Wie sich Orangen-Bauer Juan Picornell durchschlägt

"Gerade genug für eine Person"

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Mit vereinten Kräften und wenig Marketing: Juan Picornell  (l.) mit seinem Vater Toni.

Mit vereinten Kräften und wenig Marketing: Juan Picornell (l.) mit seinem Vater Toni.

Von seinen Orangen leben? Das sei unmöglich, sagt Juan Picornell. Er schafft selbst auf dem fast acht Hektar großen Stück Land, wo an 50 Bäumen Orangen- und Clementinen reifen. Einen Mandarinenbaum hat er auch, mal wachsen die Mandarinen, mal nicht. Die Bäume, manche bis zu 100 Jahre alt, seien noch nie gegossen worden, sagt Toni Picornell, Juans Vater. Das sei in dieser Senke zwischen Porreres und Llucmajor nicht nötig. Die Hälfte der Bäume hat er selbst vor 25 Jahren gepflanzt.

Toni, im Hauptberuf Sozialarbeiter, hilft seinem Sohn, damit der zumindest seinen eigenen Unterhalt von dem Stückchen Land bestreiten kann. Sein Vater, Juans Großvater, hat Son Valls d'en Sion vor 50 Jahren gekauft. Toni hat sich einen anderen Beruf gesucht, nun ist der Enkel wieder dran. Es war auch ein kleiner Ausweg aus der Wirtschaftskrise. Nun kämpfen Vater und Sohn gemeinsam für ein Auskommen. Juans Freundin ist Lehrerin, zu zweit kommen die beiden über die Runden.

Pro Baum erntet Juan zwischen 30 und 54 Kilogramm, kommt im Jahr auf rund zwei Tonnen Zitrusfrüchte. Clementinen, Navel, Navelina, Navelate. Die verkauft er ausschließlich in Eigenregie zweimal pro Woche auf dem Markt von Santanyí. Aktuell kostet das Kilo bei ihm einen Euro, die späten Orangen bringen 1,20 Euro. Die Kooperativen würden ihm nicht einmal die Hälfte dafür zahlen, der Großhandel im Mercapalma zahlt für manche Sorten gerade mal 15 Cent für das Kilo. Mercapalma verkaufe die Orangen für 30 Cent weiter. "Die verdienen dann genauso viel wie der Landwirt, aber ohne eine Hand zu rühren. Was für ein Geschäft", sagt er. "Da lasse ich sie lieber verfaulen."

Außerdem bräuchten sie dann Etiketten. So etwas gibt es auf der Finca Son Valls nicht. Dort vertraut man auf ihre Qualität.

Juan ergänzt sein Angebot mit Äpfeln, Oliven, Aprikosen, Pflaumen und Nüssen - alles aus eigenem Anbau. Im Sommer hat er viele deutsche Kunden. "Es ist wichtig, sich einen Stamm aufzubauen, das geht nur über konstante Qualität." Vor allem Deutsche wüssten es zu schätzen, wenn die Früchte von der Insel kämen.

Kopfzerbrechen bereitet den beiden die Ceratitis Capitata, die Mittelmeerfruchtfliege. "Früher gab es die gar nicht", sagt Toni Picornell. Der Schädling wurde importiert, heute haben die Bauern darunter zu leiden. Sie sprühen, aber nur das Minimum, wenn sie einen Schädling entdecken. Große Plantagen, so der Bauer, sprühen flächendeckend und prophylaktisch, anders wäre es nicht machbar.

Was die Zukunft bringt? Juan denkt an Bestellungen per Internet, mit Lieferungen alle 14 Tage, immer frische Früchte der Saison. Es könnte ein Weg sein.

(Der Bericht ist Teil des Themas der Woche im neuen MM. Die vollständige Berichterstattung lesen Sie in der jüngsten Ausgabe, erhältlich am Kiosk auf Mallorca, sowie an den Bahnhöfen und Flughäfen in Deutschland; oder auf E-Paper.)

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