorten, etwa auf dem Arbeitsmarkt: Im Oktober waren mit 86.924 Arbeitslosen so viele Menschen ohne einen Job wie noch nie in einem zehnten Monat.

Im Vergleich zum Vorjahr waren es lediglich 2,5 Prozent Arbeitslose mehr. Vergleicht man aber die Zahl mit den Oktoberdaten der Jahre 2001 bis 2007 - die nach der Krise des 11. September ohnehin nicht die konjunkturell erfolgreichsten waren - wird der Unterschied dramatisch deutlich: In jenen Jahren waren im Oktober im Schnitt lediglich stets um die 35.000 Menschen arbeitslos gewesen.

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Die Balearen-Regierung sieht nur einen Weg aus der Misere: Die Konsolidierung des Haushalts. Dies geschieht unter dem Druck der spanischen Zentralregierung, die ihrerseits von den EU-Partnern und noch mehr von den Rating-Agenturen forciert wird, Ordnung in den Etat zu bringen. Das Ziel für 2012 steht fest: Das Defizit muss auf die zulässigen 1,3 Prozent des Bruttoinlands-produkt zurückgefahren werden. Ansonsten drohen dem Haushaltssünder Spanien Strafen in Form von verteuerten Krediten.

Die Balearen-Regierung hat ihren Haushaltsplan für 2012 gerade eben noch fristgerecht im Parlament eingebracht, die Kammer muss das Gesetz bis zur Weihnachtspause verabschieden. Die Zwangslage der Regierung ist manifest: Der Schuldendienst bei den Banken fällt so stark ins Gewicht, dass für Investitionen zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung kaum Mittel zur Verfügung stehen.

Dementsprechend negativ fällt das Urteil der Wirtschaftskräfte aus: Nicht nur die Gewerkschaften sehen in der Finanzplanung keine Förderung der Beschäftigung, auch der Arbeitgeberverband Caeb klagt, dass ohne öffentliche Aufträge keine neuen Arbeitsplätze entstehen werden.

Angesichts dieser Entwicklungen muss es schon als Lichtblick gelten, wenn einer der führenden Wirtschaftsweisen auf den Inseln, der Leiter des Forschungsinstituts CRE, Toni Riera, keine Rezession für die Inseln ausmacht. Nach seinen Prognosen wird die Konjunktur 2011 um 0,4 bis maximal 0,5 Prozent zulegen, gleichzeitig aber auch Erschöpfungszustände zeigen. Das Problem ist nach seinen Worten das knappe Geld in den öffentlichen Kassen aufgrund der notwendigen Sparzwänge, wenn Mallorca und Spanien die Vorgabe zur Euro-Stabilisierung erfüllen wollen.

Von den Banken sei keine Hilfe zu erwarten. Die Geldinstitute werden die Kreditvergabe nicht lockern, da sie derzeit selbst in einem akuten Prozess der Kapitalbeschaffung stehen, um ihre Zukunft zu sichern (Hintergrund sind die Umstrukturierung des Bankensektors in Spanien nach der Reduzierung der Sparkassen sowie der Wettbewerb durch die europäischen Stresstests). Die Kreditdrosselung der Banken, so Riera, ist "das schwere Problem der balearischen Wirtschaft".