Erste Müll-Lieferung eingetroffen

Abfall vom Festland kam Freitagfrüh per Fähre

Palma | | Kommentieren
Symbolfoto: Der erste Mülltransport kam per regulärer Fähre.

Symbolfoto: Der erste Mülltransport kam per regulärer Fähre. In Zukunft könnten auch Müllschiffe wie auf diesem Bild zu sehen zum Einsatz kommen.

Symbolfoto: Der erste Mülltransport kam per regulärer Fähre.Ultima-Hora-Fotograf Miquel Àngel Canellas war dabei, als der erste Lastwagen seine Müllfracht in der Verbrennungsanlage Son Reu

Die erste der umstrittenen Mülllieferungen vom Festland ist auf Mallorca angekommen. In den Morgenstunden des Freitag gelangte der Abfall in die Müllverbrennungsanlage Son Reus. Zehntausende Tonnen werden im Laufe des Jahres folgen.

Die Betreiberfirma von Son Reus, Tirme, teilte am Freitagmorgen um 6.30 Uhr per Email mit, die Ankunft der ersten Lieferung stehe unmittelbar bevor. Es handelte sich dabei um Abfälle aus Sabadell bei Barcelona. Zwischen acht und neun Uhr wurde der Transport in Son Reus erwartet. 

Lose auf Lkw verladen gelangte der Müll per regulärer Fähre nach Palma, wie Tirme meldet. Zunächst gibt es eine mehrtägige Testphase, in der insgesamt 1000 Tonnen Müll auf die Insel gebracht werden sollen.

Insgesamt ist für 2013 der Import von 40.000 Tonnen allein aus Sabadell geplant. Verhandlungen mit weiteren möglichen Lieferanten im Ausland laufen allerdings.

Die Müllimporte sorgen seit Monaten für heftige Kontroversen auf Mallorca. Der Inselrat plant, auf diese Weise die Auslastung und die Rentabilität der Verbrennungsanlage zu verbessern und eine Anhebung der Müllgebühren zu verhindern. 

Der Abfall soll in Son Reus verbrannt werden. Die dabei entstehende Hitze wird zur Stromproduktion genutzt. Diesen wiederum kann Tirme verkaufen und so zusätzliche Einkünfte generieren.

Opposition und Umweltschützer kritisieren das Vorgehen scharf und verweisen auf mögliche Imageschäden für die Urlaubsinsel Mallorca. (jm)

 

 

Kommentar

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A. Müller / Vor über 9 Jahren

Super Werbung für Mallorca! Weiter so!

Spiegel online:

"Madrid/Palma de Mallorca - Mallorca ächzt seit Jahren unter dem Massentourismus. Nun wird die spanische Ferieninsel weiteren Umweltbelastungen ausgesetzt: Die Regierung importiert seit Freitag fremden Abfall, um die riesige, hochmoderne Müllverbrennungsanlage Son Reus besser auszulasten.

Einheimische und Umweltschützer sind empört. Bei einer Protestveranstaltung setzten sich Aktivisten Atemschutzmasken auf, um vor den Folgen des umstrittenen Müllprojekts zu warnen. Gebracht haben diese Kundgebung und viele andere Aktionen zuvor - vorerst zumindest - kaum etwas. "Die Euro-Scheiße ist schon hier. Wir wollen nicht zur Mistgrube Europas werden", war auf einem Plakat zu lesen, mit dem Demonstranten am Freitag vor der Anlage protestierten. Am Wochenende forderten die oppositionelle Linkskoalition PSM-IV-ExM und die Umweltschutzgruppe Gob den Rücktritt von Umweltsekretärin Catalina Soler. Mallorca werde nicht nur einen Imageschaden mit negativen Folgen für Tourismus und Wirtschaft erleiden. Die Gegner des Projekts - zu denen besorgte Anwohner, Hoteliers und sogar Rentnerverbände gehören - warnen zudem vor ernsten Gefahren für die öffentliche Gesundheit.

700 bis 800 Kilo Müll pro Kopf und Jahr

Die auf den Balearen regierende konservative Volkspartei PP und der Betreiber der Müllverbrennungsanlage, das Unternehmen Tirme, erklären derweil, man importiere nicht "stinkenden Müll", sondern Brennstoff, mit dem man 34 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren werde. Das entspreche dem Verbrauch von 6870 Haushalten auf Mallorca.

