Der Hafenstrand von Colònia de Sant Jordi – mittlerweile auch mit Schirmen und Liegen ausgestattet – ist bei Urlaubern sehr beliebt. | Patrick Czelinski

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Wer schon einmal durch das Fischerdorf Colònia de Sant Jordi spaziert ist, dem sind möglicherweise dieselben Worte durch den Kopf gegangen wie dem MM-Redakteur: Beschaulichkeit, Gelassenheit, Unaufgeregtheit. Am Himmel kreischen die Möwen, die See plätschert ziemlich platt vor sich hin, vor den alten Häusern sitzen Männer, die gut und gerne auf die 100 zugehen, im Lehnstuhl und beobachten Urlauber, die bunte Luftmatratzen durch die sonst weitgehend leeren Straßen tragen. Am Hafen riecht es nach fangfrischem Fisch, vor den Lokalen an der Promenade nach jenem, der bereits in der Pfanne gelandet ist...

Ja, die „Colònia” hat sich ihren ganz eigenen Charme bewahrt – ruhig, entspannt und familiär. Und die Probleme, die der Ort zu Beginn der Urlaubersaison hatte, sind weitgehend beseitigt. Gute Vorzeichen also für einen erfolgreichen Sommer im Inselsüden.

„Unser Start war holprig”, erklärt Apolonia Bonet, die stellvertretende Vorsitzende des lokalen Hotelverbands. Es seien vor allem die Strandlizenzen gewesen, die in diesem Jahr auf sich haben warten lassen. Wochenlang mussten die Playas in dem Ort ohne Liegen und Schirme auskommen. „Bei der Küstenbehörde in Madrid weiß man offenbar nicht immer, wie wichtig für uns ein pünktlicher Beginn der Saison ist”, so Bonet weiter. Jetzt aber seien die Probleme behoben und die Strände in perfektem Zustand. Die Touristen, so die Betreiberin eines Apartment-Komplexes, seien zehr zufrieden. Das kenne man in Colònia de Sant Jordi eigentlich auch nicht anders. „Wir haben so viele Stammgäste – junge Paare, Rentner, Familien – wer sich einmal in diesen Ort verliebt hat, der kommt immer wieder.

Apolonia Bonet ist stellvertretende Vorsitzende des Hotelverbands im Ort.

Eine davon ist Katharina Mosler. Die ehemalige Stewardess der Air Berlin verbringt seit Jahren ihren Urlaub hier. Sie spaziert gerne am alten Fischerhafen entlang und sieht den „Pescadores” bei der Arbeit zu. „Schauen Sie mal, was die heute für einen riesigen Thunfisch gefangen haben”, sagt sie begeistert. Was genau der Reiz des Ortes ist? „Die tollen Strände und die Ruhe, die Entspanntheit. Wir sind mit Colònia de Sant Jordi gewachsen und älter geworden, das mag ich sehr.” Am liebsten isst die Berlinerin im Restaurant Marisol. „Einfach lecker!”

Katharina Mosler aus Berlin liebt "ihr" Colònia de Sant Jordi.
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Wegen der Strände kommen auch Michael und Katja Dell aus Trier hierher. „Man kann von Colònia aus wunderbar die Naturpfade entlanglaufen und findet immer irgendwo eine nette Playa zum Sonnenbaden und relaxen.”

Tatsächlich sind von dem Ort aus nicht nur die beliebten Sandstreifen Es Dolç, Peregons und Estanys fußläufig zu erreichen, sondern auch die Naturstrände Can Curt, Es Carbó, Ses Roquetes und natürlich Mallorcas Karibik-Strand Es Trenc. Dieser allerdings verliert bei den Besuchern von Colònia de Sant Jordi zunehmend an Beliebtheit. „Seit es die Chiringuitos nicht mehr gibt, ist es nicht mehr das Gleiche”, verrät eine spanische Tagestouristin aus Palma. Und auch Apolonia Bonet sagt: „Wir freuen uns, dass der Strand jetzt ein Naturpark ist. Aber die Regierung sollte dafür sorgen, dass es zumindest dauerhaft öffentliche Toiletten und Verkaufsstände für Speisen und Getränke gibt.”

Übrigens: Wie in vielen Orten auf der Insel setzt man auch in Colònia de Sant Jordi auf eine Entzerrung der Saison. Diese dauert derzeit von Ostern bis Ende Oktober. „Unser Ziel ist es, Urlauber von März bis November anzulocken”, erklärt Bonet. Hierfür wird insbesondere das Sportangebot ausgebaut. Egal ob Kajak, Stand-up-Paddling, Beachvolleyball oder Surfen, viele Kleinbetriebe haben sich im Ort auf den Sporttourismus spezialisiert. Und auch der Hotelsektor in der 3000-Seelen-Gemeinde hat ordentlich Geld in die Hand genommen, um das Angebot zu verbessern. Entstanden sind schmucke Vier-Sterne-Hotels wie beispielsweise das „Honucai” direkt an der Hafenpromenade. „Auf diese Weise und dank der Tatsache, dass von hier die Tagesausflüge zur Insel Cabrera starten, ist im Ort auch eine gewisse Internationalität entstanden”, sagt Bonet.

Wirt Nicolás Portell ist zufrieden mit dem Verlauf der Saison.

Dies bestätigt auch Wirt Nicolás Portell von der Bar Auba. „Mittlerweile kommen nicht mehr nur Deutsche und Schweizer, sondern auch sehr viele Italiener und Franzosen. Übrigens sind auch Mallorquiner und Festlandspanier gerne gesehene Gäste im Ort. „Sie haben uns während der Pandemie am Leben gehalten”, sagt Portell. „Als niemand kommen konnte, waren sie hier.”