Reisebüro-Verbandschef Fiebig zufrieden mit Corona-Lage auf Mallorca

| Mallorca |
Norbert Fiebig, Präsident Deutscher Reiseverband DRV

Norbert Fiebig, Präsident Deutscher Reiseverband DRV

Foto: Wyrwa

Mallorca Magazin:Wie sieht die Prognose für die touristische Sommersaison aus deutscher Sicht für Mallorca, Griechenland oder Kroatien aus?

Norbert Fiebig:Die Corona-Pandemie hat die Reisewelt ordentlich durcheinander gewirbelt. Seit Mitte März waren keinerlei Reisen von Deutschland aus mehr möglich. Wir freuen uns sehr, dass durch die Aufhebung der Reisewarnung für europäische Ziele das Geschäft jetzt langsam wieder anlaufen kann. Prognosen sind derzeit allerdings noch schwierig. Aber wir gehen davon aus, dass die beliebten Urlaubsziele der Deutschen, die gut durch die Krise gekommen sind – und dazu zählt auch Mallorca – auch die Ziele sein werden, die als erste wieder bereist werden.

MM:Haben die Deutschen Angst zu reisen, oder haben sie Lust, trotz Covid-19 in den Urlaub zu fahren?

Fiebig:Die Lust der Deutschen zu reisen ist grundsätzlich da. Ein Drittel aller Urlaubsreisen der Deutschen hat Deutschland zum Ziel, das sehen wir seit Jahren. In diesem Jahr wird dieser Anteil vermutlich noch etwas höher sein.

MM:Hätten Sie gedacht, dass die touristische Reaktivierung so schnell erfolgen würde, angesichts der Tatsache, dass noch vor ein, zwei Monaten praktisch kein Hotel plante, diesen Sommer zu öffnen?

Fiebig:Die Entwicklung der gesamten Corona-Pandemie war von Anfang an sehr dynamisch. Unter Beachtung des Infektionsgeschehens der einzelnen Länder und auch dem Umgang damit, sind jetzt die ersten Öffnungen erfolgt – immer unter der Prämisse, dass die Gesundheit oberste Priorität hat. Jetzt muss alles getan werden, eine zweite Corona-Welle zu verhindern.

MM:Die deutschen Fluggesellschaften befinden sich in einer etwas heiklen Situation, wie bewerten Sie die Hilfe, die die Regierung leistet, um einen Bankrott zu vermeiden?

Fiebig:Zu diesem Punkt müssten Sie besser den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft fragen. Dort sind für dieses Thema die Experten.

MM:Welcher Prozentsatz des Umsatzes kann Ihrer Meinung nach in den Monaten Juli, August und September erreicht werden im Vergleich zu 2019? Auf Mallorca ist die Rede davon, dass 30, mitunter sogar 40 Prozent des Umsatzes des vergangenen Jahres zurückgewonnen werden können. Was halten Sie davon?

Fiebig:Das scheint mir eine realistische Einschätzung zu sein.

MM:Glauben Sie, dass die Hoteliers auf den Balearen dieses Jahr Anreize und Ermäßigungen anbieten sollten, um deutsche Touristen anzuziehen, damit sie mit Griechenland und anderen Reisezielen im Mittelmeerraum konkurrieren können?

Fiebig:Die deutschen Urlauber sind reiseerfahren und preissensibel. Insbesondere Familien mit Kindern erfreuen sich an vielfältigen All-inclusive-Angeboten, damit sie ihre Reisekasse besser planen können. Summa summarum ist es aber immer das Gesamtpaket aus Preis-Leistung, das überzeugen muss.

MM:Ist es logisch, dass die Regierung der Balearen in der gegenwärtigen Situation von den Touristen, die in den Hotels übernachten, die touristische Ökosteuer, einfordert?

Fiebig:Nachhaltigkeit und Ökologie sind Themen, die nichts an ihrer Bedeutung verloren haben – auch wenn sie durch Corona wie so vieles andere etwas in den Hintergrund getreten sind. Mit Blick in die Zukunft ist es wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis in dem ökologischen, ökonomischen und sozialen Dreiklang hinzubekommen. Im deutschen Quellmarkt sehen wir ein wachsendes Interesse an nachhaltigen und ökologischen touristischen Produkten. Gleichzeitig sind wir der Überzeugung, dass bestehende staatliche Lenkungsmechanismen – insbesondere nach einer solchen Krise – nochmals auf ihre Wirkung hin überprüft werden sollten.