Die Menge der auf den Balearen erzeugten erneuerbaren Energie werde um 7,45 Prozent zunehmen, der Ausstoß von Kohlendioxid werde sich um 44.300 Tonnen verringern, heißt es. Zudem werde man eine Erhöhung der Müllgebühren vermeiden und im Euro-Krisenland Arbeitsplätze schaffen.

Wichtig für die Betreiber der Müllverbrennungsanlage: Der Profit soll mindestens 1,7 Millionen Euro pro Jahr betragen. Gegner behaupten, bei der Entscheidung der Behörden zugunsten des Vorhabens habe nur das eine Rolle gespielt. Obwohl auf Mallorca mit 700 bis 800 Kilo pro Kopf und Jahr so viel Abfall produziert wird wie kaum sonstwo in Europa und die Recyclingquoten sehr niedrig sind, war die erst 2007 erweiterte Anlage zuletzt mit einer Verbrennungsmenge von 400.000 Tonnen im Jahr nicht einmal in der Hochsaison ausgelastet. Den Rest des Jahres ist sie erst recht nicht rentabel.

"Supermacht in Sachen Mülltourismus"

Müllimport ist in den vergangenen Jahren zu einem der lukrativsten Geschäfte geworden. Auch Deutschland importiert Abfall. In Urlaubs- und Naturparadiesen wie Mallorca ist das aber eher selten. Auf der Baleareninsel begann das Projekt mit einem Probelauf. Zunächst trafen am Freitag auf einer Fähre 140 Tonnen Müll aus dem katalanischen Sabadell ein. Laut der "Mallorca Zeitung" wurde der Müll in Barcelona auf Lastwagen geladen und per Fähre nach Palma de Mallorca verschifft. Von dort fuhren die Fahrzeuge zur nur knapp zehn Kilometer nördlich der Stadt liegenden Verbrennungsanlage.

In den kommenden Wochen solle anhand von insgesamt 1000 Tonnen Müll geprüft werden, ob die Qualität des Brennstoffs auch in der Praxis zufriedenstellende Ergebnisse liefert, heiß es in dem Bericht. Weitere 40.000 Tonnen könnten dann aus der Anlage in Sabadell nach Mallorca geliefert werden.

Nach einer mehrwöchigen Testphase sollen bis zu 100.000 Tonnen pro Jahr, möglichst bald auch doppelt so viel, importiert werden. Eventuell auch aus anderen Ländern Europas. Gespräche mit Italienern scheiterten aber, weil die Geschäftspartner angeblich Mafia-Verbindungen hatten. "Bis jetzt ist alles phantastisch gelaufen, ein Teil des Mülls ist schon verbrannt", wurden Sprecher der Firma Tirme am Wochenende von spanischen Medien zitiert. Die Gegenseite sieht das ganz anders. Das Abfallgesetz der Insel, auf der 800.000 Einwohner ständig leben und jährlich zwölf Millionen Menschen ihren Urlaub verbringen, verbiete den Müllimport ausdrücklich. Das Projekt sei ordnungswidrig, meint PSM-IV-ExM-Sprecherin Magdalena Palou. "Das ist ein Anschlag auf die Insel." Mallorca werde so zur Supermacht in Sachen Mülltourismus.

Das ganze Thema treibt einem Restaurantbesitzer in Palma de Mallorca Sorgenfalten auf die Stirn. "Mit der Krise haben wir doch schon genug. Wenn jetzt ihr von der Presse über den Müllimport schreibt, können wir nächsten Sommer einpacken." Noch besorgniserregender sind die Worte von Gob-Umweltschützerin Margalida Ramis und von Jaume Bonet, Sprecher des Mallorquiner Rentnerverbands. Beide wiesen am Freitag auf Regierungsstudien hin, wonach die Zahl der Krebsfälle in Wohngebieten nahe der Müllverbrennungsanlage zugenommen habe."

Hans Müller / Vor über 9 Jahren

Goodbye Müllorca!

Jörg Schmidt / Vor über 9 Jahren

Adios Mallorca......es lebe Menorca!