Ein paar macht Fotos mit Blick auf Barcelona. | J. Martiny

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Wie oft er morgens die erste Maschine nach Barcelona und abends die letzte zurück auf die Insel genommen hat, weiß Jonas Martiny nicht mehr genau. „Es waren aber unzählige” Male, sagt der auf Mallorca lebende freie Journalist, der unter anderem für die „Deutsche Welle”, die „Welt am Sonntag”, die „Taz” und den „Kölner Stadtanzeiger” über die Balearen und Spanien berichtet und auch regelmäßig für das Mallorca Magazin schreibt, dessen stellvertretender Chefredakteur er von 2015 bis 2018 war.

Jetzt ist nach „Menorca” aus der „Direkt”-Reihe sein zweiter Reiseführer im Dumont-Verlag erschienen: das „Reisetaschenbuch Barcelona”, an dem Martiny fast ein Jahr lang gearbeitet hat. Entstanden ist ein über 200 Seiten starkes Kompendium, das den Besucher mitnimmt auf eine lehrreiche und gleichsam spannende Reise durch die „Grafenstadt”. Sortiert nach Stadtvierteln – von Touristenzentren wie der Rambla und dem Barri Gòtic über das ursprüngliche Raval und das weitläufige Eixample bis zum hippen Gràcia –, ist das Buch für Barcelona-Neulinge ebenso informativ wie für eingefleischte Fans Spaniens zweitgrößter Stadt.

guia de barcelona por jonas martiny
Das Dumont-Taschenbuch "Barcelona" ist bereits Jonas Martinys zweiter Reiseführer.

Neu in der Dumont-Reihe „Reise-Taschenbuch” sind die „Das Magazin” genannten Reportage-Seiten, die – ungewöhnlich für einen Reiseführer – auch in jeder Tages- oder Wochenzeitung erscheinen könnten und, bestens recherchiert und lesergerecht aufbereitet, hinter die Kulissen blicken und jene Dinge beleuchten, die Barcelona beschäftigen, wie zum Beispiel die unaufhörlich steigende Zahl an Touristen, die Begeisterung für Menschenpyramiden oder das Wetter, dem man am besten bei einem Besuch der meteorologischen Station auf dem Hausberg Tibidabo auf den Grund gehen kann ...

Für seine Recherchen ist Jonas Martiny monatelang zwischen Mallorca und Barcelona quasi hin und her gependelt, hat sämtliche Stadtviertel bei langen Spaziergängen erkundet, in Restaurants gegessen und Hotels angeschaut. Denn der 45-Jährige weiß: „Es gilt beim Schreiben eines Reiseführers nicht nur, die schönen Seiten einer Stadt zu beleuchten, sondern auch Zahlen und Fakten zu sammeln, gerade im Hinblick auf Eintritts-, Hotel- oder Gastronomiepreise.” Hier haben Pandemie, Inflation und Ukraine-Krieg dem Autor die Arbeit noch einmal ordentlich erschwert. „Viele Preise hatten sich vor Veröffentlichung nochmal geändert, deswegen wurde alles im Frühjahr 2022 nochmal auf Korrektheit überprüft.”

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Barcelona, sagt Jonas Martiny, sei dank des Buchs mittlerweile auch seine Stadt geworden. Ihre Entwicklung von der grauen Hafenstadt zur heißbegehrten, von Touristenmassen überrannten Metropole, hat der Autor, der Geschichte und Romanistik in Bochum, Freiburg und Santiago de Chile studiert und sein Volontariat bei der Westdeutschen Zeitung absolviert hat, am eigenen Leib miterlebt. „Barcelona”, sagt er, „ist ein Ort voller Kontraste – und genau das macht den Reiz aus.” So genüge es beispielsweise, von der gotischen Altstadt aus die touristische Rambla zu überqueren und schon lande man, angekommen im Viertel Raval, in einer anderen Welt – ärmlich, urtümlich, etwas schmuddelig, dafür im Sommer aber mit sprudelndem Nachtleben und dunklen Flamenco-Bars.

Bei seinen Erkundungen ging Martiny stets nach Stadtvierteln vor, denn so sollte auch das Buch aufgebaut sein. „Ich habe Barcelona aufgegliedert und dann Barrio um Barrio – manchmal zu Fuß und manchmal mit dem Fahrrad – erkundet.” Jedes Mal habe er dabei etwas Neues entdeckt. Das sei die große Herausforderung gewesen, sagt er. „Barcelona an sich ist ja kein besonders originelles Reiseziel. Fast jeder kennt die Stadt, sie ist extrem angesagt und eigentlich ständig voller Touristen.” Gerade deshalb sei es ihm wichtig gewesen, Ecken und Plätze zu erkunden, an die sich bisher noch nicht viele Urlauber verirren. „Da gibt es zum Beispiel ein wunderbares Design-Museum an der Plaça Glòries, da war ich fast alleine”, sagt er.

Barcelona, erzählt der Wahl-Mallorquiner, habe neben der Sprache und etlichen architektonischen und kulturellen Parallelen viele Gemeinsamkeiten mit Palma, sei eine Art „große Schwester” der Balearen-Hauptstadt. So hätten beide Städte, wenngleich in unterschiedlichen Größenordnungen, mit ähnlichen Problemen und Herausforderungen zu kämpfen: „Overtourism, Gentrifizierung und Nachhaltigkeit, um nur einige Stichworte zu nennen.”

Jonas Martiny plant übrigens, auch in Zukunft Reiseführer zu schreiben. Wie das geht, weiß er ja mittlerweile gut genug.