MM:Wie schätzen Sie ein, dass auf Mallorca das touristische Nachtleben beschränkt wird? Ist es möglich, ein Reiseziel ohne ausreichendes Zusatzangebot an Bars und Diskotheken zu vermarkten?

Fiebig:Corona hat unser gesamtes Leben verändert – das betrifft nicht nur den Urlaub, sondern auch unseren Alltag. Der Mund-Nasen-Schutz gehört inzwischen schon fast zur Normalität – ebenso wie Abstand und Hygiene-Regeln einzuhalten. Größere Veranstaltungen sind nach wie vor nicht erlaubt und der Besuch von Bars und Restaurants ist auch in Deutschland nur unter Auflagen möglich. Dennoch sehnen sich die Menschen nach Abwechslung und Entspannung im Urlaub. Der diesjährige Reisesommer wird auch vor diesem Hintergrund anders sein als die Sommer der vergangenen Jahre. Um eine zweite Corona-Welle zu vermeiden, ist es schlicht notwendig, sich konsequent an diese vorgegebenen Maßnahmen zu halten.

MM:Wird es 2020 weitere Konkurse geben, wie etwa im Vorjahr bei Thomas Cook?

Fiebig:Die Corona-Pandemie ist in ihrer Wirkung eine bisher ungekannte Herausforderung für die gesamte Welt. Der Tourismus ist eine der Branchen, die am stärksten betroffen sind. Dementsprechend ist 2020 ein wirklich sehr herausforderndes Jahr und ich hoffe, dass alle so gut es geht aus dieser Krise herauskommen werden und die leistungsfähige Infrastruktur keinen Schaden nimmt.

MM:Wird dies eine Sommersaison sein mit einem Preiskampf zwischen den Reisezielen Mallorca, Griechenland, Türkei, Ägypten?

Fiebig:Wie bereits gesagt, der diesjährige Reisesommer wird definitiv anders sein als in den Jahren zuvor. Sehr viele Menschen werden in diesem Jahr ihren Urlaub im eigenen Land verbringen und nicht ins Ausland reisen. Wie sich die Preise am Ende entwickeln werden, bleibt im Moment abzuwarten. Es ist immer relativ leicht, die Preisschraube nach unten zu drehen – sie wieder hoch zu bekommen, ist leidlich schwieriger.

MM:Glauben Sie, dass die Touristen sich an die Gesundheitsschutzprotokolle in Hotels, Restaurants und Bars anpassen werden?

Fiebig:Die Maßnahmen in den Urlaubsregionen ähneln dem, was die Menschen inzwischen aus ihrem alltäglichen Leben gewohnt sind. Dementsprechend gehe ich fest davon aus, dass sich die Reisenden auch im Urlaub daran halten, so wie sie es zu Hause auch tun.

MM:Die Balearen gelten in gesundheitlicher Hinsicht als ein sicheres Reiseziel. Glauben Sie, dass dies der Hauptgrund für deutsche Touristen sein wird, nach Mallorca zu reisen?

Fiebig:Psychologen sagen, dass Menschen gerade in Krisensituationen auf das Bekannte setzen. Mallorca ist eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen – und das seit vielen, vielen Jahren. Die Deutschen haben Mallorca fest in ihr Herz geschlossen. Und ja – die Balearen haben die Corona-Pandemie sehr gut gemeistert und die Situation ist vergleichbar mit der in Deutschland, wenn nicht sogar besser. Alles Gründe, die für einen Urlaub auf Mallorca sprechen.

Die Fragen stellten Juan Luis Ruiz Collado und Alexander Sepasgosarian

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Majorcus / Vor 1 Monat

@derinsulaner. Wer schützt die Deutschen vor den zurückkehrenden Urlaubern?

derinsulaner / Vor 1 Monat

Die Touristen sollen einen sicheren geschützten Urlaub verbringen. Wer schützt die Angestellten vor den Touristen?!

Paula / Vor 1 Monat

so lange nicht getestet wird, bleibt die Insel offen für die Touristen=Euro´s. Kapiert?

Majorcus / Vor 1 Monat

Die Zufriedenheit Fiebigs basiert auf der Unterlassung von stichprobenhaften Tests. Somit werden Infektionen erst zu spät erkannt und Infektions-Ketten billigend in Kauf genommen. Verantwortungsbewusster wäre, ALLE Flugreisenden vor Abflug zu testen. Wer infiziert ist kommt unverzüglich in Quarantäne, die Andern können in einem Corona-freien Flieger reisen. So könnte mallorca den Virus aussperren! Konsequent sicher, denn der nächste Lockdown kostet mehr, als die Meschen, die sich keinen Test leisten können ...